Homeoffice versus Büro: Mietfläche reduzieren oder warten?

Die Homeoffice-Welle ebbt nicht ab. Vorhandene Büroflächen werden laut einer Studie von PwC derzeit nur zu 50 Prozent genutzt. Fast alle Unternehmen planen, die Büroflächen anzupassen oder haben das bereits getan. Ab wann ist es wirtschaftlich, die Mietfläche zu reduzieren?

Im Zuge der Digitalisierung können viele Berufstätige die Arbeit – theoretisch sogar ausschließlich – von zu Hause aus erledigen. Während der Corona-Pandemie wurde das Arbeiten im Homeoffice erst zur Notwendigkeit und dann zum “New Normal”.

Das Beratungsunternehmen PwC hat für eine aktuelle Homeoffice-Studie 125 Arbeitgeber und 600 Arbeitnehmer deutscher Unternehmen zu den Erfahrungen mit dem Arbeiten von zu Hause und zu möglichen Änderungen beim Flächenbedarf durch neue Arbeitsplatzkonzepte befragt.

"Drei Jahre nach Ausbruch der Pandemie bestätigen die Umfrageergebnisse den Wunsch der Arbeitnehmer nach Flexibilität und der verstärkten Arbeit aus dem Homeoffice", fasst David Rouven Möcker, Partner Real Estate bei PwC Deutschland, die Ergebnisse der dritten Auflage der Studie zusammen. Eine vollständige Rückkehr ins Büro wird es zukünftig nicht mehr geben.

Arbeitgeber müssten sich überlegen, wie sie das Büro der Zukunft gestalten und organisieren wollen, um die richtige Arbeitsumgebung anbieten zu können, ergänzt Rita Marie Roland, Partnerin Real Estate bei PwC Deutschland.

New Normal: Hälfte der Arbeitswoche im Homeoffice

Homeoffice ist zu einem festen Bestandteil eines flexiblen Arbeitsmodells geworden, lautet eine Kernaussage der neuen PwC-Studie – Arbeitnehmer verbringen demnach durchschnittlich mehr als die Hälfte der Arbeitswoche am Heimarbeitsplatz. Knapp zwei Drittel (62 Prozent der Arbeitnehmer) wollen mindestens einen Tag pro Woche im Homeoffice verbringen.

Die positive Wahrnehmung bezüglich der Produktivität am Heimarbeitsplatz ist laut PwC seit der ersten Homeoffice-Umfrage im Jahr 2020 konstant hoch. 94 Prozent der Arbeitgeber geben an, dass die Produktivität der Mitarbeiter im Homeoffice mindestens so hoch oder sogar höher ist als im klassischen Büro. Drei von vier Arbeitnehmern sehen das genauso.

"Die Herausforderungen des Informationsaustausches und der Zusammenarbeit im Homeoffice haben sich konstant verbessert", beobachtet PwC-Expertin Roland. Sie seien – mit der Ablenkung in der häuslichen Umgebung und der Ausstattung des Homeoffice-Arbeitsplatzes – aber weiterhin die größten Hürden.

Nachfrage nach neuen Arbeitswelten im Büro

Die Möglichkeit zum Homeoffice leistet der Studie zufolge einen erheblichen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und trägt maßgeblich zur Zufriedenheit der Mitarbeitet bei. Die große Mehrheit (71 Prozent) der Befragten empfindet eine erhöhte Lebensqualität durch die flexible Nutzung von Homeoffice. 72 Prozent gaben an, eine bessere Work-Life-Balance zu haben.

"Die Möglichkeit, einen Großteil der Arbeitszeit flexibel aus dem Homeoffice zu bestreiten, ist ein wesentlicher Entscheidungspunkt für Arbeitnehmer bei der Wahl des Arbeitgebers, insbesondere für junge Menschen", so PwC-Partner Möcker. Arbeitnehmer erwarteten sogar Kompensationen, wenn sie ins Büro zurückkehren: Etwa Zuschüsse zu den Fahrtkosten oder die Bereitstellung von Getränken und Speisen. Mit modernen Arbeitsplatzkonzepten, flexiblen Arbeitsmodellen plus Service-Angeboten könnten Unternehmen punkten.

Mehrheit der Unternehmen will Büroflächen anpassen

Die Büroorganisation ist laut PwC-Studie ein wichtiges Element für eine erfolgreiche Umsetzung von neuen Flächenkonzepten und der optimalen Auslastung der Flächen. Die befragten Arbeitgeber geben im Durchschnitt eine Büroauslastung von derzeit nur 45 Prozent an – mehr als die Hälfte der Büroflächen ist demnach ungenutzt. Zu Spitzenzeiten steigt die Auslastung auf 63 Prozent an.

Die Mehrheit der Unternehmen plant, die Büroflächen an die neuen Anforderungen anzupassen oder hat bereits Maßnahmen ergriffen. Arbeitgeber gehen dabei der Umfrage zufolge mittlerweile überwiegend von einem gleichbleibenden Flächenbedarf aus. "Während in unseren Vorstudien noch die Frage nach Flächenreduktionen stark im Vordergrund stand, wird heute bei den meisten Marktteilnehmern deutlich, dass es vorwiegend um Änderung der Ausstattung und Grundrissgestaltung bei gleichbleibender Fläche geht", erklärt Möcker.

ESG, Wirtschaftlichkeit: Was darf der Umbau kosten?

Die Qualität der Flächen in Bezug auf Nachhaltigkeit und "Wellbeing" der Mitarbeiter spielt vor den verstärkten Diskussionen um das Thema ESG laut Möcker außerdem eine sehr große Rolle.

Der wichtigste Einflussfaktor auf die Wirtschaftlichkeit eines Flächenabbaus sind die Umbaukosten der verbleibenden Büroflächen – dies gilt sowohl für Mietflächen als auch für Eigentum. "Sollen Flächenreduktion und Umbau langfristig zu Kosteneinsparungen führen, sollten nach unseren Beispielrechnungen die Umbaukosten 650 Euro pro Quadratmeter bei Mietobjekten nicht überschreiten", rechnet Roland vor.

Die Zukunft der Arbeit sei kein Sprint, sondern eine Evolution, sagt Möcker abschließend. Arbeitswelten sollten ganzheitlich betrachtet werden, um eine erfolgreiche und nachhaltige Etablierung im Unternehmen sicherzustellen. Dabei sei es wichtig, alle Dimensionen – Fläche, Mensch und Technologie – in den Transformationsprozess miteinzubeziehen.

Homeoffice-Studie 2023 von PwC


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