11.04.2017 | Wohnungsmarkt

Studien: Studenten finden kaum noch bezahlbare Zimmer – es wird falsch gebaut

Für Studenten ist die Lage im Wohnungsmarkt besonders schwierig.
Bild: Corbis

Die Mietpreise für Studentenwohnungen in Deutschland sind rasant gestiegen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der Deutschen Real Estate Funds (DREF) in Kooperation mit ImmobilienScout24 sowie eine Analyse von Empirica zeigen. Grund: Es werde zu wenig und falsch gebaut. Auch Zimmer in Wohngemeinschaften sind knapp und teuer – ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Das macht den Markt für Investoren attraktiv.

Die Preiserhöhungen liegen laut Studie insgesamt weit über der allgemeinen Teuerungsrate. München ist besonders teuer: 30 Quadratmeter mit Einbauküche in Uninähe kosten demnach zum Sommersemester 2017 monatlich 634 Euro warm. Das seien 30 Prozent mehr als im Jahr 2010. Der Quadratmeterpreis habe 2016 bei 17 Euro gelegen. Im Vergleich zu 2010 war das ein Anstieg von 43 Prozent, wie IW-Experte Michael Voigtländer und Kollegen ermittelten.

Dabei hat sich im Vergleich zum Herbst 2015 die Situation in den meisten Universitätsstädten weiter verschlechtert, wie eine Studie des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) zeigt.

Berlin verzeichnet den deutlichsten Anstieg

Noch deutlicher fällt laut Studie der Anstieg mit 42 Prozent in Berlin aus. In der Hauptstadt werden inzwischen 416 Euro Miete fällig. Demnach ist eine Studentenunterkunft in Berlin mittlerweile um mehr als die Hälfte teurer als 2010. Zuletzt mussten die Studenten hier im Schnitt knapp zehn Euro pro Quadratmeter berappen. In Frankfurt am Main kostete der Quadratmeter im zweiten Halbjahr 2016 im Schnitt rund 13 Euro, wie aus der Studie hervorgeht. Im Jahr 2010 lag der Preis noch bei etwa zehn Euro. 

Am günstigsten leben Studenten in Leipzig mit 322 Euro pro Monat. Doch auch hier sind die Preise im Vergleich zu 2010 um 21 Prozent gestiegen. Auch Jena ist von Mietsteigerungen betroffen, jedoch nicht so stark wie andere Hochschulstädte. Für ein durchschnittliches Studentenapartment mussten im zweiten Halbjahr 2016 der Studie zufolge rund 377 Euro gezahlt werden. Das waren laut IW-Studie 27 Euro mehr als Anfang 2010 und bundesweit der geringste Anstieg: Dieser liege aber auch oberhalb des allgemeinen Verbraucherpreisindex, heißt es in der Studie.

"Ausländische Fachkräfte und junge Berufstätige ziehen in die Städte und treiben die Preise", sagt Michael Voigtländer.

Ende der Preisspirale nicht zu erwarten

Und die Mieten steigen laut Voigtländer weiter, da nach wie vor zu wenige Wohnungen gebaut würden. So sei zwischen 2011 und 2015 nur die Hälfte der benötigten Wohnungen gebaut worden – in Berlin, Stuttgart und München sogar nur 40 Prozent.

Besonders problematisch ist der IW-Studie zufolge, dass es in den Metropolen an WG-tauglichen Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen fehlt. Nur knapp ein Drittel der in diesem Segment nachgefragten Wohnungen wurde laut IW tatsächlich gebaut.

Ein Ende der Preisspirale ist demnach in den kommenden Jahren nicht zu erwarten, die Metropolen werden weiter wachsen.

"Der Markt für Studentenwohnungen bleibt daher für Investoren attraktiv", urteilt Felix Bauer, CEO von DREF.

Damit aber die erforderlichen Wohnungen auch gebaut werden könnten, müssten die Städte vor allem mehr Bauland aktivieren und ausweisen. Entsprechende Forderungen sind auch von den immobilienwirtschaftlichen Verbänden zu hören.

Dabei sind laut einer Studie von Bulwiengesa in der bayerischen Landeshauptstadt die Investments und die Nachfrage nach studentischem Wohnraum am höchsten.

Preise für WG-Zimmer seit 2012 um 20 Prozent gestiegen

Empirica hat eine Übersicht erstellt, die Auskunft über die Mietpreise an den größeren Hochschulstandorten Deutschlands (über 120 Städte) gibt. Der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer ist demnach mit 500 Euro monatlich warm auch hier in München am höchsten, gefolgt von Stuttgart (450 Euro) und Frankfurt am Main (438 Euro).

Die günstigsten Angebote gibt es in Chemnitz (210 Euro) sowie in Cottbus und Halle (240 Euro). Insgesamt liegt der Standardpreis zum aktuellen Sommersemester laut Empirica bei 345 Euro und somit 20 Prozent über dem Niveau aus dem Sommersemester 2012.

Schlagworte zum Thema:  Student, Studentenwohnheim, Wohnungsmarkt, Wohngemeinschaft

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