ZIA-Innovationsbericht: Künstliche Intelligenz (KI) im Trend

Das Mindset der Immobilienbranche hat sich deutlich verändert, heißt es im ZIA-Innovationsbericht 2019: Das Wissen um die Einsatzmöglichkeiten von Technologie sei verbreiteter, Kooperationen zwischen PropTechs und Corporates haben zugenommen und Künstliche Intelligenz wird zum Trendthema.

Der mittlerweile dritte Innovationsbericht des Think Tank des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss enthält 16 Best-Practice-Innovationen. Vorgestellt wurde der Report auf dem Tag der Immobilienwirtschaft. Die Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Russo, Partner der Goetzpartners Management Consultants, hatte die diesjährigen Best-Practice-Innovationen aus 80 Bewerbungen ausgewählt.

"Die Vielfalt an innovativen Ideen, mit denen sich die Unternehmen befassen, ist bemerkenswert. ... Innovation ist in der Immobilienwirtschaft angekommen – und zwar über alle Unternehmensgrößen hinweg – von Startups über junge, kleinere Unternehmen bis hin zu den großen, etablierten Playern." Martin Rodeck, Vorsitz ZIA Innovation Think Tank

Schwerpunktthema Künstliche Intelligenz

In diesem Jahr kamen dem ZIA zufolge viele Bewerbungen aus den Bereichen "Prozessdigitalisierung" und "Blockchain". Technologien wie das Internet der Dinge (IoT), Sensorik und Robotik kommen inzwischen in Immobilienunternehmen immer häufiger zum Einsatz. Dem Thema künstliche Intelligenz (KI) hat der Bericht sogar ein eigenes Kapitel gewidmet.

Die Automatisierung des intelligenten Problemlösungsverhaltens habe in den vergangenen Jahren enorme Entwicklungssprünge gemacht, schreiben die Autoren Dr. Claudia Nagel (Managing Director, Kiwi.KI GmbH) und Michael Müller (Leader Real Estate & Construction, Deloitte GmbH). Das tatsächliche Potenzial für die Immobilienwirtschaft sei allerdings noch nicht absehbar. Der Grund: Eine Vielzahl von Anwendungsfragen seien noch unbeantwortet:

  • Wie "intelligent" können oder dürfen Maschinen sein und was bedeutet das für den Menschen?
  • Werden Roboter und Mensch auf Augenhöhe agieren oder sich die Verhältnisse gar umkehren?
  • Was sind die Chancen und Risiken dieser Technologie?

Die Künstliche Intelligenz birgt den Autoren zufolge Chancen, aber auch viele Risiken, vor allem hinsichtlich Cyber-Kriminalität, etwa dem Diebstahl sensibler Daten. Außerdem werde die Qualifizierung von KI-Spezialisten mit zunehmendem Einsatz der Technologie zum Engpassfaktor.

menschliche und Roboterhand zeigen auf Welt mit Binärcode
Robotergesteuerte Prozessautomatisierung bietet viele Möglichkeiten.

Zukunftsthema Nachhaltigkeit

Auch Nachhaltigkeit ist, ausgelöst durch die aktuelle Klimadebatte, wieder zu einem wichtigen Thema geworden. Der Handlungsdruck auf die Immobilienwirtschaft wachse, schreibt Dr. Daniel Holz, Geschäftsführer, SAP Deutschland SE & Co. KG und Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Digitalisierung, in seinem Vorwort zum ZIA-Innovationsbericht 2019.

Gebäude seien für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich. Durch den Einsatz intelligenter Technologien wie dem Internet of Things (IoT) werden Daten generiert, aus denen wiederum Immobilienlösungen entstehen, die Menschen, Gebäude und Geschäftsprozesse intelligent miteinander verbinden.

Wie eine durchdachte Kombination von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA; zu deutsch: Robotergesteuerte Prozessautomatisierung) mit Prozess-Know-How zu Effizienzverbesserungen führen kann, zeigt etwa das Best-Practice-Beispiel "ImmoInvoice" von Eucon und Union Investment, das eingehende Dokumente mittels KI validiert und automatische Vorschläge für die Weiterverarbeitung und Kontierung erstellt.

