Umfrage: Das "urbane Dorf" – Wohntrend der Zukunft?

Die Wünsche beim Wohnen ändern sich laufend. Was gerade so im Trend ist, dazu gibt es einige Studien. Laut einer aktuellen Umfrage ist das "urbane Dorf" im Kommen: Gefragt sind alle Vorteile der Stadt plus mehr soziale Nähe – und das draußen im Grünen. Die Quartiersentwicklung ist herausgefordert.

Grün, großzügig, preisgünstig und mit guten Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten? Alle Vorteile der Stadt, aber bitteschön draußen auf dem Land? Das klingt wie die Quadratur des Kreises, aber das ist es, was die Deutschen derzeit offenbar wünschen, wie eine Umfrage zur Studienreihe "Zukunftsfit Bauen und Wohnen" des Hamburger Immobilienfinanziererungsvermittlers Baufi24 ergab. Das "urbane Dorf" könnte der Wohntrend der Zukunft sein, heißt es da.

Für die repräsentative Umfrage wurden im Frühjahr 2021 von der Wiener Measury Sozialforschung AG im Auftrag der Baufi24-Gruppe 1.000 Deutsche online zu ihren Wohnwünschen befragt.

Wohntrend: Was charakterisiert das "urbane Dorf"?

Charakteristisch für das "urbane Dorf" sind laut Baufi24 gemeinsam genutzte Freiflächen, kurze Wege, funktionierende Nachbarschaftsnetzwerke und ein generationsübergreifender Zusammenhalt. 

"Der Wohntrend des urbanen Dorfs kombiniert auf smarte Weise die Vorteile der Stadt mit denen des Landes." Baufi24-CEO Tomas Peeters

92 Prozent der Teilnehmer finden Wohngegenden attraktiv, wenn es einen Garten gibt und um das Haus herum viel Freiraum im Grünen. Das lässt sich auf dem Land leichter verwirklichen als in der Stadt. 76 Prozent der Befragten finden es zudem von Vorteil, die Nachbarschaft zu kennen. Von der Anonymität der Stadt als Vorteil sind nur noch knapp die Hälfte der Großstädter (52 Prozent) überzeugt. Weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent) wünscht sich mehr Privatsphäre.

Vor allem die Generation Y will auf dem Land wohnen

Die große Mehrheit (88 Prozent) der befragten Städter wäre laut Umfrage dazu bereit, aufs Land zu ziehen, vorausgesetzt, die Vorzüge der Stadt sind dort gegeben. Dabei nannten die meisten (62 Prozent) der Befragten, dass für sie eine schnelle Internetverbindung unabkömmlich sei – urban ist ein Dorf demnach dann, wenn die Bewohner "digital mit der Welt verbunden bleiben", heißt es in der Umfrage. Eine hohe Wohnqualität (59 Prozent), niedrige Wohnkosten (58 Prozent) und eine gute Verkehrsanbindung (45 Prozent) standen ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste.

Die Kompromissbereitschaft in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen ist noch größer: 93 Prozent der Studienteilnehmer der sogenannten Generation Y würden ihren Lebensmittelpunkt aufs Land verlagern, vor allem dann, wenn die Wohnqualität stimmt – die halten mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der jungen Deutschen für das wichtigste Kriterium.

Fazit: Das "urbane Dorf" funktioniert auch in der Stadt

Wer aufs Land zieht schätze vor allem die Natur, die Freiräume zur Selbstentfaltung und die aktive Gemeinschaft vor Ort, lautet ein Fazit aus der Umfrage. Mit einem funktionierenden Internet sind attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze und Einkaufsmöglichkeiten auch auf dem Land verfügbar.

Stadt- und Quartiersentwickler können das "urbane Dorf" aber auch in der Stadt schaffen: Das sind Quartiere, die weniger anonym, grüner und lebendiger sind als der Rest der Stadt. Das heißt, es muss Platz geschaffen werden für Freiräume und Einrichtungen, die von den Anwohnern gemeinsam genutzt werden können, damit die Nachbarn leichter in Kontakt kommen können. Geschäfte, Büros und andere Einrichtungen müssen so geplant werden, dass sie in kurzer Zeit zu Fuß oder per Rad erreichbar sind, damit mitten in der Stadt ein dörflicher Charakter entsteht.

Die Baufi24-Umfrage "Das urbane Dorf" (pdf) enthält neben den Umfrageergebnissen auch Best-Practice-Beispiele und Experten-Tipps. Es handelt es sich um den zweiten Teil einer Studienserie. Teil eins hatte den Studientitel "Klein und modular wohnen: flexibel sein ist der neue Plan" (pdf).


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Stadtentwicklung