Auf dem Land droht wachsender Leerstand – das IW Köln fordert hier Baukindergeld nur für Bestandsimmobilien Bild: Michael Bamberger

Im Jahr 2016 kauften etwa 600.000 Haushalte ihre erste Wohnimmobilie. 2013 waren es noch knapp 800.000. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Der Trend betrifft vor allem die Städte: Dort lag der Anteil der Ersterwerber im Untersuchungszeitraum nur bei 1,2 Prozent. Auf dem Land waren es zuletzt 1,8 Prozent. IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer fordert, Baukindergeld in strukturschwachen Regionen nur für Bestandsimmobilien auszuzahlen.

Den Grund dafür, dass immer weniger Mieter Eigentümer werden, sieht das IW in den hohen Erwerbsnebenkosten. Eine steigende Grunderwerbsteuer damit nehmen die Länder Rekordsummen ein und die hohen Notar- und Maklergebühren würden von der anhaltenden Niedrigzinsphase nicht ausgeglichen, meint das IW. Immobilienkäufer brauchen demnach in Deutschland mehr Ersparnisse als in anderen europäischen Ländern.

Auch das neue Baukindergeld, das Familien beim Immobilienkauf unterstützen soll, dürfte daran wenig ändern: Es setze die falschen Anreize. Auch wird der Betrag dem IW zufolge kaum ausreichen: Je nachdem, ob beim Baukindergeld auch Kinder berücksichtigt werden, die nach dem Hauskauf auf die Welt kommen, prognostiziert die IW-Studie alleine für diese Legislaturperiode einen Finanzierungsbedarf von 3,25 bis 3,91 Milliarden Euro. Steigt die Zahl der Ersterwerber wieder an, liegen die Kosten entsprechend höher.

Voigtländer: Baukindergeld in strukturschwachen Regionen nur für Bestandsimmobilien

"Es besteht die Gefahr, dass vor allem der Neubau in strukturschwachen Gebieten angekurbelt wird, weil das Baukindergeld dort einen höheren Teil des Kaufpreises ausmacht", sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Um den Leerstand in diesen Regionen nicht zu vergrößern, sollte das Geld in strukturschwachen Regionen nur ausgezahlt werden, wenn eine bestehende Immobilie erworben wird, fordert der IW-Wissenschaftler.

Er sieht effektivere Alternativen, um Wohneigentum zu fördern: So könnte das umstrittene Bestellerprinzip für Immobilienkäufe den Preiswettbewerb unter Maklern verstärken. Außerdem sollte die Grunderwerbsteuer so reformiert werden, dass Käufer von günstigeren Immobilien entlastet, die von luxuriösen Immobilien dagegen stärker belastet werden.

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Schlagworte zum Thema:  Studie, Wohnimmobilien, Erwerber, Immobilienkauf

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