Eine ganz andere Möglichkeit ist klimagerechtes Bauen mit Holz-Hybrid-Systemen. In Anbetracht des Klimawandels müsse man sich fragen, wie man die Betonmenge zumindest verringern kann, schreibt Martin Rodeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Edge Technologies GmbH und Vorsitzender des ZIA-Innovation Think Tanks.

"Wäre die Zementindustrie ein Staat, so wäre sie heute mit bis zu 2,8 Milliarden Tonnen jährlich der drittgrößte Kohlendioxidemittierer der Welt nach China und den USA." Martin Rodeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Edge Technologies GmbH und Vorsitzender des ZIA-Innovation Think Tanks

Für das Holz-Hybrid-Projekt "Edge Suedkreuz" in Berlin etwa fallen laut Rodeck bis zu 80 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Quadratmeter Nutzfläche an als für ein vergleichbares Projekt in konventioneller Stahlbetonbauweise.

Edge Suedkreuz Berlin
Innovativ in Holz-Hybrid-Bauweise: Das Edge-Projekt Suedkreuz in Berlin.

ZIA-Innovationsbericht 2018: Sonderthema Smart-Meter-Technologie

Im zweiten Innovationsbericht 2018 kam der ZIA zu dem Schluss, dass vor allem der Bereich Smart Building auf dem Vormarsch sei. Sonderthema war die Smart-Meter-Technologie. Ausgwählt wurden im vergangenen Jahr 26 Best-Practice-Innovationen aus 80 Bewerbungen.

Im Bereich Smart Building wurde etwa die Zertifizierung der Vernetzung durch WiredScore als besonders zukunftsweisend bewertet. Das PropTech-Unternehmen hat ein internationales Bewertungssystem für die digitale Infrastruktur und die Konnektivität von Gewerbeimmobilien entwickelt. Zu den weltweit WiredScore-zertifizierten Gebäuden zählen auch das Empire State Building in New York. Die Jury hatte überzeugt, dass die Analyse der Konnektivität bei Büroimmobilien Transparenz in Bereichen schafft, wo bisher keine Transparenz war. Die Bedeutung der Konnektivität von Gebäuden wird im Rahmen der Digitalisierung der Branche überproportional steigen, hieß es in der Begründung.

Auch das Softwareunternehmen 21st Real Estate, das mit neuen Standards ein komplettes Online Trading auf nur einer Plattform anbietet, setzte sich durch: von Immobiliensuche über die Bewertung von Objekten bis zur Voraussage von Renditen wird alles angeboten. Die Jury hob vor allem den Beitrag von "Real Estate Online Trading 4.0" zur Steigerung der Transparenz im Transaktionsprozess hervor.

Die Entwicklung des Smart Metering in Deutschland hat lange gedauert, hieß es im Sonderkapitel des ZIA-Innovationsberichts 2018, nun beginne der flächendeckende Rollout: Die Immobilienwirtschaft habe die Chancen erkannt, die im intelligenten Messen und Steuern liegen. Ein Beispiel dafür sei  Kalo: Über die Bündelung des wettbewerblichen Messstellenbetriebs für Strom und Erdgas hinaus hat das Unternehmen zusätzlich das Submetering in die intelligenten Messsysteme integriert. Die Infrastruktur sei "hochsicher" über das Smart Meter Gateway, heißt es in der Beschreibung. Die Bündelung wird im Full-Service sowie als White-Label-Lösung für Messgeräte, Infrastruktur, Auslesung und Abrechnung angeboten.

Jury

Die Jury setzte aus folgenden Mitgliedern des ZIA-Innovation Think Tank zusammen: Dr. Manfred Alflen (Aareon), Eike Becker (Eike_Becker Architekten), Andy Dietrich (Strategiekollegen), Klaus Freiberg (Vonovia), Prof. Dr. Christian Glock (Technische Universität Kaiserslautern), Andreas Göppel (Noventic), Christof Hardebusch (Immobilienmanager), Dr. Thomas Herr (CBRE), Thorsten Krauß (Undkrauss), Gerald Kremer (Credit Suisse Asset Management), Peter Mösle (Drees & Sommer), Michael Müller (Deloitte Deutschland), Dr. Claudia Nagel (Kiwi), Martin Rodeck (Edge Technologies GmbH), Christian Schulz-Wulkow (EY Real Estate), Alexander Ubach-Utermöhl (Blackprintpartners) und Kai Zimprich (JLL).


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