Die Immobilienunternehmen sind auf einem guten Weg in Richtung Digitalisierung Bild: MEV Agency UG

Die etablierten Immobilienunternehmen treiben ihre Digitalisierung voran. Im Schnitt werden bereits fünf Prozent der Jahresumsätze in entsprechende Maßnahmen investiert. Das zeigt die zweite Digitalisierungsstudie des ZIA Zentralen Immobilien Ausschusses und EY Ernst & Young Real Estate. 77 Prozent aller befragten Unternehmen befinden sich bereits in der Entwicklungs- oder Etablierungsphase.

„An der Digitalisierung kommt heute kaum ein Akteur der Immobilienwirtschaft mehr vorbei“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei EY.

Wie die die zweite Befragung seit 2016 zur Digitalisierung zeige, seien erste Schritte mittlerweile getan, ergänzt Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter des ZIA und Vorsitzender der Geschäftsführung der OVG Real Estate in Deutschland: "Dennoch kann das nur ein Anfang sein.“

Digitale Exzellenz kommt überwiegend aus der PropTech-Szene

Bei den Unternehmen, die sich in der Etablierungs- beziehungsweise Entwicklungsphase befinden, geht die Digitalisierung der Studie zufolge über das reine Beobachten und Experimentieren mit isolierten Einzellösungen hinaus. Sechs Prozent der Befragten – überwiegend aus dem PropTech-Segment – zählen sich zur „digitalen Exzellenz“. Sie sind bereits vollständig digital aufgestellt.

Bei den PropTechs entfallen 62 Prozent des Jahresumsatzes auf Ausgaben für Digitalisierungszwecke.

Im europäischen Vergleich hingegen sieht sich die deutsche Immobilienwirtschaft selbstkritisch und überwiegend erst als durch­schnittlich oder gar unterdurchschnittlich fortgeschritten. Das gaben jeweils 46 Prozent der Befragten an.

Herausforderungen: Personal und digitale Strategie

Eine der größten Herausforderungen im Hinblick auf die digitale Transformation stellen für 72 Prozent der Befragten mangelnde personelle Ressourcen dar.

Der Trend Digitalisierung kollidiert den Studienautoren zufolge mit dem demogra­fischen Wandel und dem daraus folgenden Fachkräftemangel. Aufgrund der Digitalisierung ergeben sich zudem neue Berufsbilder in der Branche. "Hier konkurrieren wir mit anderen Wirtschaftssektoren im War for Talents“, sagt Rodeck. „Wir müssen die Attraktivität der Immobilienwirtschaft alle Young Professionals und Experten konstant steigern.“

-> REDI-Umfrage: 44 Prozent der Unternehmen weder eine Strategie zur Digitalisierung noch eine strategische Mitarbeiterfunktion geschaffen.

66 Prozent der Befragten sagten bei der Befragung für die Digitalisierungsstudie von ZIA und EY, dass es an einer unternehmensübergreifenden Digitalisierungsstrategie fehle. Eine mangelhafte Datenqualität und -struktur wurde von 65 Prozent der Befragten genannt. Über veraltete und nicht integrierte Software klagten 58 Prozent.

„Die digitale Transformation ist ganz klar Aufgabe für die höchste Ebene“, sagt Schulz-Wulkow.


Die digitale Transformation als Aufgabe der eigenen IT-Abteilung zu betrachten, sei kurzsichtig. Digitalisierung stelle ein Querschnittsthema dar, das alle Unternehmensbereiche betreffe unternehmensinterne Prozesse, Schnittstellen zu externen Dienstleistern, eigene Produkte und Dienstleistungen. Darüber hinaus müsse sich die Branche über ein klares Leitbild verständigen, ergänzt Rodeck: „Synergieeffekte von digitalen Technologien ergeben sich oft erst durch die Zusammenarbeit.“

-> Digitale Transformation leicht gemacht: In fünf Schritten zum Erfolg

Blockchain, KI und Robotik – Potenzial der Zukunft

Potenzial für die Gegenwart und die nahe Zukunft sieht ein überwiegender Teil der Umfrageteilnehmer im Einsatz mobiler Arbeitsgeräte (78 Prozent) und von Cloud-Technologien (74 Prozent).

