Preise für WG-Zimmer steigen im Schnitt um 3,9 Prozent
Die Wohnkosten für Zimmer in Wohngemeinschaften steigen weiter, wie Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) zeigen.
Zu Beginn des Sommersemesters 2026 liegen die Mieten durchschnittlich bei 512 Euro monatlich. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 3,9 Prozent.
WG-Zimmer: Spielraum im unteren Preissegment wird kleiner
Die Dynamik der Mietsteigerungen hat nach Feststellung des Instituts zwar leicht nachgelassen, die Preise verharren jedoch auf einem sehr hohen Niveau und steigen stärker als die allgemeine Teuerung. Zugleich verändert sich die Struktur des Marktes: "Während sich die Durchschnittswerte vor allem in den Metropolen stabilisieren, geraten insbesondere günstigere Angebote zunehmend unter Druck", so die Wissenschaftler.
Damit wächst die Belastung insbesondere für Haushalte, die einen großen Teil des Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen. Projektleiter Dr. Stefan Brauckmann spricht von einer Stabilisierung nur auf den ersten Blick: «Vor allem im unteren Preissegment wird der Spielraum kleiner. Das betrifft nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende und andere Menschen mit begrenztem Wohnkostenbudget."
Dabei gibt es enorme regionale Unterschiede. Während Studierende in Bayern (605 Euro), Hamburg (650 Euro) und Berlin (650 Euro) am meisten zahlen, liegen die Durchschnittskosten in Sachsen-Anhalt (358 Euro) und Sachsen (372 Euro) viel tiefer. Spitzenreiter unter den Städten ist München (800 Euro).
Studentisches Wohnen: WG-Suche wird zum Wettlauf
Annegret Mülbaier vom Onlineportal WG-Gesucht.de, das als Kooperationspartner die Erhebung unterstützt, berichtet: "Wir sehen auf unserer Plattform, dass sich die Nachfrage auf die noch vergleichsweise günstigen WG-Zimmer extrem bündelt."
Viele der Angebote seien oft schon am selben Tag vergeben; für Studierende werde die Wohnungssuche immer mehr zum Wettlauf. "Gleichzeitig beobachten wir, dass viele flexibler suchen und stärker Kompromisse bei Lage oder Größe eingehen müssen, um passende Angebote zu finden", so Mülbaier.
Das Team um Brauckmann untersucht seit 2011 die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende. In die Analyse wurden alle 89 deutschen Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden einbezogen. Demnach sind 83,4 Prozent der Studierenden in Städten eingeschrieben, in denen der Durchschnitt über der BAföG-Wohnkostenpauschale liegt.
BAföG-Wohnkostenpauschale: an der Realität vorbei?
Die BAföG-Wohnkostenpauschale liegt derzeit bei 380 Euro und wurde bisher nicht angepasst. In Teilen des Marktes reicht das laut MMI nicht mehr aus. Selbst bei einer Anhebung auf 440 Euro würde sich demnach die Situation nur teilweise entspannen. Ein erheblicher Teil der Studierenden wäre weiterhin von Wohnkosten oberhalb der Pauschale betroffen. Die Problematik beschränkt sich dabei also nicht nur auf BAföG-Empfänger.
Im Ländervergleich ergibt sich ein West-Ost-Gefälle, das sich allerdings langsam abschwächt. Auch in ostdeutschen Hochschulstädten sind die Mieten zuletzt gestiegen, wenn auch von niedrigerem Niveau aus.
In den großen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (485 Euro) und Niedersachsen (431 Euro) spiegelt sich die Vielfalt der Hochschulstandorte wider: Von Metropolen mit sehr hohen Kosten wie Düsseldorf (630 Euro), Köln (620 Euro) oder Bonn (510 Euro) bis zu günstigeren Standorten wie Bielefeld (375 Euro) und Bochum (385 Euro) reicht die Spanne bei den kreisfreien Städten.
Energiekosten: größter Unsicherheitsfaktor
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ergibt sich aus der Entwicklung der Energiepreise. "Bei Wohngemeinschaften und in Wohnheimzimmern machen die Nebenkosten einen vergleichsweise großen Anteil aus", erklärt Brauckmann.
Sollten die Energiepreise aufgrund der aktuellen Weltlage weiter steigen, könne sich der derzeit noch eher moderate Preistrend schnell beschleunigen.
Zur Entlastung des Marktes ist aus Sicht des Moses Mendelssohn Instituts vor allem eine Ausweitung des Angebots an budgetorientierten Wohnungen und Wohnheimplätzen erforderlich. "Am Ende entscheidet das verfügbare Angebot darüber, ob sich die Lage entspannt oder der Druck weiter zunimmt", so Brauckmann.
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