Werden Karstadt und Kaufhof auf E-Commerce ausgerichtet?

Wie es im Zuge der Fusion von Karstadt und Kaufhof weitergeht, wird sich erst 2019 entscheiden. Etwa ob und wie viele Filialen geschlossen werden, wird unter anderem davon abhängen, wie stark sich der neue Warenhausriese stationär oder im Onlinehandel positioniert. Der bisherige Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch die Leitung des neuen Konzerns innehat, liebäugelt mit Multichannel-Lösungen und setzt auf höhere Erlöse durch Vermietungen von Flächen.

Sicher ist: 2019 dürfte für die vereinten Warenhausketten massive Veränderungen bringen. Fanderl soll aus den schwächelnden Ex-Rivalen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden.

Fanderl will bei der Neuausrichtung auch neue Wege gehen. So könnten etwa Filialen in den Stadtzentren nicht mehr nur dem Verkauf dienen, sondern parallel auch als "Logistik-Hubs" zur Auslieferung von Online-Bestellungen für Dritte funktionieren. Dazu wurde bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Logistik-Dienstleister Fiege gegründet: Das Joint Venture Fiege X Log wird ab 2020 die gesamte Logistik von Karstadt übernehmen.

Fanderl will untervermieten - auch an Dienstleister

Neben der Konzentration auf traditionell starke Warenhaussortimente wie etwa Damenoberbekleidung, Lederwaren oder Koffer, sollen bei anderen Sortimenten, bei denen die Warenhäuser über die Jahre an Bedeutung und Kompetenz verloren haben, eher Partner in die Häuser geholt werden.

Beispiel: In der Karstadt-Filiale in Düsseldorf wurden vor kurzem Flächen im Untergeschoss an eine Aldi-Filiale und einen Go-Asia-Supermarkt vermietet. "Das schafft Besucherfrequenzen, die wir dort früher nicht gesehen haben", so Fanderl.
Auch Dienstleistungsangebote könnten künftig eine größere Rolle spielen, meint er und denkt dabei zum Beispiel an innerstädtische Kindertagesstätten in ausgewählten Warenhausfilialen.

Wie Fanderl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte, hat die Digitalisierung des Geschäfts in den kommenden Jahren Vorrang. Ziel des Onlinegeschäfts sei es auch, durch die Verknüpfung mit dem stationären Handel die Frequenzen in den Warenhäusern zu erhöhen.

Verschränkung von Online- und Offline-Angeboten

Der österreichische Signa-Chef und Karstadt-Eigentümer René Benko, künftiger Mehrheitseigentümer (50,01 Prozent) des fusionierten Warenhausriesen, ist außerdem überzeugt, dass aufgrund der zentralen Lage der Warenhäuser auch vom Trend zur Verschränkung von Online- und Offline-Angeboten profitiert werden könne.


"Reine Onlineanbieter suchen mittlerweile händeringend Präsentationsflächen und Logistik- beziehungsweise Service-Hubs in Toplagen wir haben sie." René Benko in einem Interview mit dem "Handelsblatt"


Die Warenhäuser leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark, Fast-Fashion-Ketten wie H&M und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando. Auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren macht klassischen Warenhäusern zu schaffen.

Den Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien hat die Karstadt-Kaufhof-Fusion (die mit 1,8 Milliarden Euro zu Buche schlug) dem Immobilienberater JLL zufolge deutlich in Bewegung gebracht – der Anteil der Warenhäuser am gesamten Transaktionsvolumen (knapp vier Milliarden Euro) stieg im dritten Quartal 2018 auf 23 Prozent, nachdem er im Vorjahreszeitraum bei nur einem Prozent gelegen hatte.

"Der Einzelhandel ist aller Unkenrufe zum Trotz weiterhin der zweitwichtigste gewerbliche Transaktionsmarkt in Deutschland und steuert ein Fünftel zum gesamten Transaktionsvolumen bei." Sandra Ludwig, Head of Retail Investment JLL Germany.

