Nachhaltige Immobilienfonds: Viel Potenzial in Deutschland

Das Volumen für Nachhaltige Immobilienfonds wächst europaweit. Kein Wunder, die Performance sei im Verhältnis zu konventionellen Anlagevehikeln überdurchschnittlich gut, schreibt Catella. Deutschland biete mit einem bislang nur geringen Marktanteil von drei Prozent noch viel Potenzial.

Im vergangenen Jahr wurden laut Catella-Marktbericht "Nachhaltige Fondsprodukte – CSR Investments in der Immobilienwirtschaft" in Europa 296 neue nachhaltige Fonds aufgelegt, das sind 36 mehr als 2017. Insgesamt beträgt das Fondsvolumen für sogenannte Nachhaltige Immobilienfonds in Europa aktuell rund 5,8 Milliarden Euro, verteilt auf zehn Fondvehikel. Die Top 10 Green-Building-Investoren in Europa (Stand 31.12.2018) sind Deka Bank, Allianz, BNP Paribas, Aberdeen Standard Investment, Credit Suisse, DWS Group, Erste Bank, La Française Global REIM, Tristan Capital Partners und Spelthrone Borough Council.

Investitionsstruktur nachhaltiger Immobilienfonds in Europa (Q2/2019)

Top 10 Green-Building-Investoren in Europa (2018)

Alleine in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) hat sich das Volumen seit dem Jahr 2014 mehr als verdreifacht und lag Ende 2017 bei 2,7 Billionen Euro. In Deutschland führen ökologische Geldanlagen immer ein Nischendasein: Laut Catella beträgt der Anteil am europäischen Kapitalanlagemarkt lediglich drei Prozent, in der Schweiz sind es derzeit 49 Prozent.

"Der langfristige wirtschaftliche Wert einer Immobilie ist auch davon abhängig, inwiefern das Objekt ökologische, soziale und kulturelle Werte schafft. Dadurch können die Renditeerwartungen steigen." Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella

Grüne Immobilien in Deutschland bevorzugt

Die Investitionsstruktur nachhaltiger Fonds in Deutschland (Stand 2018) fällt laut Catella Research definitiv zugunsten der grünen Immobilien aus: Diese bilden mit 71 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Photovoltaik (18 Prozent) und Windkraft (7,1 Prozent).

Struktur nachhaltiger Immobilienfonds Deutschland

Struktur nachhaltiger Immobilienfonds Deutschland

Die niedrigen Betriebskosten von Green-Buildings verbessern Catella zufolge die Performance. Eine Orientierung und Bewertung für grüne Immobilien geben Zertifikate wie BREEAM, LEED, DGNB oder HQE.

Nach Beobachtung von Catella wird die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen auch in Deutschland steigen. Zum einen würden Unternehmen durch wachsende gesellschaftliche Herausforderungen, wie dem Klimawandel, dem demografischen Wandel und der Ressourcenverknappung zunehmend unter Druck bringen, zum anderen könne die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten die Renditeerwartungen steigern.

Was macht Nachhaltige Immobilienfonds aus?

Ob ein nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) aufgelegter Fonds nachhaltig ist oder nicht, wird laut Catella Research durch zwei Faktoren bestimmt: Eine nachhaltige Managementstrategie sowie die Investition in nachhaltige Immobilien.

Beim nachhaltigen Fondsmanagement verpflichten sich Investoren und Asset Manager, die ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Die Strategie der Ausschlusskriterien wird in Europa laut Catella noch am häufigsten verfolgt: Hier werden Unternehmen einer bestimmten Branche, die gegen gewisse Standards verstoßen, ausgeschlossen. Im globalen Kontext macht der Gebäude- und Bausektor den größten Einzelanteil am Ressourcenverbrauch und an Schadstoffemissionen aus.

"Unternehmen geraten in Bezug auf verantwortungsvolles Handeln unter Druck. Viele entwickeln bereits heute ihre eigenen Richtlinien für ein nachhaltiges Anlegen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds wird also weiter steigen." Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella

Nachhaltige Immobilienfonds streben laut Catella nach dem Abbau der Barrieren zwischen Gewinnentscheidung einerseits sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen andererseits. Anhand der ESG-Kriterien wird die unternehmerische Sozialverantwortung gemessen und bewertet.


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