Signa-Insolvenz: Wer rettet Galeria Karstadt Kaufhof?

Galeria Karstadt Kaufhof ist einer der letzten Warenhauskonzerne in Deutschland und hat mehrfach Krisen überlebt – nach der Insolvenz der Signa-Holding gibt es aus Sicht von Handelsexperten aber kaum noch Überlebenschancen. Die Suche nach Investoren.

Nach der Insolvenz der Signa-Holding könnte die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bald zum Verkauf gestellt werden. Dies ist die Konsequenz aus einem Antrag auf Gläubigerschutz der Schweizer Tochtergesellschaft Signa Retail Selection AG, zu der GKK gehört. Diese sogenannte Nachlassstundung wurde bei Gericht beantragt, teilte das Unternehmen mit. Ziel sei, die Gesellschaft abzukoppeln und geordnet zu liquidieren.

Das Geschäft solle unabhängig von den Insolvenzen der restlichen Signa-Gruppe geordnet und transparent abgewickelt werden. Das operative Geschäft der Warenhäuser werde durch das Gläubigerschutzverfahren nicht tangiert, heißt es in der Mitteilung, aus der das "Handelsblatt" zitierte.

Die Signa Holding GmbH des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko hatte am am 29. November ein Insolvenzverfahren angekündigt. Die Holding beantragte nach eigenen Angaben beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung. Die Bekanntgabe eines Insolvenzverwalters steht noch aus. Signa besteht aus einem komplexen Firmengeflecht mit Hunderten Einzelfirmen. Dazu zählt auch Galeria Karstadt Kaufhof.

Warenhäuser: Einst Magnete in den Innenstädten

Der Handelsverband Deutschland (HDE) beobachtet die Entwicklungen rund um die Signa-Insolvenz und mögliche Auswirkungen auf Galeria mit Sorge. "Kauf- und Warenhäuser sind vielerorts zentrale Anlaufpunkte in den Innenstädten", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das Formathabe in der Handelslandschaft nach wie vor seinen Platz. Die Bedeutung ist jedoch deutlich zurückgegangen. Laut der Handelsberatung BBE hatten Warenhäuser in Deutschland in den 1970er Jahren noch einen Marktanteil von 13,5 Prozent am Handelsvolumen. Inzwischen liegt der bei 1,5 Prozent.

Der Deutsche Städtetag forderte nach dem Insolvenzantrag der Signa-Holding eine Beteiligung auch der Städte. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy forderte für Städte Möglichkeiten, sich bei Pleiten die betroffenen Gebäude zu sichern. "Perspektivisch sollte das Insolvenzrecht so geändert werden, dass die Städte potenziell Zugriff auf zentrale Immobilien bei Insolvenzen bekommen. Dafür müssen aber auch die Eigentümerstrukturen transparent sein."

Experten: Kaum eine Chance für die Warenhauskette

Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein kann sich nicht vorstellen, dass ein Investor Interesse haben könnte, Galeria Karstadt Kaufhof zu übernehmen: "Die Aussichten sind düster. Unter betriebswirtschaftlichen Aspekten macht das keinen Sinn", sagte Heinemann der Deutschen Presse-Agentur. Auch BBE-Chef Johannes Berentzen erwartet eine schwierige Investorensuche. "Zur Niedrigzinszeit wäre ein Eintritt in den deutschen Markt vielleicht für internationale Investoren oder sogar Handelsgruppen interessant gewesen. In der heutigen Markt- und Zinslage gibt es kaum Chancen, einen Käufer zu finden."

Beide Experten können sich aber vorstellen, dass die thailändische Central Group zumindest einzelne Galeria-Standorte in deutschen Großstädten übernehmen könnte. Die ist Hauptgesellschafterin der KaDeWe Group, an der Signa nur eine Minderheitsbeteiligung hat. Neben dem Luxuskaufhaus im Berliner Westen gehören dem Handelkonzern auch Anteile am Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München.

GKK: Mehrere Schutzschirmverfahren hinter sich

Galeria Karstadt Kaufhof ist schon länger angeschlagen. Ende 2022 wurde zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Als Gründe nannte der Konzern die Folgen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine. Am 27.3.2023 stimmte die Gläubigerversammlung einem vom Sanierungsexperten Arndt Geiwitz und der Unternehmensführung erarbeiteten Insolvenzplan zur Rettung des Konzerns zu. Eine Ablehnung des Rettungsplans hätte laut Sachwalter Frank Kebekus die Schließung von 47 Filialen zur Folge gehabt.

Die Gläubiger – darunter auch Vermieter – mussten damals auf einen Großteil des Geldes verzichten, das der Warenhauskonzern ihnen noch schuldete. Medien berichten von mehr als einer Milliarde Euro insgesamt. Bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts mehr bekommen. Bei der Weiterführung konnten sie zumindest damit rechnen, einen kleinen Teil der Forderungen bezahlt zu bekommen.

Ein erstes Schutzschirmverfahren, bei dem ebenfalls Geiwitz und Kebekus im Einsatz waren und das 2020 während des ersten Lockdowns eingeleitet worden war, hatte dem Unternehmen trotz der Schließung von rund 40 Filialen und der Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro an Schulden nur vorübergehende Entlastung gebracht.

Anfang 2021 und Anfang 2022 musste der Handelsriese wegen der Pandemie um staatliche Untertstützung bitten. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) griff dem Unternehmen in zwei Hilfsaktionen mit jeweils 680 Millionen Euro unter die Arme. Es reichte nicht. Kritiker bemängelten eine Wettbewerbsverzerrung. Manche sahen auch den Galeria-Eigentümer und Milliardär Benko in der Pflicht. Die Befürworter von Staatshilfen verwiesen auf die große Bedeutung der Warenhäuser für die Attraktivität deutscher Innenstädte.


Das könnte Sie auch interessieren:

Shopping-Center: Höchste Zeit für Zukunftskonzepte

"Highstreets": Hippe (Gastro-)Konzepte statt Filialisten

Große Läden in City-Lage lassen sich wieder gut vermieten

dpa