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Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Wenn es um neue Technologien und disruptive Veränderungen geht, gelten Immobilien- und Wohnungswirtschaft gemeinhin nicht als Vorreiter. Doch inzwischen ist Digital Real Estate salonfähig geworden - PropTech-Startups mischen die Branche auf, Investitionen in die Unternehmen steigen sprunghaft an. Und auch strukturell geht es voran: In Berlin wurde im Juni 2016 die "German PropTech Initiative" (GPTI) gegründet. 




PropTech: Definition eines neuen Begriffs

Nachdem bereits die Finanzbranche von FinTechs verändert wurde, die etwa algorithmisches Handeln für jedermann zugänglich machen wollen, oder seit InsureTechs den Versicherungen gezeigt haben, wie man Sofortversicherungen online per App abschließen kann, ist nun die Immobilienbranche in den Fokus von Unternehmern, Investoren und auch der Politik gerückt.

Property Technology - oder in der Kurzform auch PropTech oder Real Estate Tech genannt - steht in der Definition für moderne technologische Entwicklungen und Disruption. Außerdem gibt es noch den Begriff CREtech.

Real Estate Startups: Neue Geschäftsmodelle erobern den Markt

Auslöser der aktuellen Entwicklung war das Bestellerprinzip. Seit Juni 2015 muss in Deutschland nicht mehr der Mieter die Maklerkosten bezahlen, sondern derjenige, der den Vermittler beauftragt. Die neue Regelung hat vor allem Vermieter in Städten mit Wohnungsengpässen dazu veranlasst, auf Makler zu verzichten. PropTech-Startups streben nun in die entstandenen Lücken. Sie werben mit innovativen Technologien und versprechen Dienstleistungen zu günstigen Preisen.

Insgesamt steht die Startup-Szene noch ganz am Anfang des technologisch Möglichen, weshalb der Immobilienmarkt für Marktneueintritte, aber auch für die Unternehmensentwicklung etablierter Firmen ausreichend Möglichkeiten bietet, bevor es zu „Kannibalisierung“ und Kämpfen um Marktanteile kommen kann.

Die bisher aufgetretenen Friktionen entstehen dadurch, dass die meisten Startups etablierte Geschäftsprozesse digitalisieren oder optimieren wollen - die diversen Makler-Startups sind dafür die besten Beispiele. 

PropTech Deutschland: Die Zukunft der Immobilienwirtschaft

Die Zahl junger PropTech-Unternehmen ist zuletzt rasant angestiegen. Ende 2015 lag sie noch bei rund 70, inzwischen (Stand April 2017) sind es schon mehr als doppelt so viele.

Doch ob die Entwicklung Nachhaltigkeit verspricht, darüber sind Experten skeptisch - denn tatsächliche Innovationen gibt es bislang kaum. Und nicht wenige neu gegründete PropTechs sind genauso schnell wieder vom Markt verschwunden, wie sie aufgekommen sind. Aus akademischer Sicht ist die Immobilienwirtschaft ein noch relativ junges Forschungsgebiet, und an der Schnittstelle von Entrepreneurship und Real Estate existieren noch keine nennenswerten Forschungsergebnisse, die eine divergierende Überlebenswahrscheinlichkeit von Startups in der Immobilienbranche verglichen mit konventionellen Startups belegen könnten. Außerdem existiert keine Untersuchung für Prädiktoren für den spezifischen Unternehmenserfolg von PropTechs. Aus diesem Grund ist laut Harvard Business Review davon auszugehen, dass zirka 75 Prozent aller Neugründungen innerhalb der ersten drei Jahre ihr Geschäft aufgeben müssen.

Die meisten Publikationen sind semi-wissenschaftlicher Natur. Spannend sind jedoch Ergebnisse einer aktuellen ZIA-Studie, die aufzeigen, dass die Mehrheit (85 Prozent) der befragten etablierten Unternehmen der Meinung ist, das PropTechs deren Geschäft nicht gefährden, wohingegen die jungen Unternehmen der Überzeugung sind, dass sie einige der bekannten Akteure mit 62 Prozent redundant machen könnten.

Der PropTech Innovation Award, initiiert von Union Investment und dem German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) in Berlin, will diese Entwicklung gezielt fördern und zeichnet die besten Ideen aus.

Real Estate Technology: Innovation durch Digitalisierung

Das Future Real Estate Institute geht von sechs Makrotechnologien aus, welche die Immobilienwirtschaft nachhaltig prägen werden. Das sind die Künstliche Intelligenz, die Robotik, der 3D-Druck, die Synthetische Biologie, Blockchain und die Sensorik. Davon ausgehend entstehen Konzepte, wie etwa das Internet of Things oder das Smart Home beziehungsweise die Smart City.

Auch Technologien wie Neuromorphe Computer, Quanten Computer oder Mesh Netzwerke können die Entwicklung der oben genannten Technologien positiv beeinflussen. Das Internet könnte man ebenfalls als Makrotechnologie klassifizieren, jedoch ist dieses bereits omnipräsent und führt zu spannenden Konzepten wie dem Crowdinvesting, der Cloud, APIs, Big Data, Apps, SaaS oder neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

Ferner bieten Drohnen, die streng genommen der Robotik zuzuordnen sind, Virtual Reality sowie Augmented Reality und BIM, weitere spannende Geschäftsfelder in der Immobilienwirtschaft.

Property Tech: Tipps für etablierte Immobilienunternehmen

Wie kann ein etabliertes Immobilienunternehmen die neuen Technologien für sich nutzen?

  1. Die Firmen sollten sich mit den besagten Technologien auseinander setzen und versuchen, die Position an der Schnittstelle von Technologie und Immobilienwirtschaft zu füllen, sei es durch Kompetenzbildung oder durch externe Hilfe.
  2. Sie sollten zuvor angeeignetes Wissen auf ihre Geschäftsprozesse implementieren und sich fragen, wo mögliche Chancen für das Unternehmen liegen?
  3. Unternehmen sollten Probleme aufspüren, beispielsweise nicht-effiziente Kommunikationen oder zersplitterte, lückenhafte Datenablagen, und für diese Lösungen ausarbeiten, die technologischer oder auch nicht-technologischer Natur sein können.
  4. Hilfreich sind Zukunftsstrategien, die aufzeigen, wie die Geschäftsprozesse digitalisiert oder technologisch unterstützt werden können. Dabei sollten Unternehmen auch über neue Geschäftsbereiche in der digitalen Sphäre nachdenken, denn das Potenzial ist endlos.
  5. Unternehmen sollten alle Veränderungen in transparenter Weise kommunizieren. Dabei sollten die Mitarbeiter einbezogen werden und daran gedacht werden, dass Wandel nicht aufoktroyiert werden kann. Deshalb ist es sinnvoll, in kompetente, lernwillige und interessierte Mitarbeiter zu investieren, technologie-affine Personen einzustellen und flachere Hierarchien zu bilden.

(Autor: Viktor Weber, Future Real Estate Institute, und Haufe Online Redaktion)

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