Von Null auf Zukunft
Frau Gresch, gestartet ist Hubitation als interne Initiative der Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW). Welche Meilensteine haben Sie seitdem erreicht?
Frieda Gresch: Ein entscheidender Meilenstein war die Öffnung für andere Wohnungsunternehmen. Dadurch bekommen teilnehmende Startups Zugang zu einem größeren Netzwerk und es können viele verschiedene Themen umgesetzt werden. Seit einigen Jahren führen wir außerdem Wowi-Challenges durch. Dabei definiert ein Wohnungsunternehmen eine konkrete Herausforderung, und wir suchen gezielt nach passenden Lösungen.
Anfangs haben wir noch breit nach Ideen für das Wohnen und Arbeiten von morgen gesucht, heute gehen wir sehr fokussiert vor: Die Unternehmen bestimmen die Herausforderungen, stellen Budget und Personal bereit, und wir sprechen Lösungsanbieter an, die zu den Themen passen. So können Projekte effizient umgesetzt werden. Wir konnten auch die Sichtbarkeit der Initiativen steigern: Heute präsentieren wir Startups und Projekte auf der Bühne bei der Expo Real.
In den vergangenen Jahren haben wir rund 60 Pilotprojekte umgesetzt, etwa ein Drittel davon wurde vollständig ausgerollt. Nicht alle geplanten Projekte lassen sich am Ende umsetzen – das hat unterschiedliche Gründe. Zwei Drittel der Projekte, die in die Pilotierung gehen, verlaufen erfolgreich. Aus Erfahrung mit den Startups ist das eine sehr gute Quote.
Die komplette L'Immo mit Gastgeberin Iris Jachertz
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Wohnungswirtschaft und Startups: Ziemlich beste Freunde?
Herr Jung, wie bringt man Startups, Wohnungsunternehmen und Ideen so zusammen, dass alle davon profitieren?
Sebastian Jung: Das ist eine sehr interessante Dynamik. Ich komme ursprünglich aus der Automobilbranche, dort gab es ebenfalls großen Veränderungsdruck – zum Beispiel während des Dieselskandals bei VW. In der Automobilindustrie kann man Veränderungen vergleichsweise einfach über die Bilanzposition "Research & Development" steuern: Man investiert gezielt, und daraus entstehen Innovationen.
In der Wohnungswirtschaft gibt es eine solche direkte Bilanzposition in der Regel nicht. Trotzdem sind die Einflussfaktoren ähnlich stark: Mangel an Wohnraum, Fachkräftemangel, hohe Baupreise – alles Faktoren, die großen Veränderungsdruck erzeugen.
Was für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft spricht: Viele Startups beschäftigen sich täglich mit den Herausforderungen der Branche, entwickeln eigenständig Lösungen und tragen diese an die Unternehmen heran. Nun muss die Wohnungswirtschaft lernen, systematisch auf diese externen Lösungen zuzugreifen.
Ursprünglich hat Frieda das nur für uns umgesetzt. Als andere Wohnungsunternehmen gesehen haben, wie es funktioniert, kam die Idee auf, das Netzwerk gemeinschaftlich zu nutzen. Heute ist Hubitation im Wesentlichen eine Institution, auf die alle Beteiligten gleichzeitig zugreifen können, um Innovationsprojekte effizient und branchenübergreifend umzusetzen.
KI in Wohnungsunternehmen: Die Strategie zählt
Derzeit ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Wie können Wohnungsunternehmen die Technologie sinnvoll nutzen?
Jung: In der Wohnungswirtschaft entwickeln sich Digitalisierung und KI sehr unterschiedlich. Viele Unternehmen stecken noch in laufenden Projekten oder Modernisierungen, sodass neue KI-Initiativen oft erst später umgesetzt werden. Rund drei Viertel der KI-Projekte werfen derzeit keinen direkten ROI ab.
Hinzu kommen Datenschutzanforderungen, und KI arbeitet auf Wahrscheinlichkeiten – ein Chatbot kann bei gleichem Input unterschiedliche Ergebnisse liefern. Unternehmen müssen deshalb sorgfältig prüfen, welche Prozesse automatisierbar sind, wo die Technologie zuverlässig funktioniert und welche Use Cases tatsächlich einen Mehrwert bringen.
Gresch: Gleichzeitig eröffnet KI große Chancen, besonders für Prozessoptimierungen, Bau- und Verwaltungsabläufe oder Services für Mietenden. Menschlicher Kontakt bleibt unverzichtbar, insbesondere in der Betreuung von Wohnraum. Strategisch geplante KI kann Abläufe effizienter gestalten, wenn Unternehmen Potenziale erkennen, Strukturen schaffen und Mitarbeitende auf dem Weg mitnehmen.
Wichtig ist, die Technologie zu verstehen, realistische Anwendungsbereiche zu definieren und sie als Werkzeug zu nutzen, das echte Verbesserungen ermöglicht, ohne dass Mitarbeitende oder Prozesse als Bedrohung wahrgenommen werden.
Das ist ein Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Frieda Gresch und Sebastian Jung.
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