RICS-Nachhaltigkeitsreport

Deutschland vorn bei Nachfrage nach Green Buildings


RICS: Deutschland vorn bei Nachfrage nach Green Buildings

Bei der Nachfrage nach grünen Gebäuden ist Deutschland ein globaler Vorreiter, wie aus dem neuen Nachhaltigkeitsbericht der RICS hervorgeht. Die Dynamik am Markt lässt aber nach – was jetzt in den Fokus von Investoren und Nutzern rückt.

Die globale Transformation hin zu einer klimaneutralen, ressourcenschonenden und resilienten gebauten Umwelt schreitet langsamer voran als erforderlich. Die Dynamik bei der Nachfrage lässt deutlich nach. Europa bleibt eine der führenden Regionen weltweit.

Das sind Ergebnisse aus dem Sustainability Report 2025 des Berufsverbands Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), an dem in diesem Jahr rund 3.500 Immobilienexperten teilgenommen haben. In Deutschland zeigt die Befragung ein differenziertes Bild.

Zirkuläres Bauen zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Der RICS Sustainable Building Index (SBI) fällt global von plus 41 auf plus 30 und damit auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Ursachen sind wirtschaftliche Unsicherheiten, uneinheitliche politische Rahmenbedingungen, gestiegene Baukosten und ein Defizit an eindeutigen Richtlinien und Definitionen für nachhaltige Gebäude. Weltweit gaben 46 Prozent der Befragten an, CO2-Emissionen gar nicht zu messen. Das steht in scharfem Kontrast zum globalen Netto-Null-Ziel und den Emissionsbeiträgen des Sektors, der für rund 40 Prozent der Treibhausgase verantwortlich ist.

Auch Europa verliert an Schwung. Der SBI sinkt von plus 63 auf plus 39. Als strukturelle Hürden nennt RICS steigende Kosten, komplexe Regulierungen, Fachkräftemangel und Verzögerungen bei der Skalierung von Lebenszyklus-Messmethoden. Besonders auffällig ist, dass resilienzbezogene Bewertungen und CO2-Messungen im Bauwesen seltener vorgenommen werden als erwartet. Bei der Integration zirkulärer Prinzipien hingegen liegt Europa vorne. Rund ein Viertel der Befragten nennt die Kreislaufwirtschaft als zentrale Priorität – international ein Spitzenwert. Gleichzeitig zeigt der Report, dass diese Prinzipien noch nicht flächendeckend umgesetzt werden.

Energieeffizienz dominiert in Deutschland

Bei der Nachfrage nach nachhaltigen Gebäuden berichten in Deutschland 44 Prozent der Befragten auf Nutzerseite von einem Anstieg – davon zehn Prozent "deutlich" und 34 Prozent "moderat" –, während 50 Prozent keine Veränderung sehen und nur sechs Prozent einen Rückgang melden. Auf Investorenseite ist das Bild ähnlich: 46 Prozent verzeichnen eine steigende Nachfrage – davon 15 Prozent "deutlich" und 31 Prozent "moderat" –, während 47 Prozent ein stabiles Niveau und acht Prozent einen Rückgang sehen.

Mit einem Sustainable Building Index von plus 37 bewegt sich Deutschland im Rahmen des europäischen Trends, in dem die Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien zwar positiv bleibt, die Dynamik jedoch trotz grundsätzlich hoher Relevanz des Themas nachlässt.

Green Buildings: Darauf achten Nutzer und Investoren

Bei den Merkmalen nachhaltiger Gebäude zeigt sich in Deutschland ein klarer Fokus auf Energie, Komfort und Zertifizierung – sowohl bei Nutzern als auch bei Investoren. Hohe Energieeffizienz ist das mit Abstand wichtigste Kriterium: 91 Prozent der Investoren und 84 Prozent der Nutzer bewerten sie als zentral. Stark gewichtet wird auch der Einsatz erneuerbarer Energien (75 Prozent der Investoren und 86 Prozent der Nutzer) und die Innenraumqualität. Hier erreichen Aspekte wie Luftqualität, Belüftung und thermischer Komfort bei Nutzern 98 Prozent Zustimmung, bei Investoren sind es nur 28 Prozent.

