Zwischen Leerstand und Wohnraummangel
Herr Fietzek, Sie sind nicht nur Verbandsratsvorsitzender, sondern auch Vorstand der Lebensräume Hoyerswerda eG. Kommen die Probleme der ostdeutschen Wohnungswirtschaft in der bundesweiten Diskussion zu kurz?
Axel Fietzek: Wir haben einen sehr heterogenen Wohnungsmarkt, mit differenzierten Problemlagen, die sich teilweise um 180 Grad voneinander unterscheiden. Aktuell dominieren in den Medien Worte wie "Wohnraummangel" und "Wohnungsnot". Dass wir in Ostdeutschland Gegenden haben, die diese Themen gar nicht im Fokus haben, die mit Strukturproblemen und Leerstand zu kämpfen haben, scheint manchmal vergessen zu werden.
Wenn man es auf die Bundesrepublik hochrechnet, haben wir gar kein Wohnungsmangelthema, sondern vielleicht sogar einen statistisch ausgeglichenen Wohnungsmarkt. Aber die Wohnungen stehen am falschen Ort leer.
Es ist übrigens nicht nur ein ostdeutsches Thema. Ich hatte auch Gespräche in Berlin, beim Verbandstag, wo mir Kollegen aus Westdeutschland, zum Beispiel aus dem Saarland, sagten: "Wir haben genau dasselbe Problem."
Die komplette L'Immo-Folge mit Gastgeberin Iris Jachertz und Axel Fietzek |
Wirtschaftliche Herausforderungen durch niedrige Mieten
Wie kann der Spagat zwischen Leerstand in strukturschwachen Gebieten und Wohnraummangel in westdeutschen Ballungszentren gelingen?
Ich höre immer wieder: "Man kann den Menschen doch nicht vorschreiben, wo sie wohnen sollen." Natürlich nicht. Wir können niemanden dazu zwingen, nach Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder in andere strukturschwache Regionen zu ziehen. Aber wir können Anreize schaffen und zeigen, dass die Bedingungen in diesen Regionen, die oft als abgehängt wahrgenommen werden, gar nicht so schlecht sind.
Das ist auch eine Aufgabe, die wir uns selbst stellen als strukturschwache Region. Ich glaube, wir müssen die Chancen erkennen und diese sichtbar machen.
Die niedrigen Mieten im Osten machen die Situation der Wohnungswirtschaft allerdings eher kompliziert. Einerseits reichen diese Mieten nicht aus, um dauerhaft den Bestand zu erhalten. Der Aufwand, um ein Gebäude CO2-neutral zu machen, ist in Sachsen genauso hoch wie in München. Andererseits ist es bei diesem Mietniveau, das wir ausgehend von der Kaufkraft im Markt erzielen können, kaum möglich, signifikanten Neubau zu errichten.
Dabei ist Neubau notwendig. Allein durch die Sanierung von Bestandsobjekten lässt sich keine Attraktivitätssteigerung erreichen. Neubauten setzen ein wichtiges Signal: Hier passiert etwas Neues. Das ist für uns als Genossenschaft ein entscheidender Punkt.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für die Wohnungswirtschaft?
Nachhaltigkeit ist kein ideologisches Thema, es gibt aufgrund der energiepolitischen Weichenstellungen eine wirtschaftliche Notwendigkeit, die Bestände umzugestalten.
Natürlich habe ich Verständnis für Kollegen, die um das Überleben kämpfen und sagen: "Ich habe heute erst einmal ganz andere Probleme". Wenn ich um das Überleben kämpfe, frage ich nicht, ob ich ein energetischer Musterschüler bin, sondern es geht erst einmal darum, dass ich überhaupt in die Lage versetzt werde, Maßnahmen umzusetzen.
Deshalb müssen wir neue Wege gehen, weg von der reinen effizienzgesteuerten Umgestaltung der Gebäude. Ein Beispiel ist die Fernwärmeversorgung in der Lausitz, die aktuell noch auf Braunkohle basiert. Ich kann sanieren, ich kann dämmen, und ich kann Energie einsparen. Nur wenn ich in meine Fernwärmeleitungen andere Fernwärme einbringe, die weniger CO2 emittiert, komme ich dem eigentlichen Ziel näher. Solange sich hier nichts ändert, bleibt die CO2-Belastung hoch.
Redaktionell bearbeiteter Ausschnitt aus dem L’Immo‑Podcast mit Axel Fietzek.
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