23.02.2016 | Gewerbe- und Grundsteuer

EY-Studie: Grundsteuern steigen immer schneller - Wohnen wird immer teurer

Im Zeitraum 2010 bis 2015 hatten 64 Prozent der deutschen Kommunen die Grundsteuer erhöht
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Deutschland wurde alleine im ersten Halbjahr 2015 die Grundsteuer B um 18 Prozent erhöht. Das ist fast genauso viel wie im gesamten Jahr 2014 mit 23 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Hebesätze von 11.103 Kommunen durch EY (vormals Ernst & Young). Die Grundsteuer B wird in der Regel vollständig auf Mieter umgelegt und macht das Wohnen dadurch teurer. Dabei geht die Schere zwischen den Ländern weiter auf.

Während in Baden-Württemberg und Bayern 2015 nicht einmal jede zehnte Kommune die Grundsteuer erhöht hat, haben in Hessen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen jeweils mehr als die Hälfte der Städte und Gemeinden den Hebesatz heraufgesetzt. Bundesweit stieg der durchschnittliche Grundsteuerhebesatz im ersten Halbjahr 2015 um sieben Punkte von 358 auf 365 Prozent.

Dabei hat der Aufwärtstrend deutlich an Dynamik gewonnen: Während in den Jahren 2008 und 2009 jeweils gerade einmal vier Prozent der deutschen Kommunen den Hebesatz zur Grundsteuer B erhöhten, lag der Anteil im Jahr 2013 bei 16 Prozent. Wie stark die Dynamik ist, zeigt auch der längerfristige Vergleich: Im Zeitraum 2010 bis 2015 hatten zwei von drei deutschen Kommunen die Grundsteuer erhöht (64 Prozent), von 2005 bis 2010 nur 28 Prozent.

Grundsteuerhebesatz in Nordrhein-Westfalen am höchsten

In Nordrhein-Westfalen lag der durchschnittliche Grundsteuerhebesatz zur Jahresmitte 2015 bei 493 Prozent und damit 31 Punkte höher als noch Ende 2014. Am wenigsten verlangen die Kommunen in Schleswig-Holstein (311 Prozent) und Bayern (341 Prozent).

Der Anteil der Kommunen mit einem hohen bis sehr hohen Grundsteuerhebesatz (von 350 Punkten und mehr) hat sich zwischen 2005 und Mitte 2015 von 20 auf 67 Prozent mehr als verdreifacht. Gleichzeitig ging der Anteil der Städte und Gemeinden mit einem niedrigen Grundsteuerhebesatz von unter 300 Punkten von 21 auf sieben Prozent zurück.

Kommunale Schutzschirme zwingen zu Steuererhöhungen

Während in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen in den vergangenen fünf Jahren mehr als neun von zehn Kommunen mindestens einmal die Grundsteuer erhöht haben, liegt der Hebesatz in den meisten bayerischen Kommunen noch auf dem Niveau von 2010: Gerade einmal 22 Prozent haben seit 2010 die Grundsteuer erhöht.

Der durchschnittliche Hebesatz in Bayern stieg dabei gerade einmal um acht Punkte – in Hessen im gleichen Zeitraum hingegen um 126 Punkte (Nordrhein-Westfalen: 93 Punkte).

Vielerorts begründeten die Stadtverwaltungen die Steuererhöhung mit dem Beitritt der Stadt zu den kommunalen Schutzschirmen der jeweiligen Länder. Dies dürfte auch die starke Erhöhungsdynamik in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen erklären. Alle drei Bundesländer haben entsprechende Programme aufgelegt und knüpfen ihre Hilfe für notleidende Kommunen daran, dass diese einen eigenen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten.

In den meisten Fällen geschieht dies durch Anhebung der kommunalen Hebesätze. Dementsprechend sind weitere Steuererhöhungen zu erwarten und in den Haushaltsplänen vieler Kommunen bereits vorgesehen.

Deutschlands „teuerste“ Kommune ist Nauheim

Deutschlands „teuerste“ Kommune ist mit einem Grundsteuerhebesatz von 960 Prozent das hessische Nauheim. Unter den größeren Städten (ab 50.000 Einwohner) liegen Duisburg und Rüsselsheim mit Hebesätzen von 855 beziehungsweise 800 Prozent bundesweit an der Spitze.

Insgesamt hatten Mitte 2015 deutschlandweit 13 Städte und Gemeinde einen Grundsteuerhebesatz von 800 Prozent und höher. Ende 2014 waren es nur sieben.

Grundsteuerhebesätze von null Prozent weisen sechs Kommunen auf, darunter drei schleswigholsteinische Orte (Friedrichsgabekoog, Norderfriedrichskoog und Südermarsch), zwei rheinland-pfälzische Gemeinden (Mittelstrimmig und Riegenroth) sowie das baden-württembergische Büsingen am Hochrhein.

Methodik

Analysiert wurde die Entwicklung der Grundsteuer-B-Hebesätze und Gewerbesteuerhebesätze für alle deutschen Kommunen (ohne Stadtstaaten) im Zeitraum 2005 bis 2015. Stichtage waren jeweils der 31. Dezember (Ausnahme 2015: 30. Juni, also jüngste verfügbare Daten).

Die Angaben entstanden auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes („Hebesätze der Realsteuern“, „Änderungen von Realsteuerhebesätzen 1. Halbjahr 2015“). Anders als in den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes handelt es sich aber bei den von EY angegebenen Durchschnittshebesätzen der Bundesländer nicht um gewichtete Werte, sondern um den Durchschnittswert aller Gemeinden unabhängig von der Einwohnerzahl.

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Schlagworte zum Thema:  Grundsteuer, Kommunen

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