Watt fürs Geld
Herr Weinert, wie können Immobilieneigentümer und Investoren am besten in Mieterstrommodelle für Mehrfamilienhäuser einsteigen?
Christian Weinard: Wir bei Hager unterstützen die Wohnungswirtschaft bei der Standardisierung oder Harmonisierung von Bestandsgebäuden oder beim Neubau. Auch bei der Ertüchtigung der Energieverteilung stehen wir zur Seite. Außerdem bieten wir ein großes Netzwerk aus Installateuren, Planern und Fachleuten für technische Gebäudeausrüstung.
Dabei haben wir immer den Gesamtblick, den "Total Cost of Ownership", um die Energieverteilung zukunftsfähig aufzubauen und neu zu strukturieren. Beim Mieterstrom geht es auch darum, dass Eigentümer die Wirtschaftlichkeit kennen: Wann amortisiert sich das Projekt? Für die Wohnungswirtschaft haben wir eine eigene Website eingerichtet, auf der alle Informationen und ein direkter Link zur Wirtschaftlichkeitsanalyse zu finden sind.
Die komplette L'Immo-Folge mit Gastgeber Jörg Seifert, Christian Weinard und Christoph Moossen |
Mieterstrom: Bürokratische Hürden überwinden
Herr Moossen, auf dem Weg zum Mieterstrom gibt es viele bürokratische Hürden. Wie haben Sie als Genossenschaft versucht, diese abzubauen und den Prozess von Planung bis Abrechnung effizient zu gestalten?
Christoph Moossen: Unser Ziel war von Anfang an, Mieterstrom unkompliziert und unbürokratisch umzusetzen. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Meilensteine. Wir haben früh Partner gesucht, da das Fachwissen nicht allein im Unternehmen vorhanden war, und so strategische Partner gefunden, um etwa das Thema Abrechnungsdienstleistungen aufzubauen. Gleichzeitig haben wir uns stetig mit den Mietern weiterentwickelt.
Vor anderthalb Jahren haben wir monatliche Jour-Fixe-Termine eingeführt, um kaufmännische Abläufe und technische Prozesse zu verbessern. Auf diesem Weg sind noch weitere Partner hinzugekommen, etwa Messstellenbetreiber, Energieunternehmen und Dienstleister, die den Prozess begleiten und liefern. Komplett alle Hürden beseitigen geht jedoch nicht, da vieles kleinteilig ist und wir auf die Mitwirkung der Verteilnetzbetreiber angewiesen bleiben. Trotzdem haben wir gelernt, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Schritt für Schritt voranzukommen.
Lohnt sich Stromspeicherung im Mieterstrom?
Herr Weinert, Herr Moossen, lohnt sich Stromspeicherung aktuell, oder ist es sinnvoller, Strom ins Netz einzuspeisen?
Weinard: Einspeisung ins Netz macht heute kaum noch Sinn. Vor 25 bis 30 Jahren gab es für Volleinspeisung noch 0,45 bis 0,50 Euro pro Kilowattstunde, heute nur noch etwa 0,08 bis 0,10 Euro. Der Sinn von Mieterstrom ist, diesen Wert zu vervielfachen: Der Mieter zahlt für den Strom rund 0,28 bis 0,29 Euro, so wird die Energiewende vorangetrieben und PV-Strom wirtschaftlich genutzt.
Eigenverbrauch steht klar im Fokus. Es gibt verschiedene Modelle: Mieterstromanlagen können mit Stromspeichern ausgestattet werden, um den Eigenverbrauch zu erhöhen oder Notstrom bereitzustellen. Wir haben Projekte umgesetzt, bei denen auch große Energiespeicher integriert sind. Außerdem lassen sich Ladeinfrastruktur und unterschiedliche Messkonzepte in die Anlagen einbinden.
Moossen: Ich stimme zu: Einspeisung ins Netz lohnt aktuell wenig. Deshalb nutzen wir so viel wie möglich des erzeugten Stroms direkt im Haus. Das Thema Speicher haben wir mehrfach durchgerechnet, im Moment lohnt es sich für uns noch nicht, daher setzen wir aktuell nicht darauf. Wir verfolgen das aber weiterhin, prüfen regelmäßig technische Möglichkeiten und Entwicklungen, auch in Abstimmung mit Partnern, die den Prozess begleiten. Das heißt aber nicht, dass sich das in der Zukunft nicht ändern kann.
Grundsätzlich sieht unser Business Case vor, dass sich das Mieterstromprojekt nach fünf bis sieben Jahren amortisiert hat. Wir sind jetzt knapp drei Jahre unterwegs, liegen voll im Zeitplan und teilweise sogar leicht darüber.
Dies ist ein Auszug aus dem Podcast mit Christian Weinard und Christoph Moossen.
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