Koalitionsausschuss

CO2-Preis soll 2027 nicht steigen


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Der Koalitionsausschuss hat sich darauf verständigt, dass der deutsche CO2-Preis 2027 nicht steigen soll. Hintergrund sind geänderte Pläne auf EU-Ebene. Die Grünen kritisieren den Beschluss und bringen ein sozial gestaffeltes Klimageld ins Spiel.

Die Bundesregierung will Preissprünge beim Heizen mit Öl und Gas verhindern. Beim CO2-Preis soll deshalb der Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne im Jahr 2026 auch 2027 gelten. Darauf einigte sich der Koalitionsausschuss am 12.5.2026.

Es werde eine Finanzierung im Klima- und Transformationsfonds (KTF) sichergestellt, hieß es dazu aus Teilnehmerkreisen. Ohne diesen Beschluss hätte sich der deutsche CO2-Preis im kommenden Jahr am europäischen CO2-Preis orientiert und wäre über das aktuelle Niveau gestiegen. Teurer soll es nun erst ab 2028 werden.

Emissionshandel: Geänderte Pläne auf EU-Ebene

Hintergrund sind geänderte EU-Pläne. Der europaweite Start des Emissionshandels für Verkehr und Gebäude (ETS-2) wird von 2027 auf 2028 verschoben. Grundlage ist das TEHG-Europarechtsanpassungsgesetz, das im März 2025 in Kraft getreten ist. 

Nach Einschätzung des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW wären durch die gesetzlich vorgesehene Übergangsregelung im deutschen Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), das für Gebäude 2021 eingeführt wurde, ohne die Verschiebung bereits 2027 beim nationalen CO2-Preis 75 bis 85 Euro pro Tonne möglich gewesen, bevor der Preis mit dem Start des ETS-2 im Jahr 2028 wieder gesunken wäre.

Einen solchen energiepolitischen Zick-Zack-Kurs gelte es unbedingt zu vermeiden, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko: "Gerade im Gebäudebestand werden Investitionsentscheidungen über Zeiträume von 20 bis 40 Jahren getroffen."

TEHG-Europarechtsanpassungsgesetz

Das Gesetz zur Anpassung des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes (TEHG-Europarechtsanpassungsgesetz) legt einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Gebäudesektor fest, der künftig auch vom EU-Emissionshandel erfasst ist.

Gesetz zur Anpassung des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes an die Änderung der Richtlinie 2003/87/EG (TEHG-Europarechtsanpassungsgesetz 2024)

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ETS-2: Wer modernisiert, spart langfristig Geld?

Laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online wird der ETS-2 das Heizen in Deutschland nur moderat verteuern. Demnach ist der Emissionshandel das effektivste Instrument für echte CO2-Einsparungen, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Mit dem europäischen Emissionshandel werde das nationale System lediglich ersetzt, der Anstieg dürfte dabei sehr moderat ausfallen.

Stiege der Preis in den Jahren nach 2027 beispielsweise auf 75 Euro pro Tonne CO2, kämen nach Berechnungen der Experten etwa 70 Euro pro Jahr dazu. Die Einnahmen würden über den KTF als Fördermittel und Entlastungsmaßnahmen an die Verbraucher zurückfließen. "Wer jetzt modernisiert, spart langfristig Heizkosten und erhöht den Gebäudewert", heißt es bei co2online.

co2online-Modernisierungscheck (energetischer Zustand, Sparpotenziale, Fördermittel)

Wohngebäude: CO2-Kostensteigerung in vier Szenarien

Das ClimateTech-Unternehmen Purpose Green hat für die Berechnung der durchschnittlichen Kosten für Eigentümer vier Szenarien erstellt.

Die Experten schätzen einen CO2-Preis im ETS-2 zwischen 100 und 250 Euro pro Tonne bis 2030 und bis zu 400 Euro ab 2040.

In den vier Szenarien könnten die CO2-Kosten mit Inkrafttreten des ETS-2 um zirka 82 Prozent (Szenario II), 355 Prozent (Szenario III) oder 627 Prozent (Szenario IV) im Vergleich zum Jahr 2026 steigen.

  • ‍Szenario I (2025): 55 Euro / Tonne CO2
  • Szenario II: 100 Euro / Tonne CO2
  • Szenario III: 250 Euro / Tonne CO2
  • Szenario IV: 400 Euro / Tonne CO2

Beispiel Hamburg: Mehrkosten von bis zu 2.704 Euro pro Jahr

In Hamburg sind den Berechnungen zufolge Mehrkosten von durchschnittlich bis zu 2.704 Euro pro Jahr denkbar. Untersucht wurden 650 zum Verkauf stehende Immobilien (Eigenheime und Eigentumswohnungen), die durchschnittlich 165 Quadratmeter groß sind. Der jährliche Ausstoß beläuft sich im Schnitt auf 7,84 Tonnen CO2 pro Immobilie.

Im aktuellen nationalen Emissionshandelssystem kommen 2026 so durchschnittlich 431 Euro an CO2-Kosten auf Eigentümer zu. In Szenario II würden die Kosten auf 784 Euro steigen. In Szenario III lägen die Kosten bei rund 1.960 Euro pro Jahr und in Szenario IV würden die jährlichen CO2-Kosten 3.135 Euro übersteigen. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern oder Wohn- und Geschäftshäusern würden sich die Kosten laut Purpose Green um ein Vielfaches multiplizieren.

