Wo die neue Grundsteuer das Wohnen teurer macht
Am 1.1.2025 trat die Reform der Grundsteuer in Kraft. Nach knapp einem Jahr fällt die Bilanz ernüchternd aus.
Vergleichbares Wohnen kostet in einigen Kommunen plötzlich das Doppelte oder sogar Dreifache, heißt es in einer Studie des Eigentümerverbands Haus & Grund in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dabei ist die Spannweite zwischen Entlastung, Aufkommensneutralität und Mehrbelastung in den untersuchten 100 größten deutschen Städten ist groß.
"Viele Städte und Gemeinden haben die Reform für satte Steuererhöhungen genutzt", sagte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke. Es sei nicht einfacher, nicht gerechter und für viele Bürger teurer geworden. "Am 10.12.2025 erwarten wir ein Urteil des Bundesfinanzhofs in München zur neuen Grundsteuer und werden von vor Ort berichten."
Lesen Sie dazu:
Bundesfinanzhof verhandelt Grundsteuer-Klagen
Grundsteuer 2025: Unterschiede je nach Bundesland
Zwickau in Sachsen liegt im Grundsteuerranking 2025 mit 258 Euro pro Jahr an der Spitze der günstigsten Großstädte. Am Ende des Feldes stehen die teuersten der 100 betrachteten Städte: Tübingen, Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe (alle in Baden-Württemberg). In Tübingen werden 1.377 Euro pro Jahr fällig – das sind rund 434 Prozent mehr als in Zwickau für eine vergleichbar große Immobilie.
Der Unterschied zwischen den Bundesländern ist groß. In den betrachteten Städten Sachsen-Anhalts etwa zahlen Eigentümer eines Einfamilienhauses durchschnittlich 305 Euro pro Jahr, in Berlin sind es satte 850 Euro im Schnitt – das ist der höchste Durchschnittswert im Bundesländervergleich.
Knapp drei Millionen Einsprüche gegen das Bundesmodell
Deutliche Auswirkungen haben den Studienautoren zufolge auch der unterschiedlichen Steuermodelle: Die einfachen Modelle in Niedersachsen und Bayern führen eher zu fairen Steuern – das wertorientierte Modell in Baden-Württemberg wiederum hat dem Bundesland einen beispiellosen Abstieg im Ranking beschert, heißt es in der Untersuchung.
Auch mit dem Bundesmodell sind demnach zahlreiche Steuersteigerungen ermöglicht worden. Dazu kommt: Das Modell ist wegen seiner Komplexität und Intransparenz Spitzenreiter bei der Unzufriedenheit der Bürger: 2,8 Millionen Einsprüche gab es dagegen.
Grundsteuermodelle aus Bayern und Niedersachsen: Vorbild?
"Die Reform sollte Gleichbehandlung gewährleisten. Tatsächlich bestimmen die Modellwahl der Länder und die Hebesatzpolitik der Städte die Höhe der Grundsteuer stärker denn je", so Warnecke.
Für Eigentümer entstehe dadurch keine verlässliche, gerechte Belastung, sondern ein Flickenteppich aus teils massiv voneinander abweichenden Jahresbeträgen. Haus & Grund Deutschland fordere deshalb, das bayerische oder niedersächsische Grundsteuermodell in allen Bundesländern einzuführen.
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