Hitzeschutz in der Stadt

Entsiegelung: Frankfurter Initiative plant Bürgerbegehren

In Frankfurt am Main ist es Pflicht, neue Häuser und Umbauten zu begrünen. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen. Mit einem Bürgerbegehren will jetzt eine Initiative einen Schritt weitergehen.

stadtstrasse_finanzviertel_leer

Mit einem Bürgerbegehren will sich die Initiative "Cityentscheid – autoarm und lebenswert" in Frankfurt am Main für die Entsiegelung und Begrünung der Innenstadt einsetzen. Die Vorbereitungen laufen, ab Frühjahr 2027 sollen Unterschriften gesammelt werden.

"Versiegelte Flächen speichern Hitze, Bäume und Schatten fehlen vielerorts, und der motorisierte Verkehr trägt erheblich zum Klimawandel bei", so die Initiatoren. Die Hitzewellen des Sommers hätten die Dringlichkeit deutlich gemacht. Auch eine Nutzung und Speicherung von Regenwasser und eine höhere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gehören zu den Zielen des Bürgerbegehrens nach der Hessischen Gemeindeordnung.

Freiraumsatzung: Bei Regelverstoß bis zu 15.000 Euro Geldbuße

Die Gestaltungssatzung "Freiraum und Klima" (Freiraumsatzung) der Stadt Frankfurt am Main trat am 10.5.2023 in Kraft. Im Wesentlichen gilt: Höfe, Teile der Fassade und geeignete Dachflächen müssen bepflanzt werden.

Richtwert ist laut Satzung zum Beispiel: mindestens ein Laubbaum pro 200 Quadratmeter Grundstücksfreifläche. Versiegelungen sollen vermieden werden und Bereiche mit Schatten entstehen. Das gilt für alle Neubauten und Umbauten, nicht für bestehende Gebäude. Vorgaben macht hier bereits die Hessische Bauordnung; die Satzung konkretisiert.

Außerdem sind Schottergärten und meterhohe Sichtzäune verboten. Wer gegen die Regeln der Freiraumsatzung verstößt, handelt ordnungswidrig und muss mit einer Geldbuße von bis zu 15.000 Euro rechnen.

Studie: Modell-Test für Gründächer in Essen

Wie sich das Klima mit den Begrünungen konkret beeinflussen lässt und welche Dächer und Pflanzen am besten geeignet sind, hat der Bundesverband Gebäude Grün (BuGG) mit dem Deutschen Wetterdienst und der EFTAS Fernerkundung Technologietransfer am Beispiel von Essen analysiert. Der Abschlussbericht lag im Juli 2022 vor. Die Studie wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

"Die Szenarien mit der weiteren Steigerung der Gründachflächen lassen eine signifikante Kühlleistung im Straßenraum erkennen, die auch im gesamten Stadtquartier wirkt", heißt es im Fazit des Studie.

Endbericht "Wirkung von Dachbegrünung mittels Stadtklimamodellierung"

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Hitze-Ranking: Wo Gebäude unter Druck geraten

Neues Open-Source-Tool: Bewertung von Klimarisiken

68 Prozent des Bestands unter Hitzestress – Klimarisiko wächst

dpa

0 Kommentare
Sie haben noch keinen Text eingegeben.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion