EY-Analyse: Wo die Grundsteuer besonders teuer ist

Jede zwölfte Kommune in Deutschland hat vergangenes Jahr die "Grundsteuer B" erhöht. Im Schnitt zahlte jeder Eigentümer 175 Euro – drei Euro mehr als 2020, wie eine Analyse von Ernst & Young (EY) zeigt. Nur eine kleine Minderheit der Städte und Gemeinden senkte den Hebesatz.

Insgesamt haben im vergangenen Jahr 891 deutsche Städte und Gemeinden (acht Prozent) die Grundsteuer – in diesem Fall die Grundsteuer B, die auf bebaute und unbebaute Grundstücke erhoben wird – erhöht; nur 75 Kommunen (0,7 Prozent) machten von der Möglichkeit Gebrauch, den Hebesatz zu senken, wie die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) analysiert hat.

Die meisten Steuererhöhungen gab es im Saarland (17 Prozent der Kommunen) und in Schleswig-Holstein (16 Prozent), die wenigsten in Sachsen und Bayern (jeweils fünf Prozent). Auch auf Fünf-Jahres-Sicht gab es die meisten Steuererhöhungen im Saarland: 77 Prozent der Städte und Gemeinden haben seit 2016 mindestens einmal die Grundsteuer erhöht. In Bayern waren es hingegen nur 17 Prozent der Kommunen.

Im Bundesdurchschnitt zahlte 2021 jeder Eigentümer 175 Euro an die Kommune – das sind noch einmal drei Euro mehr als im Jahr 2020. Die Grundsteuer kann über die Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden.

Höchste Grundsteuer-Hebesätze in NRW

Am meisten Grundsteuer zahlen laut EY Eigentümer in Nordrhein-Westfalen (NRW): Sie mussten im Durchschnitt 216 Euro an die Gemeindekasse überweisen – das sind vier Euro mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie in Brandenburg, wo im Durchschnitt nur 110 Euro fällig werden.

Bundesweit wiesen Ende 2021 die hessischen Kommunen Lorch und Lautertal mit jeweils 1.050 Prozent die höchsten Grundsteuer-Hebesätze auf, gefolgt von zwei weiteren hessischen Kommunen – Nauheim und Ringgau mit einem Hebesatz von jeweils 960 Prozent. Das nordrhein-westfälische Bergneustadt belegt mit einem Hebesatz von 959 Prozent den fünften Platz unter den Kommunen mit den höchsten Hebesätzen.

Von den 50 deutschen Kommunen mit den bundesweit höchsten Hebesätzen liegen 31 in Nordrhein-Westfalen und 19 in Hessen. Die hessische Gemeinde Lorch wies EY zufolge auch den stärksten Anstieg der Grundsteuer auf: Im vergangenen Jahr stieg der Hebesatz um 365 Punkte.

Wo die Grundsteuer "günstiger" geworden ist

In 16 deutschen Kommunen mussten Eigentümer im vergangenen Jahr gar keine Grundsteuer zahlen, acht davon liegen in Schleswig-Holstein, sieben in Rheinland-Pfalz und eine in Baden-Württemberg. Den bundesweit stärksten Rückgang gab es im schleswig-holsteinischen Strübbel – dort wurde der Hebesatz von 295 auf 0 Prozent gesenkt.

"Die starke konjunkturelle Erholung nach dem Corona-Schock hat zu einer überraschend guten finanziellen Entwicklung bei vielen Kommunen und einem kommunalen Finanzierungsüberschuss von 4,6 Milliarden Euro geführt", erklärte Mattias Schneider, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Services, diese Entwicklung. "Der Aufwärtstrend bei den Grundsteuern bleibt dennoch bestehen – nur eine kleine Minderheit der Kommunen macht von der Möglichkeit Gebrauch, den Hebesatz zu senken", so Schneider.

Grundsteuerreform: Auswirkungen erst 2025 sichtbar

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr einen leichten Rückgang bei der Anzahl der Kommunen, die den Grundsteuerhebesatz heraufgesetzt haben. Im Jahr 2020 wurde der Grundsteuer-Hebesatz noch in 1.070 Städten und Gemeinden heraufgesetzt (zehn Prozent) – und in 88 Kommunen gesenkt, wie Berechnungen in der "EY Grundsteueranalyse 2021" zeigen.

Bis zum Ende 2024 wird die Grundsteuer noch nach dem aktuellen Stand berechnet. Im Zuge der Grundsteuerreform müssen bundesweit Millionen Grundstücke neu bewertet werden. Derzeit sind daher viele Eigentümer dabei, Angaben zu ihren Immobilien an das Finanzamt zu übermitteln.

Ab dem 1.1.2025 gelten dann die neu ermittelten Beträge – bis zur Festsetzung der neuen Hebesätze und Neuberechnung dauert es also. "So lange ist ungewiss, wie sich die bevorstehende Grundsteuerreform auf die Einnahmesituation der einzelnen Kommunen auswirken wird, auch wenn der politische Konsens besteht, dass es insgesamt nicht zu einer gravierenden Mehrbelastung der Bürger kommen soll", sagte Schneider.

EY-Studie "Grundsteueranalyse 2022" (PDF)


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