Büros werden KI-bedingt deutlich kleiner bis 2030
Sekretariate, Buchhaltung und Juristen zählen weltweit zu den Jobs, in denen durch Künstliche Intelligenz (KI) in den kommenden fünf Jahren am meisten Arbeitsplätze verloren gehen – das zeigte der Future of Jobs Report 2025 vom World Economic Forum.
Der Arbeitsplatzrückgang wird in der Folge auch den Bedarf an Bürofläche in den großen deutschen Städten senken, wie eine Umfrage von Trend Research Hamburg im Auftrag des Büroflächenanbieters GSG Berlin zeigt – erwartet wird eine Reduktion um durchschnittlich 27 Prozent bis 2030.
An der Umfrage nahmen 502 Personalentscheider aus den sieben deutschen Bürohochburgen Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Düsseldorf, München und Stuttgart teil. Am stärksten vertreten sind die Digitalbranche (169 Teilnehmer) und die Finanzwirtschaft (64 Teilnehmer). Die Teilnehmer nutzen zu 69 Prozent ganz oder überwiegend klassische Büros und zu 31 Prozent ganz oder überwiegend Co-Working-Spaces beziehungsweise Flexoffices.
Nach Homeoffice kommt KI: Wo sich Büros leeren
"Die Büroimmobilienmärkte verdauen immer noch den Rückgang des Flächenbedarfs durch das Homeoffice. Dass ein weiterer, KI-bedingter Nachfragerückgang droht, scheint mir in der öffentlichen Diskussion noch nicht ausreichend angekommen", sagte Sebastian Blecke, operativer GSG-Geschäftsführer.
Am häufigsten (37 Prozent) rechnen Unternehmen damit, dass Flächen frei werden, weil man durch KI weniger schreibendes Personal benötigen wird – vor allem in den Marketing- und Social-Media-Abteilungen. Da ChatGPT und andere Programme neben Texten auch praxistauglich Code generieren können, rechnen 30 Prozent der Unternehmen damit, dass bis 2030 einen Teil des programmierenden Personals durch KI ersetzt werden kann.
Außerdem gehen 27 Prozent der befragten Personalentscheider davon aus, dass Arbeitsplätze in der Buchhaltung, Rechtsabteilungen, in Human Resources (HR) und in der Assistenz durch Künstliche Intelligenz obsolet werden und dadurch der Bedarf an Büroflächen sinken wird.
Co-Working und Flex Offices: Welche Büros sind zukunftsfähig?
Bei der Flächenreduktion spielt es der Umfrage zufolge kaum eine Rolle, ob Unternehmen klassische Büroflächen angemietet haben oder Co-Working-Spaces respektive Flex Offices nutzen. Trotz der Möglichkeiten, sich als Unternehmen von Co-Working-Flächen und Flex Offices rascher teilweise oder ganz zu trennen als bei klassischen Mietverträgen, beträgt der Unterschied in der erwarteten Reduktion weniger als ein Prozentpunkt (26,8 Prozent versus 27,5 Prozent).
Zukunftsfähig blieben nur Büros, die baulich flexibel sind. "Es geht um die Fähigkeit, Veränderungen abbilden zu können", so Blecke. Etwa hätten ehemals industriell genutzte Altbauten aus der Gründerzeit eine Wandelbarkeit und Umnutzbarkeit über die teils gravierenden gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen der vergangenen 100 Jahre hinweg unter Beweis gestellt – solche Büros profitierten nun von einer Bauweise mit loftartiger Weite und hohen Decken, die heute aus wirtschaftlichen Gründen nur noch selten möglich sei.
Die Flexibilität ist dem Experten zufolge auch wichtig, weil durch KI ja nicht nur Jobs wegfallen, sondern auch neue und neuartige geschaffen werden. "Gegebenenfalls fällt die Flächenreduktion kleiner aus, wenn sich dieselben Flächen für neue Jobs und neue Funktionen eignen. Das gilt auch für die mögliche Funktion als Social Area, die die Attraktivität für die Mitarbeiter erhöht, zurück ins Büro zu kommen und weniger Homeoffice zu machen."
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