Einen hohen Stellenwert haben auch anerkannte Gebäudezertifizierungen wie BREEAM, DGNB oder WELL: 100 Prozent der Investoren und 63 Prozent der Nutzer sehen diese als wichtiges Merkmal grüner Gebäude. Bei Investoren steht die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel mit 97 Prozent an hoher Stelle, der Nutzeranteil liegt hier bei 49 Prozent. Themen wie Abfallvermeidung und Recycling oder smarte Gebäudetechnologien erreichen noch geringere Zustimmungswerte.

Hemmnisse bei Investitionen in nachhaltige Immobilien

Trotz grundsätzlich positiver Nachfrage werden Investitionen in nachhaltige Gebäude in Deutschland durch mehrere strukturelle Hürden gebremst. Das mit Abstand größte Hemmnis stellen im RICS-Report die hohen Anfangskosten dar (56 Prozent). Ähnlich relevant ist die Unsicherheit über den wirtschaftlichen Mehrwert nachhaltiger Gebäude – 54 Prozent bemängeln fehlende oder unzureichende Nachweise zum Return on Investment sowie eine mangelnde Datenbasis.

Als weiterer Bremsfaktor wird das Fehlen ausreichender staatlicher Anreize und Förderprogramme genannt (30 Prozent). Darüber hinaus sehen 23 Prozent der Marktteilnehmer die Komplexität der Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse als Hindernis, etwa durch die Vielzahl regulatorischer Anforderungen, technischer Optionen und Abstimmungsbedarfe. Wissens- und Strukturdefizite spielen ebenfalls eine Rolle: Jeweils rund 20 Prozent nennen den Mangel an einheitlichen Standards und Definitionen für grüne Gebäude sowie eine unzureichende Fachkenntnis und Erfahrung. Eine fehlende Nachfrage seitens der Nutzer (15 Prozent) oder mangelnde Regulierung (drei Prozent) fallen kaum ins Gewicht.

Energieeffizienz und CO2-Emissionen als Kernthema

Beim Thema Klimaanpassung und Widerstandsfähigkeit von Gebäuden zeigt sich im Nachhaltigkeitsreport in Deutschland ein zurückhaltendes und uneinheitliches Meinungsbild. 33 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die Anpassung von Gebäuden an den Klimawandel und die erhöhte Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen von den Akteuren der Bau- und Immobilienwirtschaft als kritisch angesehen werden. Gleichzeitig bleibt jedoch ein großer Teil unentschieden: 36 Prozent positionieren sich neutral, 23 Prozent stimmen der Aussage eher nicht zu, weitere acht Prozent gar nicht.

Deutlich höher ist die Priorisierung von Energieeffizienz und niedrigen operativen CO2-Emissionen. 53 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Sicherstellung einer sehr hohen Energieeffizienz und möglichst geringer Betriebsemissionen ein kritisches Thema darstellt – davon fünf Prozent mit starker und 48 Prozent mit moderater Zustimmung. Weitere 28 Prozent positionieren sich neutral. 15 Prozent stimmen der Aussage eher nicht zu, fünf Prozent lehnen sie klar ab. Damit bleibt auch dieses Kernthema eine dauerhafte Transformationsaufgabe für den deutschen Immobilien- und Bausektor.

RICS: Politische und strategische Empfehlungen

Der Sustainability Report 2025 formuliert sechs zentrale Handlungsempfehlungen, die alle Regionen gleichermaßen betreffen, jedoch im europäischen Kontext besonders relevant sind:

  1. Nationale Dekarbonisierungs- und Resilienzpfade festlegen
  2. Lebenszyklusbasierte CO2-Messungen verpflichtend einführen
  3. Verbindliche Emissionsgrenzen für Neubau und Bestand definieren
  4. Finanzierungsmechanismen für grüne Sanierungen und klimafitte Gebäude ausbauen
  5. Internationale Kooperation stärken, um gemeinsame Standards und Datenbasis zu schaffen
  6. Biodiversität und Ökosystemschutz systematisch in Bau- und Planungsprozesse integrieren

  

Das könnte Sie auch interessieren:

So lässt sich die EU-Taxonomie optimieren

Nachfrage nach Büros mit Nachhaltigkeitssiegel steigt


0 Kommentare
Das Eingabefeld enthält noch keinen Text oder nicht erlaubte Sonderzeichen. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe, um den Kommentar veröffentlichen zu können.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion