Leere Kaufhäuser: Wer rettet die Innenstadt?
33 von 83 Standorten der Warenhauskette Galeria in Deutschland stehen auf dem Prüfstand – der Deutsche Städtetag fordert vom Konzern, die betroffenen Kommunen in die Gespräche zur Zukunft der Filialen einzubinden.
Städtetag-Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt sagte Ende Juli 2026, dass es im Fall von Filialschließungen zügige und schlüssige Konzepte für eine Folgenutzung brauche und warnte ansonsten vor einer "Abwärtsspirale" für die betroffenen Innenstädte.
Galeria: Mit Vermietern über Mietkonditionen verhandeln
Der Warenhauskonzern hatte am 22.7.2026 angekündigt, 33 der 83 Standorte auf ihre Rentabilität zu prüfen und möglicherweise zu schließen. Unter anderem wolle man mit Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandeln.
Sollten keine tragfähigen Lösungen erarbeitet werden, sei die Fortführung der jeweiligen Läden gefährdet. Bei einigen Häusern laufen die Gespräche bereits, bei anderen sollen sie jetzt beginnen. Bedrohte Galeria-Filialen:
- Baden-Württemberg: Freiburg im Breisgau (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg, Singen
- Bayern: Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz), Würzburg
- Berlin: Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm, Spandau
- Brandenburg: Potsdam
- Hamburg: Eimsbüttel
- Hessen: Bad Homburg, Limburg an der Lahn
- Mecklenburg-Vorpommern: Wismar
- Niedersachsen: Braunschweig, Oldenburg
- Nordrhein-Westfalen: Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße, Nippes), Mülheim (Rhein-Ruhr Zentrum), Münster (Salzstraße)
- Rheinland-Pfalz: Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz, Speyer
- Sachsen-Anhalt: Magdeburg
Kriterien für die Auswahl waren laut Galeria unter anderem Mietbelastung und Ertragskraft. "Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten", sagte Geschäftsführer Tilo Hellenbock. Wann Entscheidungen fallen, ist aktuell offen.
Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften, teilte das Unternehmen mit. Da alle Filialen Optimierungspotenzial hätten, sollen auch an den übrigen 50 Standorten Gespräche mit Vermietern geführt werden. Parallel prüft Galeria den Umzug in geeignetere Immobilien und Neueröffnungen.
Neuer Millionenkredit und Sanierungsplan für Galeria
Die angeschlagene Warenhauskette bekam kürzlich eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Die Kreditlinie wird von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellt und ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juni wurde bereits bekannt, dass rund 30 der 83 Filialen als gefährdet gelten.
Das neue Geld dient unter anderem dazu, einen Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Mehrere Vermieter beklagten in den vergangenen Monaten, dass Mieten nicht oder nur teilweise gezahlt wurden. Galeria verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, die Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Der Konzern hatte Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Grund dafür war unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die neuen Eigentümer wollten das Unternehmen eigentlich wieder in die Erfolgsspur bringen. "Wir glauben an die Zukunft von Galeria", sagte Beetz. Das Warenhaus sei Teil der deutschen Lebenskultur.
Im April 2026 wurde bekannt, dass es Probleme mit Mietzahlungen gab. In einigen Fällen soll um eine Stundung gebeten worden sein. Betroffen war auch die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie der Commerz Real gehört. Sollte die Miete weiter ausfallen, müsse man einen Alternativmieter suchen. Es gebe Interesse von namhaften Einzelhändlern. Beide Seiten hatten sich erst im Februar 2026 auf eine Verlängerung der sogenannten Nutzungsvereinbarung bis Ende März 2027 verständigt. Darin sind auch die Mietkonditionen geregelt.
Ein weiteres Unternehmen bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die April-Miete nicht pünktlich und vollständig eingegangen sei.
Einzelhandel: Steigende Mieten in Citylagen
Der deutsche Einzelhandelsmarkt ist insgesamt von Zurückhaltung geprägt. Erstmals seit fünf Jahren wurde im zweiten Quartal 2026 bei den Vermietungen die Marke von 100.000 Quadratmetern nicht erreicht, heißt es in einer Analyse von JLL. Der Flächenumsatz lag bei 94.400 Quadratmetern, was einem Rückgang von 13 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2026 (108.900 Quadratmeter) entspricht.
Händler expandieren gezielt auf Toplagen, die Präsenz internationaler Konzepte bleibt mit einem Anteil von 61 Prozent des Flächenumsatzes im zweiten Quartal stark ausgeprägt. Mit Blick auf das erste Halbjahr dominiert der Textilhandel das Vermietungsgeschehen und repräsentiert mit zirka 52.700 Quadratmetern 26 Prozent des gesamten Umsatzes.
Am Investmentmarkt steuerten Warenhäuser laut JLL im ersten Halbjahr 2026 nur zehn Prozent zum Gesamtvolumen bei. Geschäftshauslagen werden demnach primär von internationalen Family-Offices und Privatinvestoren erworben, auch institutionelle Investoren seien wieder aktiver – sofern es sich um nachhaltige Bestlagen handelt.
BNP Paribas Real Estate sieht einen Aufwärtstrend in Citylagen: Unter den 115 Einkaufsstraßen, für die der Immobilienberater in A- und B-Städten regelmäßig Spitzenmieten erhebt (insgesamt 27 Standorte), befinden sich inzwischen mehr Top-Lagen, die steigende Spitzenmieten aufweisen (neun Prozent aller Straßen) als Shoppingmeilen mit sinkenden Werten (anteilig sieben Prozent). Für die meisten A-Lagen (anteilig 84 Prozent) werden Seitwärtsbewegungen konstatiert.
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