Intelligente Mobilität gleich vor der Haustür – neue Konzepte

Mobilitätsangebote direkt vor der Haustür können Mieter animieren, vom Auto auf klimaverträgliche Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bahn und Bus oder Sharing-Dienste zu wechseln. Konzepte für solche intelligenten Wohnquartiere unterstützt das Projekt "Bundesweites Netzwerk Wohnen und Mobilität".

Es gibt bereits gute Beispiele, die eine klimafreundliche und stadtverträgliche Mobilität am Wohnstandort ermöglichen, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Im Projekt "Wohnen leitet Mobilität" von 2019 etwa haben Wohnungsunternehmen, Kommunen und Mobilitätsdienstleister schon gemeinsam Konzepte umgesetzt. Gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und weiteren Partnern will der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW nun auch im Nachfolgeprojekt "Bundesweites Netzwerk Wohnen und Mobilität" Mobilitätskonzepte für Wohnquartiere voranbringen – 16 Städte beteiligen sich an dem Netzwerk.

Im Rahmen des gemeinsamen Projekts berät der VCD Kommunen und andere Akteure in 16 Städten der Regionen Berlin und Potsdam, Bochum und Witten, Chemnitz und Erzgebirgskreis (Landkreis), Darmstadt und Ginsheim-Gustavsburg, Hannover und Hameln, Karlsruhe und Pforzheim, Kiel und Preetz sowie München und Holzkirchen.

Qualifizierungsangebot "Mobilitätsmanagement für Wohnungsunternehmen" ab Herbst 2022 geplant

"Die Wohnungswirtschaft hat jahrzehntelange Erfahrung in der Umsetzung von Projekten für eine sozialverträgliche Energiewende. Wir sehen eine große Chance darin, diese in das Projekt einzubringen und die unterschiedlichen Ansätze der Akteure sektorübergreifend und nachhaltig zu verbinden", so GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Die Wohnungswirtschaft plant zudem in Kooperation mit kommunalen Verwaltungen, Mobilitätsdienstleistern – zum Beispiel Verkehrsbetrieben, Car- und Bike-Sharing-Anbietern – sowie Städteplanern und Architekten lokale Arbeitsgemeinschaften, um mehr Lademöglichkeiten in den Quartieren zu schaffen. Beraten wird das Netzwerk vom VCD. "Das Interesse ist so groß, dass wir uns entschlossen haben, Beratungsworkshops nicht nur in den Partnerstädten, sondern bundesweit anzubieten", so VCD-Projektleiter René Waßmer.

Auch über das Projektende hinaus wird schon gedacht: Wesentlicher Baustein soll das sogenannte Qualifizierungsangebot "Mobilitätsmanagement für Wohnungsunternehmen" sein, das im Herbst 2022 anlaufen soll. Das Projekt "Bundesweites Netzwerk Wohnen und Mobilität" läuft vorerst bis April 2023 und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

Auto an Ladesäule Illustration
GdW-Präsident Axel Gedaschko plant gemeinsam mit Partnern auch lokale Arbeitsgemeinschaften für mehr Lade-Möglichkeiten

"Wohnen leitet Mobilität": Die Projekte 2019

An fünf Standorten in den Regionen Berlin-Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Sachsen haben sich der VCD, das Öko-Institut und der Deutsche Mieterbund (DMB) bereits im Projekt "Wohnen leitet Mobilität"  für innovative Mobilitätslösungen am Wohnstandort eingesetzt. Unsere Autoren René Waßmer (VCD-Projektleiter, Berlin) und Helena Köfler (Regionalkoordinatorin beim VCD in Berlin) haben ein paar Projekte mit Vorbildcharakter in einem Beitrag im Fachmagazin "DW Die Wohnungswirtschaft" vorgestellt. Es folgt ein Auszug aus dem Artikel.

Gartenstadt Farmsen in Hamburg

Die Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft mgf Gartenstadt Farmsen eG hat eine Carsharing-Station und einen E-Rad-Verleih für die Mitglieder eingerichtet. Darüber hinaus erfolgten in Verbindung mit einem Parkraumkonzept Infrastrukturmaßnahmen zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs, die maßgeblich zu einem barrierefreien Umbau der denkmalgeschützten, in den 1950er Jahren nach den Grundsätzen der organischen Stadtbaukunst errichteten Siedlung beitrugen. Auch andere Maßnahmen der mgf tragen zur Verkehrsreduktion bei – etwa Sammelaufträge für Reparaturmaßnahmen zur Reduzierung von Einzelfahrten oder Informationen über Mobilität und Umweltauswirkungen in der Mieterzeitung.

