Statistisches Bundesamt: Die Deutschen leben immer großzügiger

Die Deutschen wohnen auf immer mehr Raum. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts sind Wohnungen im Schnitt knapp 92 Quadratmeter groß. Das macht 47 Quadratmeter pro Kopf und zwei Quadratmeter mehr als vor zehn Jahren. In den hochpreisigen Großstädten ist der Trend allerdings gegenläufig.

Noch bis 2018 ging der Trend in Deutschland eher zur kleineren Wohnung. Nun scheinen die Deutschen lieber wieder großzügiger zu wohnen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Ende 2019 hatten die Haushalte hierzulande im Schnitt 91,9 Quadratmeter Platz  egal ob Wohnung, Ein- oder Zweifamilienhäuser. Das macht 47 Quadratmeter pro Kopf. Damit ist die Fläche pro Wohnung seit 2010 um einen Quadratmeter und pro Kopf um zwei Quadratmeter gewachsen. Auch im Vergleich zu 2018 (46,7 Quadratmeter pro Kopf) hat die Wohnfläche noch einmal zugenommen, so die Behörde.

Auch zählten die Statistiker in Deutschland im vergangenen Jahr 277.400 Wohnungen mehr als noch ein Jahr zuvor: 42,5 Millionen Wohneinheiten standen zur Verfügung. 0,7 Prozent mehr als 2018 und fünf Prozent mehr als 2010. Da großzügig geplant wurde, wuchs die Fläche des Wohnungsbestands um 6,2 Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Quadratmeter.

Wo die Mieten teurer sind, geht es auch beengter zu

Einen gegenläufigen Trend gibt es in den Ballungsräumen: Dort, wo große Wohnungen knapp und angesichts hoher Mieten teuer sind, geben sich viele Mieter bei Neuverträgen mit weniger Fläche zufrieden, beruft sich das Bundesamt auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Auch laut IW Köln ist die Wohnfläche pro Kopf in Deutschland seit der Wiedervereinigung kontinuierlich gestiegen, allerdings gibt es Unterschiede zwischen Bestands- und Neuvertragsmietern: In den 1990er und 2000er Jahren lag die durchschnittliche Wohnfläche der Neuvertrags- und Bestandsmieter noch nah beieinander und entwickelte sich weitgehend parallel. Seit 2010 sank die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf in den Haushalten mit einem neuen Mietvertrag. Neuvertragsmieter beziehen den Wissenschaftlern zufolge in zunehmendem Maß relativ zur Zahl der Haushaltsmitglieder kleinere Wohnungen. Lag die Wohnungsgröße bei Bestandsmietern beispielsweise im Jahr 2018 noch bei durchschnittlich 49,5 Quadratmetern pro Kopf, waren es bei Neuvertragsmietern nur 45,6 Quadratmeter.

Zwischen 2015 und 2018 schrumpften die Wohnungsgrößen stetig

Noch im Jahr 2018 kam eine Studie von Geomap zu dem Schluss, dass in Deutschland der Trend zur kleineren Wohnung gehe  und das bei steigenden Kaufpreisen. Untersucht wurden die Angebote für neue Wohnungen in den 16 deutschen Landeshauptstädten zwischen 2015 und 2018. Demnach sank die durchschnittliche Wohnungsgröße von 99 auf rund 95 Quadratmeter, während die Preise um etwa 16 Prozent stiegen. Als Grund gaben die Studienautoren zum einen die steigende Zahl der Single-Haushalte an, die meist weniger Wohnfläche benötigen, zum anderen die Ambitionen der Käufer, bei steigenden Preisen die richtige Balance zwischen Lage, Preis und Größe zu finden.

Die durchschnittliche Wohnungsgröße in den Städten sank laut Geomap im untersuchten Zeitraum um fünf Prozent. In einzelnen Regionen um Bremen, Hannover, Erfurt, Wiesbaden, Stuttgart und München herum ermittelten die Researcher wiederum einen Anstieg der durchschnittlichen Wohnungsgröße um teilweise mehr als fünf Prozent. Die regionalen Unterschiede erwiesen sich als enorm: So sank etwa in Kiel die durchschnittliche Wohnungsgröße um 16,7 Prozent in Stuttgart stieg sie um 14,7 Prozent.

Entwicklung der durchschnittlichen Wohnungsgrößen von 2015 bis 2018

LandeshauptstadtEntwicklung
Wohnfläche
Wohnfläche
2015
Wohnfläche
2018
Berlin- 9,6 %104,6 qm94,6 qm
Bremen+2,5 %88,5 qm90,7 qm
Dresden- 3,0 %106,9 qm103,8 qm
Düsseldorf- 3,9 %122,5 qm117,7 qm
Erfurt+ 2,5 %97,9 qm100,4 qm
Hamburg- 0,9 %95,8 qm94,9 qm
Hannover+ 4,3 %105,6 qm110,2 qm
Kiel- 16,7 %110,9 qm84 qm
Magdeburg- 16,3 %120,4 qm100,8 qm
Mainz- 9,3 %104,4 qm94,7 qm
München+ 1,1 %95 qm96,1 qm
Potsdam- 6,9 %107 qm99,7 qm
Saarbrücken- 7,2 %115,5 qm107,1 qm
Schwerin+/- 0,0 %104,2 qm104,2 qm
Stuttgart+ 14,7 %109 qm125 qm
Wiesbaden+ 13,8 %104,5 qm118,9 qm

Quelle: Geomap GmbH

Die Kaufpreise sind laut Geomap zwischen 2015 und 2018 in allen 16 Landeshauptstädten gestiegen.  Spitzenreiter war Wiesbaden mit einem Anstieg von 46,7 Prozent, während in Kiel die Preise nur um 2,4 Prozent gestiegen sind. Deutschlandweit zogen die Preise im Schnitt um knapp 16,3 Prozent an.


Das könnte Sie auch interessieren:

Neue Mieten werden teurer – machen Wohnen aber nicht zum Luxus

dpa
Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Wohnfläche