Mehrfamilienhäuser: CO2-Kosten für Vermieter

Vermieter von Wohnraum können einen Teil der Mehrkosten auf Mieter umlegen, wenn die Immobilie energetisch saniert wird oder gute Energieeffizienzwerte hat. Die Aufteilung der Kosten wird seit Januar 2023 in einem Stufenmodell definiert: Bei sehr schlechtem Energieeffizienzwert tragen Vermieter 95 Prozent der CO2-Kosten.

Beispiel Augsburg: Kostenszenarien für ein Mehrfamilienhaus

Ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und einer Gesamtfläche von 386 Quadratmetern in Augsburg mit einem Energiebedarf von 1.306,2 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr wird mit Gas beheizt, wodurch es 121 Tonnen CO2 pro Jahr verursacht.

Die Berechnung von Purpose Green kommt zu dem Ergebnis: Während 2026 zirka 6.655 Euro auf den Eigentümer zukommen, wären es in Szenario II 12.101 Euro, in Szenario III 30.252 Euro und in Szenario IV knapp 48.403 Euro jährlich. Aufgrund der Energiebilanz des Hauses muss der Vermieter nach dem gültigen Stufenmodell 95 Prozent der Kosten tragen – also je nach Szenario zwischen 6.322 Euro und 45.983 Euro pro Jahr.

Analysiert hat Purpose Green Wohnfläche, Energieträger und Energiebedarf von mehr als 4.000 Gebäuden auf der Plattform Immowelt in den 30 größten deutschen Städten.

ETS-2-Simulation: CO2-Kosten in den 30 größten deutschen Städten

Grüne fordern ein sozial gestaffeltes Klimageld

Die Grünen kritisieren den Beschluss der schwarz-roten Koalition, den CO2-Preis im kommenden Jahr stabil zu halten. "Wer den CO2-Preis einfriert, verschiebt nur die Probleme, statt sie zu lösen", sagte die klimapolitische Sprecherin der Fraktion, Lisa Badum, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Der CO2-Preis macht das Heizen teurer und soll so einen Anreiz zum Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen bieten. Badum verlangte, statt den Preis zu stabilisieren, solle die Koalition ein sozial gestaffeltes Klimageld einführen, das an die Bürger ausgezahlt würde. "Das wäre eine echte Entlastung für Geringverdienende und gleichzeitig ein Anreiz für klimafreundliches Verhalten."

Der Obmann der Unionsfraktion im Umweltausschuss, Thomas Gebhart (CDU), reagierte hingegen erleichtert. "Es wäre nicht vermittelbar gewesen, wenn der Preis im kommenden Jahr bei uns in Deutschland einfach weiter steigt, während man sich EU-weit für eine Verschiebung der Einführung der europaweiten CO2-Bepreisung für Gebäude und Verkehr um ein Jahr entschieden hat", sagte er.


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dpa

Schlagworte zum Thema:  Gesetzgebung , Dekarbonisierung
3 Kommentare
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Thu May 14 17:43:08 UTC 2026 Thu May 14 17:43:08 UTC 2026

Haufe Online Redaktion: Dieser Text wurde redaktionell gelöscht.

O

Oliver Schwarz

Thu Feb 05 08:10:39 UTC 2026 Thu Feb 05 08:10:39 UTC 2026

Moin,

wie von Uwe ja bereits aufgezeigt, ist das Haus in Augsburg beim Bau womöglich nicht mit Türen und Fenstern versehen worden. Okay, kann mal passieren, ist aber nicht der Regelfall.

Ich hab's mal für ein realitätsnäheres Beispiel nachgerechnet.

Annahme: maximaler Verbrauch, den ein rudimentär gedämmtes Gebäude gemäß der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 aufweisen darf: 250 kWh/(m2 a). Macht bei dem fiktiven Haus in Augsburg mit 386 m2 beheizter Fläche pro Jahr 250 x 386: 96.500 kWh.

Erdgas hat einen Brennwert von ca. 10,4 kWh/kg, d.h. 96.500 / 10,4 = 9.279 kg Erdgas werden pro Jahr benötigt.
Pro kg verbranntes Erdgas entstehen 2,23 kg CO2, d.h. 9.279 x 2,23 = 20.692 kg CO2

(Szenario I):Kosten 2025: EUR 55 / t CO2, d.h. 20.692 / 1000 x EUR 55 = EUR 1.138
Szenario II: (EUR 100 / CO2): EUR 2.069
Szenario III: (EUR 250 / CO2): EUR 5.173
Szenario IV: (EUR 400 / CO2): EUR 8.267

Klar, immer noch viel Geld, aber meilenweit entfernt von den oben im Text errechneten Werten.

U

Uwe Küllenberg

Fri Jan 02 16:43:15 UTC 2026 Fri Jan 02 16:43:15 UTC 2026

Hallo zusammen,

ja ja das Haus in Augsburg (-;

1.306,2 Kilowattstunden pro Quadratmeter: also ca. 130Liter Heizöl pro Quadratmeter. macht bei 386 Quadratmetern ca. 50180 Liter Heizöl. Üblich sind bei solchen Gebäuden Heizöltanks von 7500Litern. Das heißt ca. 7 mal tanken pro Heizperiode oder mehr als einmal monatlich.....vermutlich ist das der Grund warum das Haus mit Gas beheizt wird. Wobei der standard Gaszähler eine max. Kapazität von 6 Kubikmetern pro Stunde hat. also ca. 60KWh. Aber das passt ja 350 Tage Vollast. Das Jahr hat ja schließlich 356 (-;

Der schlechteste Energieverbrauch eines Hauses (H) liegt gem. Energieausweis bei Größer 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das Haus in Augsburg hat 1.306???
Manchmal hilft (Nach)-denken