„Smartphones und Clouds werden mittlerweile völlig intuitiv genutzt und finden ihren Platz auch in der Immobilienwirtschaft“, sagt Schulz-Wulkow.

Eher mittelfristiges Potenzial sehen die Befragten im Bereich Big Data / Data Mining / Data Analytics. Ein dafür grundlegendes Feld ist Smart Metering, ins­besondere zur Datengenerierung. Mittelfristiges Potenzial wird auch in der Virtual / Augmented Reality und im 3D-Druck gesehen.

„Die Immobilienbranche hat das Potenzial zwar erkannt, sich aber gerade erst aufgemacht, das dicke Brett zu bohren“, sagt Rodeck.

Potenzial für die eher ferne Zukunft sehen die Umfrageteilnehmer in der Blockchain-Technologie, der künstlichen Intelligenz (KI) und Robotics. Letztere kommen derzeit höchstens nutzergetrieben in Industrieimmobilien vor. Vorstufen von KI werden in Form von Chatbots in der Kundenkommu­nikation eingesetzt, ohne das volle Potenzial dieser Technologie zu entfalten. Als zeitlich am weitesten entfernt wird die Blockchain-Technologie bewertet.

„Vor allem Transaktionen und alle damit verbundenen Dienstleistungen dürften hiervon massiv disruptiert werden“, so Schulz-Wulkow.

80 Prozent erwarten Kosteneinsparungen durch Smart Metering

Technologien und Anwendungen, die an der Immobilie selbst ansetzen, sei es bei der Planung, beim Bau, im Betrieb oder bei der Transaktion, lassen sich unter „Smart Real Estate“ zusammenfassen. Beispiele sind Smart Metering, Predictive Maintenance, Sharing Economy, KI oder BIM. Den Befragten zufolge wird die digitale Transformation alle Nutzungsarten betreffen, aber vor allem Büroimmobilien.

Ein differenzierteres Bild ergibt die Befragung hingegen im Hinblick auf Vorteile und Herausforderungen.

  • Vom Einsatz von Smart Metering versprechen sich 80 Prozent der Umfrage­teilnehmer Potenzial zur Kostenreduktion.
  • Für 75 Prozent der Befragten kann die Implementierung von Robotics und KI zur Optimierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen bei­tragen.
  • BIM ermöglicht für 70 Prozent der Befragten erst die Auto­matisierung von Prozessen und ist für Kosteneinsparungen und die Belastbarkeit von Ent­scheidungen und Vorhersagen von großer Bedeutung.

Knapp 60 Prozent der Befragten sehen im Datenschutz eine große Herausfor­derung und eine Hürde für Smart Metering. Als größtes Hindernis für den Einsatz von KI und Robotics identifizieren 55 Prozent der Umfrageteilnehmer hohe Investitionskosten und 50 Prozent die notwendige Nutzer­akzeptanz.

Investoren, Projektentwickler und Planer am aktivsten

Haupttreiber der Digitalisierung sind der Umfrage zufolge Investoren, Projektentwickler und Planer. Bei diesen Akteuren wird die größte Ver­änderung der Geschäftsmodelle erwartet. Eine große Rolle spielt unter diesen Marktteilnehmern das Building Information Modeling (BIM) und die damit verbundenen Ver­ände­rungen in Entwicklung und Betrieb.

Asset Manager werden von 59 Prozent der Befragten als wesentliche Kraft angesehen. Technischen Gebäudedienst­leistern und Facility Managern wird eine ähnliche Rolle zugesprochen (58 Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Transformation, Immobilienwirtschaft

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