Werden Kaufhof-Filialen geschlossen?

Wie vielen Warenhäusern im Zuge der im November besiegelten Fusion das Aus drohen könnte, ist bislang noch ein gut gehütetes Geheimnis. "Wir werden um jede Filialen mit aller Kraft kämpfen", sagte Fanderl damals.

Die Situation bei Kaufhof ist zurzeit besonders kritisch. Bei Karstadt habe sich jedoch gezeigt, das defizitäre Standorte durch Änderungen im Betriebsmodell wieder in die schwarzen Zahlen gebracht werden könnten, so Fanderl. Die Karstadt-Sanierung werde in vielen Punkten als Vorbild für die Neuaufstellung der Kaufhof-Warenhäuser dienen.

Maximal seien pro Jahr vielleicht vier bis sechs Filialen gefährdet, heißt es seitens der Unternehmensführung. Filialschließungen im größeren Stil sind laut Fanderl gar nicht möglich: Das wäre schon wegen der lange laufenden Mietverträge viel zu teuer.

Karstadt baut Filialnetz in Berlin aus

Das Filialnetz von Karstadt in der Hauptstadt wurde unlängst weiter ausgebaut: Im Oktober eröffnete ein neues Warenhaus in den Berliner Gropius Passagen. Die neue Filiale umfasst 7.900 Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Etagen und setzt bereits digitale Informationsplattformen für ein besonderes Einkaufserlebnis ein. Für die Fläche soll ein langer Mietvertrag geschlossen worden sein.

Eine weitere Filiale ist zum Jahreswechsel 2019/20 in Berlin-Tegel geplant, teilt das Unternehmen mit. In Berlin hätte alleine Karstadt dann neun Warenhäuser.

Benkos Pläne für eine Neugestaltung von Berlins zentralem Areal am Ku'damm / Ecke Joachimsthaler Straße wurden vor kurzem vom Berliner Baukollegium, einem beratenden Gremium der Bauverwaltung, abgelehnt. Der Projektentwurf sah bis zu drei Hochhäuser rund um das Karstadt-Warenhaus in der City-West vor. Signa-Vorstand Timo Herzberg hatte betont: Das Warenhaus solle ein zentraler Anziehungspunkt sein, mit Gastronomie-Etage und Innenhöfen.

Aus zwei mach eins: Entweder Köln oder Essen eine Zentrale wird geopfert

Weitere wichtige Entscheidungen etwa über die Frage, ob die Kaufhof-Zentrale in Köln oder die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben wird, könnten schon Anfang 2019 fallen. Beide Standorte kommen laut Fanderl in Betracht. "Wir stellen gerade Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und verhandeln mit den Städten", sagte er.

Am Ende soll die Fusion Synergien in dreistelliger Millionenhöhe bringen. Nach Einschätzung von Branchenkennern könnten in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden. Die Namen Kaufhof und Karstadt sollen erhalten bleiben.

Unter das Dach der Holding kommen aber nicht nur die deutschen Filialen von Kaufhof und Karstadt, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Kaufhof-Chef Neuwald verlässt den Konzern im Januar

Geleitet werden soll das Unternehmen, das nach Angaben des österreichischen Karstadt-Eigners Signa und des kanadischen Kaufhof-Eigentümers Hudson's Bay Company (HBC) europaweit 243 Standorte haben und insgesamt rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen wird, in Zukunft vor allem von Karstadt-Managern.

Neben Fanderl soll auch Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach eine Schlüsselrolle im neuen Konzern übernehmen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald hingegen wird den Konzern Ende Januar 2019 verlassen. Die Kaufhof-Geschäftsführer Edo Beukema, Klaus Hellmich und Peter Herlitzius haben ihre Mandate bereits niedergelegt. Einzig Finanzchef Guido Mager bleibe auf seiner Position, hieß es im Umfeld des Unternehmens.


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