13.06.2017 | Baufinanzierung

EZB-Niedrigzinspolitik setzt Bausparkassen auch langfristig unter Druck

Das klassische Geschäftsmodell der Bausparkassen ist durch die Nierdrigzinspolitik der EZB auf lange Sicht massiv bedroht
Bild: Haufe Online Redaktion

Bausparkassen bleiben auch auf lange Sicht unter Druck. "Solange die Niedrigzinsphase anhält, haben die Kassen ein massives Problem, das ihr klassisches Geschäftsmodell bedroht", sagte Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Verantwortlich sei die Europäische Zentralbank (EZB). Da eine Kursänderung nicht absehbar sei, werde sich die Lage für die Branche nicht verbessern.

Die EZB setzt auf eine niedrige Verzinsung, um die europäische Wirtschaft anzukurbeln. Dadurch bekommen Sparer für Guthaben nur minimale oder gar keine Zinsen, was dazu führt, dass weniger Darlehen abgerufen werden. 2016 verzeichneten die Bausparkassen im Schnitt ein Minus von knapp zehn Prozent beim Neugeschäft.

Andreas Zehnder vom Verband der Privaten Bausparkassen sieht die Erträge in Gefahr und Wüstenrot-Chef Bernd Hertweck das ganze Geschäftsmodell "massiv unter Druck". Die privaten Bausparkassen haben infolge dessen bereits die Einlagensicherung von Großkunden abgeschafft.

An der Situation der Bausparbranche hat auch ein wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe im Februar nichts geändert. Dem Urteil zufolge dürfen die Kassen Altverträge mit relativ hohen Guthaben-Zinsen kündigen, die mindestens zehn Jahre nicht als Darlehen genutzt werden. Laut Burghof ist das zumindest etwas Rückenwind für die Kassen, aber alles andere als die Lösung des Problems.

Positiv sei bei den Instituten hingegen das "außerkollektive" Geschäft mit klassischer Baufinanzierung und Pfandbriefen gelaufen. Diese Produkte dürfen die Kassen seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2015 anbieten. "Das hilft ihnen, durch die Krise zu kommen", sagt Burghof. Zugleich bedeute das aber, dass die Institute an Profil verlieren werden. "Bausparkassen werden zu einer ganz normalen, gewöhnlichen Bank", sagt der Experte. Wenn die Bausparkassen als gewöhnliche Banken wahrgenommen würden, könnte sich das negativ auf die Kundenbindung auswirken.

"Auf lange Sicht müssen sich die Institute aufs Wesentliche konzentrieren, also Bausparverträge verkaufen", warnt der Burghof.

Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) erwägt derzeit den Verkauf der Tochter Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank.

In Deutschland gibt es knapp 30 Millionen Bausparverträge. Die drei größten Kassen gemessen am Neugeschäft sind die Schwäbisch Hall, Wüstenrot und die Landesbausparkassen (LBS) Südwest, die alle ihren Firmensitz in Baden-Württemberg haben. Auch Fusionen machen im Umfeld der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank Sinn, sagte im Februar Peter Schneider, Chef des Sparkassenverbands Baden-Württemberg.

Schlagworte zum Thema:  Bausparkasse, Bausparvertrag, Baufinanzierung, Bundesgerichtshof (BGH), Europäischer Gerichtshof

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