Siedlung "Stellwerk 60" in Köln

Die Siedlung "Stellwerk 60" in Köln wurde bereits in der Planung als große Fußgängerzone mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet. Das auf dem Gelände eines ehemaligen Bahnausbesserungswerkes entstandene autofreie Quartier im innenstadtnahen Kölner Stadtteil Nippes setzt sich vor allem für Fuß- und Fahrradfreundlichkeit ein und fördert eine bequeme und sichere Alltagsnutzung von Fahrrädern. In der Siedlung mit rund 430 Wohnungen gilt das Prinzip "Teilen statt Besitzen": Eine Mobilitätsstation bietet Handkarren oder Fahrradanhänger zum Verleih an, gewerbliches und privates Carsharing sowie diverse Fahrradverleihsysteme (auch für Elektro-Lastenräder) runden das Angebot ab. Eine gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV und ein Bewohner- und Nachbarschaftsverein sorgen zudem dafür, dass das vom Immobilienentwickler Bouwfonds (heute BPD) errichtete Viertel, in dem auch die Kölner GAG Immobilien AG rund 70 Wohnungen bewirtschaftet, ein attraktiver Wohnstandort wurde.

Münchener Neubauviertel Domagkpark

Die Genossenschaft Wogeno München eG hat sich bei ihren zirka 75 Wohneinheiten im Neubauviertel Domagkpark ebenfalls dem Sharing-Gedanken verschrieben: Eine Mobilitätsstation bündelt verschiedene Angebote und bietet E-Carsharing, E-Fahrräder, Lastenräder, E-Roller und Monatstickets für den ÖPNV an. Das Parkkonzept umfasst nur oberirdische Kurzzeitparkzonen sowie Carsharing-Parkplätze mit Ladestationen. Neubauten der Wogeno werden konsequent mit Mobilitätsangeboten ausgestattet, um den Hausgemeinschaften Alternativen zum eigenen Auto anzubieten. Die Preisgestaltung erfolgt so, dass Kurzausleihen attraktiv sind. Tagespreise sind ab einer bestimmten Zeit gedeckelt. Dadurch kann die Zahl privater Autos ohne Komfortverlust dauerhaft reduziert werden.

Seestadt Aspern in Wien

Auch der Blick zu den Nachbarn lohnt sich. Die Seestadt Aspern in Wien zeichnet sich durch die Umsetzung eines sehr ehrgeizigen und innovativen Mobilitätskonzepts aus. Kurze Wege (Einkaufsstraße statt Einkaufszentrum), hohe Aufenthaltsqualität, reduzierter Stellplatzschlüssel, einfaches Sammelgaragensystem, vielfältige (E-)Sharing-Angebote für Pkw und Fahrräder und intensive Service- und Kommunikationsleistungen für die Bewohner sind die wesentlichen Bausteine für mehr als 20.000 Menschen, die bis 2028 in den rund 10.500 Wohneinheiten leben sollen.

Das können Vermieter tun, um Mietern maßgeschneiderte Mobilitätsangebote zu machen:

  • Nachhaltige Mobilität im Wohnumfeld als wichtiges Thema für Wohnungsunternehmen verankern
  • Infomappe für (Neu-)Mieter
  • Ermäßigungen und Gutscheine für Mieter
  • Attraktive Infrastruktur für den Fußverkehr schaffen
  • Gute Rahmenbedingungen für den ruhenden und fließenden Radverkehr
  • Parkkonzept für den motorisierten Individualverkehr (MIV) überdenken
  • Auf kompetente Kooperationspartner vertrauen
  • Mobilitäts- und Servicestation
  • Aktionstage für Mieter

Der vollständige Beitrag von René Waßmer und Helena Köfler erschien in der Jubiläumsausgabe der Fachzeitschrift "DW Die Wohnungswirtschaft", Ausgabe 10/2018.


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