Im Test: Was tun grüne Dächer fürs Stadtklima?

Manche Städte fördern sie finanziell, in anderen sind sie Pflicht in den Bebauungsplänen: grüne Dächer, um das urbane Klima zu verbessern. Aber welche Kühlwirkung haben Pflanzen überhaupt? Und welche Gründachtypen eignen sich am Besten? Ein Test mit Modellcharakter in Essen soll das jetzt klären.

Bepflanzte Gebäudedächer sollen in heißen Sommern die Wärmeentwicklung in den Städten verringern, Niederschläge zurückhalten und die Abflusssituation verbessern, wird vielfach proklamiert. Wie sich das Klima mit den Begrünungen konkret beeinflussen lässt und welche Dächer und Pflanzen am besten geeignet sind, will der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst und der EFTAS Fernerkundung Technologietransfer am Beispiel von Essen testen.

Das Projekt soll den Effekt des Begrünens nicht nur auf einzelne Gebäude, sondern auf die ganze Stadt bezogen nachweisen. "Das gesammelte Wissen kann so modellhaft für andere Quartiere genutzt werden", sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Stiftung fördert die Testung in Essen fachlich und finanziell mit 200.000 Euro. Forschungsprojekte, die sich mit der Auswirkung von Dachbegrünung auf die Energieeffizienz von einzenen Gebäuden befassen, fördert der DBU bereits seit mehreren Jahren.

Dachbegrünung und Energieeffizienz

Auch Städte finanzieren seit einiger Zeit Projekte, die sich mit der Auswirkung von Gründächern auf die Energiebilanz von Gebäuden befassen. So hatte etwa die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg im Rahmen ihrer "Gründachstrategie" für die Jahre 2014 bis 2019 drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt, wissenschaftlich begleitet von der HafenCity Universität.

Und in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt mit Schwerpunkt Plattenbaugebiet Dresden-Gorbitz dreht sich alles um die Fragen: Wie lassen sich Wohngebäude baukonstruktiv oder gebäudetechnisch so anpassen, dass sie besseren Schutz vor Sommerhitze bieten? Berlin hat erst im vergangenen Sommer ein 2,7 Millionen Euro schweres Förderprogramm für die Begrünung von Dächern gestartet mit Antworten auf die Frage, was bei einer Dachbegrünung zu beachten ist.

Gründachkataster und Potenzialkataster

Für den Versuch in Essen nun sollen existierende begrünte Flächen in einem sogenannten Gründachkataster erfasst werden. Zusätzlich werden Informationen zur Bepflanzungsart und zu möglichen weiteren begrünbaren Dachflächen gesammelt. Letztere werden in einem "Potenzialkataster" aufgenommen. Auf Grundlage dieser Daten wollen die Wissenschaftler dann herausfinden, welche Kühlwirkung die jeweiligen Pflanzen und die verschiedenen Gründachtypen haben.

"Starkregen mit Hochwasser kann Infrastrukturen in Städten zerstören. Langanhaltende sommerliche Hitzeperioden beeinträchtigen die Gesundheit der Bevölkerung", ist Franz-Peter Heidenreich, DBU-Referent für Kreislaufführung und Bautechnik, überzeugt. Die Begrünung von Dächern könne eine Maßnahme sein, um die möglichen Folgen von extremen Wetterereignissen abzuschwächen.

Ob begrünte Dächer gegen die Folgen des Klimawandels sinnvoll sind, führt zum Teil auch zu hitzigen Diskussionen: Etwa im Rat von Remscheid, der im Bebauungsplan für eine neue Wohnsiedlung Ende November eine Pflicht zur Dachbegrünung beschlossen hat. Zugleich fördert die Stadt die Begrünung von Dächern und Fassaden auch.

Anpassen an den Klimawandel per Simulation

Sind die Essener Daten erfasst, planen die Wissenschaftler verschiedene Simulationen. Zunächst wird das Stadtklima ohne Gründächer, mit den vorhandenen Gründächern und unter Einbeziehung der potenziellen Gründächer untersucht. "In einer zweiten Simulation werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Bepflanzungsarten dargestellt", erklärt Projektleiter Dr. Gunter Mann vom Bundesverband GebäudeGrün.

Ziel sei es zu erfahren, ob das Anpassen an den Klimawandel mit Dachbegrünungen erreicht werden könnte oder ob weitere Maßnahmen gegen die Wärmebelastung in den Städten ergriffen werden müssen.


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Schlagworte zum Thema:  Klimaschutz, Stadtentwicklung