MiFID-Novelle: Neue Hürden für ESG-Fonds ab dem 2. August

Ab dem 2. August treten die MiFID-Nachhaltigkeitsregelungen in Kraft. Fondsanbieter müssen die ESG-Präferenzen der Kunden erheben. Eine Kategorisierung nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung reicht nicht mehr aus. Der Vermögensverwalter Intreal erklärt, was es nun zu tun gibt.

Das Thema Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen Environmental, Social und Governance (ESG) – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – muss ab dem 2.8.2022 in den Vertrieb von Fondsanteilen integriert werden. Dann tritt die Novelle der Finanzmarktrichtlinie MiFID in Kraft. Darauf weist der Vermögensverwalter Intreal hin. Im Wesentlichen bedeutet das, dass Anleger zu ihren ESG-Präferenzen befragt werden müssen und nur noch Produkte angeboten bekommen sollen, die dazu passen.

MiFID-Novelle: Alle Fondstypen betroffen

Von den Änderungen betroffen sind unter anderem die bisherigen Artikel-8-Fonds – auch ESG-Strategiefonds oder "light green" genannt. "Das Problem bei der MiFID-Novelle ist, dass die neuen Vorgaben nicht auf die bisherige ESG-Regulierung abgestimmt sind", sagt Hannah Dellemann, ESG-Beauftragte der Intreal. Bestehende Artikel-8-Fonds müssten zu sogenannten Artikel-8-Plus-Fonds upgegradet werden. "Für die Fondsanbieter bedeutet das erheblichen Zusatzaufwand", so Dellemann.

Tangiert sind im Immobilienbereich sämtliche Fondstypen – Publikumsfonds, Spezialfonds sowie offene und geschlossene Vehikel. Der Vertrieb muss Anleger künftig gemäß der Nachhaltigkeitspräferenzen in eine der folgenden vier Kategorien einteilen:

  1. der Anleger wünscht keine Rücksichtnahme auf Nachhaltigkeitsaspekte.
  2. es genügt, wenn die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren – die sogenannten PAIs (Principal Adverse Impact) – berücksichtigt werden.
  3. der Kunde bestimmt, dass ein Mindestanteil in nachhaltige Investitionen im Sinne der Offenlegungsverordnung angelegt werden soll;
  4. der Kunde legt fest, dass ein Mindestanteil in ökologisch nachhaltige Investitionen im Sinne der Taxonomieverordnung angelegt werden soll.

"Die vier Kategorien sind sehr erklärungsbedürftig und vor allem für Privatanleger nicht leicht verständlich", sagte Dellemann dazu.

Praxis: Was müssen Fondsanbieter tun?

Laut Intreal-Geschäftsführer Michael Schneider ist es für die Anbieter deshalb schwierig, auf die neuen Kriterien zu reagieren, da nicht klar sei, wie etwa ein bereits von der Finanzaufsicht Bafin genehmigter Artikel-8-Fonds mit seinen individuell definierten ESG-Zielen in die neuen Zielmarktkategorien passt. Was muss getan werden?

  • Bestimmte Informationen müssen in die Fondsdokumentation integriert werden. Es muss beschrieben werden, welche negativen Auswirkungen der Fonds auf Nachhaltigkeitsziele hat. Bei Immobilienfonds sind das zum Beispiel Immobilien, die nicht energieeffizient sind.
  • Des Weiteren muss beschrieben werden, wie diese Auswirkungen berücksichtigt werden oder was der Asset Manager dagegen tun will – also beispielsweise, ob er eine neue Heizung einbauen oder energieeffiziente Sanierungen vornehmen wird.
  • Diese Informationen müssen zudem im sogenannten Artikel-10-Dokument auf die Webseite des Anbieters gestellt werden. In der Folge muss dann in den Jahresberichten des Fonds über diese nachteiligen Auswirkungen und den Umgang damit regelmäßig berichtet werden.

"Light green"-Fonds: Für den Vertrieb immer wichtiger

Im März 2021 trat die EU-Offenlegungsverordnung (Verordnung (EU) 2019/2088) in Kraft – Stand Ende Januar 2022 waren laut Intreal bereits mehr als zwei Drittel (68,8 Prozent) der offenen Immobilien-Publikumsfonds in Deutschland als Artikel-8-Fonds klassifiziert. Das waren 76,9 Milliarden Euro vom insgesamt 111,8 Milliarden Euro umfassenden Nettofondsvermögen aller Fonds.

Artikel-8-Fonds beziehen ESG-Kriterien systematisch in die Anlageentscheidung ein. Sie formulieren eine Investmentstrategie, die offenlegen muss, wie der Fonds etwa die ökologischen und sozialen Eigenschaften, mit denen er wirbt, erreichen will. Die höchste Kategorie in Sachen Nachhaltigkeit bilden Artikel-9-Fonds (auch Impact-Fonds) – sie verfolgen im Unterschied zu Artikel-8-Fonds primär Nachhaltigkeitsziele.

"Die Klassifizierung als Fonds, der auch ESG-Kriterien verfolgt, wird aus Vertriebsgesichtspunkten immer wichtiger und der Wettbewerbsdruck steigt", sagte Dellemann Anfang des Jahres.

Reduzierung von CO2-Emissionen häufiges Ziel

Auf die Frage, welche Nachhaltigkeitsziele sich die "Light green"-Fonds gesetzt haben, antwortete Dellemann: "In der Regel setzen sich die Gesellschaften Reduktionsziele für die CO2-Emissionen oder den Energieverbrauch."

Dafür musste bereits eine ganze Reihe von Daten zur ökologischen Nachhaltigkeit erhoben werden – etwa die CO2-Emissionen, der Wasserverbrauch oder das Abfallvolumen, jeweils pro Jahr und pro Quadratmeter, um den Verbrauch innerhalb einer bestimmten Zeit um einen festgelegten Prozentsatz reduzieren oder bis zum Jahr 2045 die Klimaneutralität des Bestands erreichen zu können.


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