Mipim 2026 – Besser als vorhergesagt
Apropos Tage: Die veranstaltende RX Messegesellschaft hat es im vierten Jahr des wohnungswirtschaftlich orientierten Events "Housing matters" augenscheinlich geschafft, die Mipim um einen halben vorgeschalteten Montag zu verlängern. Im Grand Auditorium gab es gut besuchte Diskussionsrunden, etwa zum Thema "Smart Housing Solutions". Auch der französische Bauminister Vincent Jeanbrun hatte sein Publikum. Welt- und europaweit ist leistbares Wohnen und funktionierendes Zusammenleben in den sich immer weiter verdichtenden Städten ein riesiges Thema.
Frühstart mit Fragezeichen und Fokus auf Wohnungsthemen
Und nicht nur smart muss es sein: sondern auch und vor allem wirtschaftlich und sozial. Denn sollen nicht alle Städte zu einer Ansammlung von Gated Communities werden, muss das Zusammenleben auch im respektvollen Miteinander und in für alle Bevölkerungsgruppen leistbaren Mischfinanzierungen gelingen. Kam man raus aus dem von Investoren und anderen Immobilienmarktteilnehmern aus der ganzen Welt besuchten Grand Auditorium war die Canner Innenstadt doch merklich belebter als sonst. Und auf den Wegen zum abendlichen Veranstaltungshopping blieb meine Regenjacke ungenutzt – wie auch meistens an den Folgetagen.
Stimmen und Eindrücke von der MIPIM 2026 |
Der frühere Mipim-Beginn verursachte allerdings auch einige Missverständnisse: Wann ist nun eigentlich der Messevorabend? Bereits am Sonntag? Oder doch wieder am Montag? Besser man las genau nochmal die Einladungen. Denn manche, die zu einem traditionell am zweiten Messeabend stattfindenden Event gingen, waren am Mittwoch zur falschen Zeit am vermeintlichen Veranstaltungsort.ö
Deutsche Wirtschaft schwächelt
Dennoch trafen sich in diesem Jahr im spürbar weniger frequentierten Palais des Festival Gesprächspartner zu allen Assetklassen. Resümee: In Deutschland gehen am besten derzeit in Infrastrukturnähe befindliche Bereiche wie Logistik, Rechenzentren und Defense Real Estate. Die deutsche Wirtschaft schwächelt nach wie vor. Um sie trotz aller Krisen wieder zu beleben, geht es darum, weiter zu denken, sich neu zu erfinden und mit Hilfe der Daten als neuem Branchengold neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Wenn auch der Kapitalmarkt vielleicht derzeit Aktien und andere Anlagen bevorzugt, unterstützen Banken schon aus der Angst vor eine Welle von Non-Performing-Loans derzeit Prolongierungen der aus der Niedrigzinszeit auslaufenden Finanzierungen. Großes Potential hat offensichtlich auch studentisches Wohnen und Co-Living. Alle Projekte, die trotz schlechter wirtschaftlicher Parameter performen, zeichnen sich durch zunehmende Digitalisierung und Automatisierung aus.
Innovationsorte: Baustelle & Bestand
Als der Innovationsort schlechthin kann dann derzeit auch in Deutschland die Baustelle angesehen werden. Das Verbauen von CO2-armen Materialien nimmt zu ebenso wie der Einsatz von Digitalen Zwillingen, Projektsimulatoren und Drohnen. Auch die Automatisierung durch Roboter und das Einschalten von Künstlicher Intelligenz in jeden Prozessschritt erhält neue Anwendungsfelder. Auch bei den Innovationen im Bestand geht es um wirtschaftlich machbare energetische Ertüchtigung des bereits Gebauten.
Eine auf den ersten Blick branchenfremde Entwicklung spielt für die Stadtentwicklung eine große Rolle: die Mobilitätswende. Allein was durch Parkraumdigitalisierung und das Verschwinden der Stehzeuge aus dem derzeit in Deutschland vielerorts unwirtlichen Stadtbild auch für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft erreicht werden kann, ist phänomenal.
KI-getunte Entwicklungen und Geschäftsmodelle
Viel Geld wird derzeit in digitale Weiterentwicklungen aller Produkte gesteckt. Bei Software selbst geht es vermehrt um Interaktion zwischen den Datentöpfen. Dabei schafft die Künstliche Intelligenz (KI) in ihrer generischen Form eine vor kurzem noch ungeahnte Arbeitsbeschleunigung für die Programmier. Und die KI könnte in ihrer agentischen Form für die Umwidmung und Abschaffung vieler auf diesem Gebiet als sicher empfundenen Arbeitsplätze auch in der Immobilienwirtschaft führen.
Energie- und Wohnungswirtschaft werden digital gekoppelt- Stichwort: Nutzung der dynamischen Strompreise. Und Gebäude werden mehr und mehr als Erzeuger am Energiemarkt eine Rolle spielen. Skalierungs- und Transformationsthemen durch KI sind in der Wertschöpfungskette der Immobilie überall sichtbar. Sichtbar waren auf der Messe digitale Innovationen wie etwa ein intelligenter Verkehrsalgorithmus für Aufzüge.
Wie also sehen die Geschäftsmodelle von morgen aus? Büroimmobilien haben dafür großen Bedarf. Nutzungsänderungen sind eine Möglichkeit mit dem akuten Flächenüberschuss in diesem Teilbereich umzugehen. Das zeigt den immer größer werdenden Managementbedarf für Immobilien. Mieter müssen kuratiert werden, angenehme Arbeitsorte geschaffen und vielleicht mit Hotel- und Retailfunktionalitäten kombiniert werden. Dann sind die Aussichten für lebenswerte Städte mit von und für Menschen geschaffene Immobilien gar nicht so schlecht.
Fazit: Besser als die Vorhersage
Wer also aus Deutschland in diesem März südlich der Alpen war, hat gemerkt, dass es trotz aller derzeitigen geopolitischen Spannungen darum geht, sich neu einzustellen auf die herausfordernden Marktgegebenheiten und auf diese auch sein Immobiliengeschäftsmodell anzupassen. Denn, obwohl der Ausblick auf 2026 etwa vor dem Irankrieg noch besser war, kommt Unternehmertum ja von etwas unternehmen. Und das können gute Geschäftsleute immer. Egal, ob noch eine Krise hinzukommt. Falls es – wie im bloß leicht regnerischen Frühling von Cannes - besser kommt als vorhergesagt, nehmen wir auch das so, wie es kommt!
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