Babyboomer vor der Rente: Wie das Wissen wahren?
Die Babyboomer, geboren zwischen Mitte der 1950er und Ende der 1960er Jahre, sind bereits im Ruhestand oder erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter.
Zahlen, Daten, Fakten
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden in den nächsten zehn Jahren pro Jahr durchschnittlich 1,21 Millionen Beschäftigte dieser Altersgruppe den Arbeitsmarkt verlassen. Das entspricht jährlich rund 2,7 Prozent der Gesamtbeschäftigten, mit einem Höhepunkt von etwa drei Prozent zwischen 2030 und 2032.
Auch die Wohnungswirtschaft bleibt davon nicht verschont. Überträgt man diese Quote auf die rund 76.000 Beschäftigten in den im GdW organisierten Wohnungsunternehmen, werden in der kommenden Dekade jährlich etwa 2.000 Mitarbeitende in den Ruhestand gehen.
Das hört sich zunächst einmal viel an, verteilt sich aber auf 2.715 Unternehmen in ganz Deutschland, die insgesamt etwas mehr als sechs Millionen Wohnungen bewirtschaften. Aus den Zahlen des GdW lässt sich ableiten, dass diese Unternehmen im gesamtdeutschen Durchschnitt zur Bewirtschaftung von je 500 Wohneinheiten 6,3 Mitarbeitende beschäftigen. Davon 3,2 Angestellte in Vollzeit, 1,5 in Teilzeit und 1,6 gewerbliche Mitarbeitende. Ein Unternehmen mit 3.000 Wohneinheiten beschäftigt demnach etwa 38 Personen – statistisch (2,7 Prozent) wird hier pro Jahr ein/e Mitarbeitende/r in Rente gehen.
Wissenstransfer proaktiv vorbereiten
Der erste Schritt zur proaktiven Vorbereitung ist ein klarer Überblick über die Personalsituation im eigenen Unternehmen. Wie viele Babyboomer sind beschäftigt, wann erreichen sie das Regelrentenalter, und welche Pläne haben sie für vorzeitigen Ruhestand oder reduzierte Arbeitszeit im Vorfeld? Welche Stellen sind betroffen, und sollen neu besetzt werden?
Sind diese Informationen bekannt, lässt sich überlegen, welches Wissen und welche Kompetenzen jedes ausscheidende Teammitglied besitzt, die für das Unternehmen wertvoll sind. Dazu gehören Kenntnisse über den Gebäudebestand, interne Prozesse und Strukturen, Abläufe, Verbindungen zu Geschäftspartnern und vieles mehr. Auch besondere Fähigkeiten können verloren gehen, wenn ihr Erhalt nicht frühzeitig geplant wird.
Wissen und Kompetenz sichern, Generationen verbinden
Abhängig von den Ergebnissen der Vorbereitung kann dann ein geeigneter Maßnahmenmix konzipiert werden, um den Generationenwechsel so zu gestalten, dass sowohl Wissen konserviert als auch die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt gefördert wird:
Digitalisierung als Wissensspeicher
Digitale Systeme für Bestands- und Portfoliomanagement (wie zum Beispiel das Tool IGISsix) sind entscheidend, um Wissen dauerhaft zu sichern. Technisches Know-how über den Zustand von Gebäuden bis hin zu den Bauteilen, über durchgeführte Baumaßnahmen in der Vergangenheit und geplante Maßnahmen in der Zukunft, das häufig "nur" im Kopf oder in persönlichen Aufzeichnungen von erfahrenen Mitarbeitenden vorhanden ist, kann in zentralen Datenbanken dokumentiert werden.
So sind Informationen jederzeit abrufbar, neue Kolleginnen und Kollegen können sich schnell einarbeiten und das Risiko von Wissensverlust bei Pensionierungen wird minimiert. Zusätzlich erleichtert die Digitalisierung die Vernetzung von Fachbereichen, sodass unterschiedliche Teams auf einheitliche Informationen zugreifen können.
Dokumentation von Kernprozessen
Viele Arbeitsschritte, die erfahrene Mitarbeitende "aus dem Effeff" beherrschen, müssen junge Kolleginnen und Kollegen erst erlernen. Umgekehrt bringen jüngere Mitarbeitende neue Ansätze und digitale Kompetenzen ein. Deshalb ist eine systematische Dokumentation der Kernprozesse sinnvoll: Handbücher, Checklisten, Standardarbeitsanweisungen oder auch Video-Tutorials helfen, den Wissensstand festzuhalten und langfristig verfügbar zu machen.
Zeit und Raum für Austausch
Erfahrungstransfer funktioniert nur, wenn ausreichend Gelegenheit für Kommunikation besteht. Unternehmen sollten hierfür gezielt Austauschformate schaffen, in denen nicht nur Fachthemen besprochen werden, sondern auch soziokulturelle Themen adressiert werden können. Auch kleine, regelmäßige Besprechungen können helfen, dass Erfahrene ihr Wissen weitergeben und Jüngere Fragen stellen, ohne dass der Tagesbetrieb darunter leidet.
Solche Austauschgelegenheiten stärken zudem das gegenseitige Verständnis der Generationen und fördern ein wertschätzendes Miteinander. Für größere Unternehmen eignen sich dafür auch spezielle Mentoring-Programme für den gezielten Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen.
Generationenübergreifende Führung
Führung im Wandel bedeutet, dass Teams aus unterschiedlichen Altersgruppen erfolgreich geleitet werden. Dabei müssen Führungskräfte lernen, die Stärken beider Generationen zu nutzen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und die Arbeitskultur anzupassen.
Ältere Mitarbeitende benötigen gegebenenfalls Unterstützung bei neuen digitalen Tools, jüngere brauchen Orientierung in komplexen Prozessen und Strukturen. Unternehmen sollten Führungskräfte durch Schulungen, Coaching oder Erfahrungsaustausch gezielt auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereiten.
Überschneidungszeiten einplanen
Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die Planung von Überschneidungszeiten. Wenn erfahrene Mitarbeitende in Rente gehen, sollte die Nachfolge bereits einige Monate vorher eingearbeitet werden. So können Aufgaben, Projekte und Fachwissen schrittweise übergeben werden, ohne dass operative Engpässe entstehen.
Fazit: Wandel als Chance
Der bevorstehende Ruhestand der Babyboomer ist kein Schreckensszenario; er ist eine gestaltbare Entwicklung und bedeutet für Wohnungsunternehmen: rechtzeitig vorbereiten und planen, Wissen sichern, Brücken zwischen den Generationen bauen.
Mit digitaler Unterstützung, Mentoring und einer Kultur des Austauschs können Unternehmen nicht nur den Verlust abfedern, sondern auch neue Impulse nutzen. Denn der Generationenwechsel birgt auch Chancen: Jüngere bringen frische Ideen, digitale Affinität und andere Werte mit. In Kombination mit der Erfahrung der Älteren entsteht ein Mehrwert, der die Branche für die Zukunft stärkt. Die Wohnungswirtschaft kann damit den demografischen Wandel nicht nur bewältigen, sondern aktiv nutzen – als Motor für Innovation, Zusammenarbeit und nachhaltigen Erfolg.
Dieser Beitrag stammt aus dem Fachmagazin DW Die Wohnungswirtschaft Ausgabe 11/2025.
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