Gebäudesanierung: Verbände-Allianz verlangt mehr Förderung

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, der Deutsche Verband und der Deutsche Mieterbund haben eine Allianz gegründet. Kernziel ist es, der Politik aufzuzeigen, welche finanziellen Mittel notwendig wären, um die Klimaziele sozialverträglich und wirtschaftlich zu erreichen.

Die Allianz kommt zu dem Schluss, dass die aktuell diskutierten Fördervolumina, die zur Erreichung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich notwendig wären, bei Weitem nicht ausreichen: Vermieter seien in einem Dilemma zwischen Investitionen und Refinanzierungen alleine gelassen. Das Bündnis erwartet, dass das Klimakabinett bis zum 20. September belastbare Antworten findet. Das Ganze sei eine Art "Weckruf" an die Politik, heißt es seitens des GdW.

Wie viel Geld ist notwendig?

Der GdW, der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Deutsche Verband für Wohnungswesen Städtebau und Raumordnung fordern gemeinsam eine massive Ausweitung öffentlicher Unterstützungsleistungen für die energetische Gebäudesanierung.

Selbst bei konservativen Annahmen seien alleine für die vermieteten Wohnungen in Deutschland jährlich mindestens sechs Milliarden Euro Unterstützung nötig, wenn die Klimaziele im Gebäudebereich erreicht werden sollen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Initiative. Für Wohngebäude insgesamt würden pro Jahr mindestens 14 Milliarden Euro benötigt – als Zuschüsse oder Steuererleichterungen, wie Berechnungen auf Grundlage der Dena-Leitstudie "Integrierte Energiewende" und der BDI-Studie "Klimapfade für Deutschland" zeigen. Wesentlicher Treiber seien die Kapitalkosten für Gebäudedämmung und Heizungsanlagen.

Was soll finanziert werden?

Deutschland hat sich verpflichtet, die CO2-Emissionen im Gebäudesektor bis 2030 um rund 40 Prozent auf 72 Millionen Tonnen pro Jahr zu senken. Dafür müsste rein rechnerisch der CO2-Ausstoß in 80 Prozent aller Gebäude halbiert werden. Unter den bisherigen Bedingungen sei das unmöglich und nicht bezahlbar, argumentiert das Bündnis. Wenn Wohnungsunternehmen bei der Refinanzierung der energetischen Sanierung im Gebäudebestand an ihre Grenzen kommen, müsse der Staat engagierter unterstützen.

"Es muss um die Betrachtung der CO2-Bilanz und um technologieoffene Sanierungen gehen und nicht nur um Effizienz. Das Klimakabinett muss jetzt endlich Fördermittel in einer völlig neuen Größenordnung mobilisieren. Oder wir vergessen die Klimaziele." Michael Groschek, Präsident des Deutschen Verbandes

In den kommenden zehn Jahren müssten mehr als zwei von drei Wohngebäuden energetisch saniert werden, ergänzt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes GdW: "Wenn man so hohe Ziele an Eigentümer und Mieter stellt, muss man diese auch politisch absichern. Das bedeutet in diesem Fall: Es muss wesentlich mehr Geld in den Klimaschutz von Gebäuden fließen als bisher".

Was ist mit einer CO2-Bepreisung?

Schon eine einfache energetische Modernisierung (Effizienzhaus 100-Standard) führt laut DMB-Präsident Lukas Siebenkotten zu einer Mieterhöhung von mindestens zwei Euro pro Quadratmeter und Monat, die nicht ansatzweise durch eingesparte Heizkosten refinanzierbar sei. Bei durchschnittlichen Wohnkostenbelastungen von 29 Prozent seien derartige Mietsteigerungen nicht bezahlbar. "Sie gefährden den sozialen Frieden in Deutschland", so Siebenkotten.

Weder eine CO2-Bepreisung noch ordnungsrechtliche Initiativen lösen dem Verbände-Bündnis zufolge die Frage der Refinanzierung der energetischen Gebäudesanierung. Die Verbände fordern die Bundesregierung dazu auf, bei den Beratungen des Klimakabinetts die wirtschaftlichen und sozialen Handlungsspielräume der Betroffenen angemessen zu berücksichtigen.

Hessen und Rheinland-Pfalz: Wohnungsunternehmen fordern Klimafonds

Auch Wohnungsunternehmen aus Hessen und Rheinland-Pfalz haben jetzt finanzielle Hilfen bei der Sanierung ihrer Wohnungsbestände für den Klimaschutz gefordert.

"Mieter mit niedrigem Einkommen werden es nicht zahlen können, Unternehmen können es in Zeiten von Mietpreisbremse, Kappungsgrenzenverordnung und ständig steigenden Baukosten und Grundstückspreisen auch nicht leisten." Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW)

Nötig sei ein "Klimafonds, mit dem Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor finanziert werden können." Ein solcher Fonds könnte beispielsweise mit Geld aus Emissionshandel oder aus einer CO2-Steuer gefüllt werden.


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Schlagworte zum Thema:  Klimaschutz, Gebäudesanierung