Das Einfamilienhaus der Zukunft ist kompakt gebaut
Einfamilienhäuser sind in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten. Sie beanspruchen viel Raum und gelten als energetisch ungünstig. Die Nachhaltigkeitsanforderungen sind gestiegen, die hohen Kosten lassen den Traum für viele Haushalte zunehmend in die Ferne rücken. Laut einer Kurzstudie der BPD (Bouwfonds Immobilienentwicklung) liegt die Lösung in einer kompakteren Bauweise mit reduzierter Wohnfläche.
Jeder eingesparte Quadratmeter verringert demnach die Herstellungskosten sowie den ökologischen Fußabdruck und zahlt so auf die Aspekte Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit ein. Der Wunsch breiter Bevölkerungsschichten nach einem Haus könne so mit den veränderten Rahmenbedingungen und Herausforderungen in Einklang gebracht werden, sagte Alexander Heinzmann, Geschäftsführer von BPD in Deutschland.
Nachfrage nach Einfamilienhäusern: bis 120 Quadratmeter
Rund die Hälfte (58 Prozent) der Haushalte, die den Kauf eines Einfamilienhauses beabsichtigen, präferieren laut BPD-Studie Wohnflächen von weniger als 120 Quadratmetern. Bei Haushalten mit Mietabsicht liegt der Anteil mit 79 Prozent deutlich höher. Dabei kommen für mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Kaufinteressenten und für knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Mietinteressierten auch kleinere Wohnflächen zwischen 80 und 99 Quadratmeter in Frage.
Diese Nachfrage trifft auf ein geringes Neubauangebot: Nur jedes fünfte zwischen Mitte 2021 und Mitte 2023 auf Immobilienplattformen inserierte Neubauangebot verfügte über eine Wohnfläche von weniger als 120 Quadratmetern. Bei Objekten mit weniger als 100 Quadratmetern Wohnfläche betrug der Anteil laut BPB sogar nur fünf Prozent.
Dabei könnte den Entwicklern zufolge die kompakte Bauweise mehreren Nachfragegruppen den Zugang zum Einfamilienhaus möglich machen: Jungen Erstkäufern, kleinen Familien, Paaren ohne Kinder oder auch privaten Anlegern – sie kämen als potenzielle Käufer in Frage. Geringere Herstellungskosten würden insbesondere Erstkäufern und Haushalten mit mittlerem Einkommen den Erwerb von Wohneigentum erleichtern, heißt es weiter. Das würde in der Folge auch den Druck auf den Mietwohnungsmarkt reduzieren und einen Beitrag zur Vermögensbildung und Altersvorsorge leisten.
Zur Kurzstudie "Relevanz und Zukunftsaussichten kompakter Einfamilienhäuser" (Download)
Streit um neue Einfamilienhäuser: Politische Debatte
Eine prominente Kritikerin der Einfamilienhäuser war über die Jahre Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Seit den 1950er Jahren seien Hunderttausende dieser Häuser gebaut worden, in denen meist keine Familien mehr lebten, sondern ein oder zwei Senioren auf 150 Quadratmetern. Es müsse heute anders gebaut werden, schon um die Klimaschutzziele zu erreichen.
Die Debatte wurde politisch immer wieder geführt. "Wollen die Grünen Einfamilienhäuser verbieten?", fragte im Februar 2021 der "Spiegel" den damaligen Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter. Er antwortete, platzraubend und schlecht fürs Klima seien Einfamilienhäuser, von "Donut-Dörfern" und dem Mythos vom Eigenheim als Altersvorsorge sprach der Politiker. Kommunen sollten mit ihren Bebauungsplänen dafür sorgen, dass der knappe Raum in urbanen Ballungsgebieten bestmöglich genutzt werde, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Einfamilienhäuser verbrauchten viele Baustoffe, viel Energie und eben viel Fläche.
Der ökologische Fußabdruck eines Eigenheimbewohners auf dem bayerischen Land sei doppelt so hoch wie der einer Person, die in der Münchner Innenstadt wohnt, bestätigten diese Annahme die Professoren Andreas Hild und Thomas Auer im September 2023 in einem "Spiegel"-Gespräch. Allerdings sprachen die Wissenschaftler den Eigenheimen auch Chancen zu – würden nur zehn Prozent der bundesweit 16 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser umgebaut, könnten den Wissenschaftlern zufolge 1,6 Millionen neue Wohnungen geschaffen.
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