Neuer Stimmungsindex

Private Debt mit Kreditnehmer-freundlicher Tendenz


Immobilienfinanzierung: Neuer Private-Debt-Stimmungsindex

Ein neuer Stimmungsindex der BF.Capital GmbH signalisiert ein positives Momentum am Private-Debt-Markt – die Finanzierungskonditionen sind stabil mit leichtem Vorteil zugunsten der Kreditnehmer. Das sind die Tendenzen für die kommenden sechs Monate. 

Die Dynamik beim Fundraising ist robust, die Kapitalzusagen institutioneller Investoren nehmen zu und das Risiko-Rendite-Verhältnis ist ausgewogen - das alles trägt zu einer positiven Grundtendenz am Private-Debt-Markt bei, wie die erste Ausgabe des BF.Private Debt Market Compass, der neuen, datenbasierten Marktanalyse der BF.Capital GmbH zeigt. Der Sentiment-Index erreicht 60,1 Punkte und liegt damit deutlich über der neutralen Marke von 50.

Der sogenannte Expectation Gap, die Differenz zwischen der Zukunfts- und Vergangenheitskomponente in der Befragung, signalisiert zusätzlich steigenden Optimismus für das erste Halbjahr 2026. Die Panelbefragung erfasst halbjährlich die Einschätzungen von Fondsmanagern im Bereich Private Debt. Abgedeckt werden die Subsegmente Corporate Direct Lending, Real Estate Debt und Infrastructure Debt.

Die Auftaktstudie basiert auf einer Erhebung vom Dezember 2025 mit 67 Teilnehmern mit Schwerpunkt in Europa.

Private-Debt-Markt mit leichtem Vorteil für Kreditnehmer

Die aktuelle Analyse zeigt ein insgesamt positives Marktumfeld, das trotz makroökonomischer Unsicherheiten von stabilen Kreditstrukturen, selektivem Wettbewerb und einer robusten Investorenbasis geprägt ist. Die Finanzierungskonditionen haben sich in den vergangenen sechs Monaten laut Panel mehrheitlich als stabil erwiesen, mit leicht kreditnehmerfreundlichen Tendenzen.

In den kommenden sechs Monaten wird sich demnach das Marktgleichgewicht leicht zugunsten der Kreditgeber verschieben. Auf Ebene der Teilsegmente Unternehmens-, Immobilien- und Infrastrukturkredite bleiben die Leverage-Niveaus im unteren Bereich der marktüblichen Bandbreiten. So liegt im Corporate Direct Lending die Verschuldungsrate mehrheitlich unter dem Fünffachen des Ebitda, während die Beleihungswerte im Bereich Real Estate Debt vollständig im Korridor von 56 Prozent bis 65 Prozent liegen.

Dynamik beim Fundraising nimmt Fahrt auf

Besonders deutlich fällt die positive Einschätzung im Bereich Kapitaleinwerbung aus: Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer berichten von einer steigenden Dynamik beim Fundraising, 82 Prozent erwarten für das kommende Halbjahr weitere Verbesserungen.

Parallel dazu steigen die Kapitalzusagen institutioneller Investoren: Nahezu zwei Drittel der Befragten verzeichnen höhere LP-Commitments, kein Teilnehmer erwartet rückläufige Zusagen der Limited Partners. Bestehende Investoren spielen weiterhin eine zentrale Rolle bei den Kapitalzusagen: In einzelnen Segmenten liegt der Anteil sogenannter Re-ups – Aufstockungen bestehender Investments – bei mehr als 80 Prozent.

Immobilienfinanzierung: Büro und Highstreet unter Druck

Stressfaktoren in den Portfolios sind nach Einschätzung der Befragten primär nicht strukturell durch übermäßige Verschuldung oder Refinanzierungsprobleme getrieben, sondern eher operativer Natur und sektorspezifisch bedingt.

Unter Druck stehen etwa bei der Unternehmensfinanzierung die konsumenten- und einzelhandelsbezogenen Bereiche, bei der Immobilienfinanzierung die Nutzungsarten Büro und Highstreet-Einzelhandel und bei der Infrastrukturfinanzierung der Energiesektor.

Die Quoten für notleidende oder leistungsgestörte Kredite blieben im vergangenen halben Jahr weitgehend stabil. Knapp 85 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten von unveränderten Werten. Für die kommenden sechs Monate wird eine leichte Verschärfung in einzelnen Marktsegmenten erwartet.

Zum Download "BF.Private Debt Market Compass" (englisch)

Refinanzierungsbedarf: Auch Wohnimmobilien betroffen

Die Refinanzierungslücke an den europäischen Immobilienmärkten ist im vergangenen Jahr schon gewachsen: ausgelaufen sind gewerbliche Kredite mit einem Volumen von rund 130 Milliarden Euro – 2026 werden es 185 Milliarden Euro sein, wie es in einer Studie von Empira aus dem Jahr 2025 heißt.

Allein die Assetklasse Wohnen ist mit einem zweistelligen Milliardenbetrag betroffen. Viele Kredite wurden in der Niedrigzinsphase aufgenommen. Die Refinanzierung wird deutlich teurer. Banken müssen Wohnungsbaukredite zu höheren Zinsen vergeben, was die Erschwinglichkeit von Immobilienkrediten für Investoren und private Haushalte einschränkt. Gleichzeitig wird es für die Institute schwieriger, das Kreditvolumen auszuweiten, da höhere Zinsen das Risikomanagement und die Kapitalanforderungen verschärfen.

Ein stringentes Risikomanagement ist laut Empira aber auch für Private-Debt-Investoren entscheidend: Bonität, Projektqualität und Sicherheiten müssen sorgfältig bewertet werden, um langfristig stabile Renditen zu erzielen.

Bedeutung von alternativen Kreditgebern wächst

Die klassische Immobilienfinanzierung durch Banken unterliegt zunehmend Begrenzungen. Strengere regulatorische Vorgaben nach Basel III und IV erhöhen den Druck. Damit wächst Empira zufolge die Bedeutung von alternativen Kreditgebern. So wurden 2014 alternative Finanzierungskredite im Wert von rund fünf Milliarden US-Dollar vergeben – 2023 waren es bereits mehr als 8,2 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 62 Prozent, so die Studienautoren.

Besonders im Mid-Market-Bereich – also bei Finanzierungen zwischen 30 Millionen Euro und 75 Millionen Euro – dürften künftig wesentliche Impulse für Wachstum und Stabilität gesetzt werden. Eine innovative Strategie sei eine Kombination von Private Debt mit Bankkapital, auch bekannt als Back Leverage.

Empira-Studie "Private Debt als alternative Lösung zur Immobilienfinanzierung"


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung
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