WG-Markt für Studierende treibt Preise an teuren Standorten
Während die Mieten für WG-Zimmer bundesweit weitgehend stabil bleiben, ziehen die Preise in den Millionenstädten zum Wintersemester 2026/27 deutlich an, wie eine aktuelle Auswertung von Moses Mendelssohn Institut (MMI) und WG-Gesucht.de zeigt, die alle 90 deutschen Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden umfasst.
Die Schere zwischen günstigen und teuren Studienstädten öffnet sich seit Jahren – und mit ihr der Spielraum für Investoren, die auf strukturell nachgefragte Lagen setzen.
Wo das Mietpotenzial bei WG-Zimmern am größten ist
Der studierendengewichtete Deutschlandwert für ein Zimmer in einer Studierenden-WG liegt laut Auswertung zum Wintersemester 2026/27 bei rund 510 Euro pro Monat – nahezu unverändert gegenüber dem Sommersemester 2026 (512 Euro) und rund ein Prozent höher als im Wintersemester 2025/26 (505 Euro).
Zwölf der 90 untersuchten Hochschulstandorte liegen mit dem Median mehr als zehn Prozent über dem Deutschlandwert. Sie konzentrieren ein Drittel aller Studierenden. Der Median in dieser Gruppe reicht von 565 Euro in Bonn bis zu 850 Euro in München.
Die fünf teuersten Standorte sind München (850 Euro), Berlin und Hamburg (jeweils 650 Euro), Köln (640 Euro) sowie Frankfurt am Main (630 Euro). Im Durchschnitt sind die Mieten für WG-Zimmer zum Wintersemester 2026/27 in diesen Großstädten auf 692 Euro gestiegen. Das sind noch einmal 23 Euro mehr als zum Sommersemester 2026. Neben Stuttgart, Düsseldorf und Freiburg im Briesgau gehörten die "Top 5"-Standorte bereits im Wintersemester zum oberen Preissegment.
BAföG-Lücke: Staatliche Förderung deckt Marktpreise nicht mehr
An allen zwölf Standorten des oberen Preissegments liegt das erste Quartil über der aktuellen BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro. Das heißt, dass selbst das günstigste Viertel der beobachteten Angebote teurer ist als der staatliche Förderbetrag.
An zehn der zwölf Standorte überschreitet das erste Quartil sogar die für das Sommersemester 2027 geplante Pauschale von 440 Euro. Besonders hoch ist das erste Quartil in Hamburg (560 Euro), München und Frankfurt am Main (jeweils 550 Prozent), Köln (540 Euro) und Berlin (530 Euro).
Bundesweit liegt der Median an 76 der 90 Hochschulstandorte über der aktuellen Wohnkostenpauschale von 380 Euro. Dort sind 84,4 Prozent aller Studierenden eingeschrieben. An 48 Standorten überschreitet bereits das erste Quartil diesen Betrag. Das betrifft 55,1 Prozent der Studierenden.
Nachfrage explodiert: Dreimal so viele Anfragen wie im Juni
Während im Wintersemester 2016/17 noch 35,4 Prozent der Studierenden an Hochschulstandorten mit Mieten nahe dem Deutschlandwert wohnten, also im preislichen Mittelfeld, sind es jetzt laut Auswertung von MMS und WG-Gesucht.de nur noch 20,7 Prozent.
Gleichzeitig ist der Anteil der Studierenden im oberen Preissegment auf 33,2 Prozent gestiegen, im unteren auf 46,1 Prozent. Der relative Abstand zwischen dem unteren und oberen Viertel der Standortmediane ist im Zehnjahresvergleich um 27 Prozent gewachsen.
Nicht nur die Preise steigen – auch der Wettbewerb um freie Zimmer verschärft sich. WG-Gesucht.de beobachtet zum Start des Wintersemesters 2026/27, dass WG-Angebote in mehreren Hochschulstädten mehr als dreimal so viele Kontaktanfragen erhalten wie im Sommersemester 2026.
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