Urbane Energiewende: Tipps für Städte und Wohnungswirtschaft

Der Energieverbrauch in den Städten ist enorm und damit der Ausstoß von Treibhausgasen. Für die Klimaziele spielt die urbane Energiewende eine zentrale Rolle. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat Handlungstipps vorgelegt. So könnte etwa die Wohnungswirtschaft einen Beitrag mit Mieterstrom leisten.

Damit die urbane Energiewende gelingen kann, ist vor allem ein neuer strategischer Orientierungsrahmen wichtig, der alle Akteure vernetzt, heißt es im Abschlussbericht zum Projekt "Urbane Energiewende" der Dena. Es gelte, die Energieplanung als Aufgabe der Stadtplanung in die Breite zu bringen. Das gemeinsame Ziel müsse es sein, die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität in den Städten als Teil der integrierten Energiewende weiterzuentwickeln. Die Kopplung dieser Sektoren ist dabei laut Dena entscheidend, um die Klimaziele 2030 zu erreichen.

Neben Erkenntnissen aus der Praxis und den Handlungsempfehlungen – für die Städte und für die Politik – bietet der Bericht einen Überblick über Konzepte zur Energiewende in urbanen Räumen und stellt Praxisprojekte, regulatorische Herausforderungen und Lösungsansätze vor. Projektpartner waren neben Wohnungsgesellschaften auch Stadtwerke und Energieversorger, Technologieanbieter und IT-Dienstleister, Mobilitätsanbieter sowie Logistik- und Handelsunternehmen.

Stromversorgung: Mieterstrom und Digitalisierung nutzen

Angesichts begrenzter Flächen und Genehmigungen für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien sollten auch die Potenziale zur innerstädtischen Erzeugung von Grünstrom wie etwa Solaranlagen auf Dächern vermehrt genutzt werden. Das gesamte Potenzial für Photovoltaikalagen alleine in Berlin entfällt laut Dena auf 55 Prozent der Wohngebäude, vor allem der Mehrfamilienhäuser. Mieterstrom sollte deshalb gestärkt werden, indem etwa steuerliche Barrieren und Unsicherheiten hinsichtlich der Bedeutung von Kundenanlagen beseitigt werden. Doch die Novelle des Mieterstromgesetzes lässt weiter auf sich warten.

Weiterhin sei die digitale Nutzung energiebezogener Daten für die urbane Energiewende von großer Bedeutung, um die Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität zu vernetzen. Die Projektpartner empfehlen den Einsatz von Informationstechnologien, um die Komplexität im Gesamtsystem beherrschbar zu machen, die Interoperabilität zwischen Geräten über standardisierte Schnittstellen zu sichern sowie einheitliche Regeln zu schaffen, die angepasste Anwendungen ermöglichen.

Wärmeversorgung: Klimafreundliche Konzepte wirtschaftlicher machen

Wärmenetze sind den Projektpartnern zufolge ein weiterer wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende in den Städten, da über diese sowohl lokal erzeugte erneuerbare Energien und Abwärme als auch Erzeugungsspitzen von überregionalem Grünstrom nach dem Prinzip "Nutzen statt Abregeln" integriert werden können.

Da der Einsatz CO2-armer und klimafreundlicher Varianten noch durch hohe Kosten und Investitionsrisiken gehemmt wird, gilt es laut Dena, klimafreundliche Wärmekonzepte zu stärken. Die Wirtschaftlichkeit gegenüber CO2-intensiveren Varianten könnte mit Hilfe des Bundes erhöht werden. Doch dafür müsste die Kraft-Wärme-Kopplung zeitnah weiterentwickelt und das geplante Förderprogramm zur EE-Fernwärme (Basisprogramm) vorangetrieben werden. Zudem müsste das Gebot zur kurzfristigen Kostenneutralität bei der Umstellung der Wärmelieferung in Mietwohnungen angepasst werden.

Mobilität: Stärkung des ÖPNV und Ausbau der Ladeinfrastruktur

Im Sinne einer integrierten Energiewende muss laut Dena-Bericht der öffentliche Verkehr gestärkt werden. Nach Ansicht der Projektpartner müssen konkrete Klimaziele in Nahverkehrsplänen verankert werden, um das zu gewährleisten. Sharing-Angebote könnten als Ergänzung zum ÖPNV genutzt werden.

Zudem schlagen die Projektpartner vor, den Ausbau der Ladeinfrastruktur im privaten, im halb-öffentlichen und im öffentlichen Raum zu beschleunigen, um den Markthochlauf der Elektromobilität zu unterstützen. Dafür seien Förderprogramme für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit und bessere Rahmenbedingungen notwendig. Zusätzlich sollten klare Regelungen und Schnittstellen für netz- und systemdienliches Laden vorbereitet werden.

Serielle Sanierung von Wohngebäuden: Kommt der Durchbruch?

Auch die serielle Sanierung von Wohngebäuden kann Teil der integrierten Energiewende sein. Beim Energiewende-Kongress der Dena am 25. November in Berlin haben Wohnungswirtschaft und Bauwirtschaft eine Absichtserklärung, den sogenannten "Energiesprong Volume Deal", unterzeichnet. Ziel ist es, eine neue Sanierungslösung zu etablieren, die auf digitalisierte Prozesse und einen hohen Vorfertigungsgrad setzt.

22 Wohnungsunternehmen stellen 11.635 Wohnungen bereit, die in den kommenden vier Jahren seriell saniert werden sollen. Vier Bauunternehmen werden an der Entwicklung wirtschaftlicher und skalierbarer Komplettlösungen arbeiten. Die Gebäude werden mit 3D-Scans erfasst und Fassaden- und Solardachelemente mit Industrie 4.0 vorfertigt. Auch die Anlagentechnik wird in einem vorgefertigten Energiemodul zusammengefasst, um den Net-Zero-Standard für Gebäude mit kürzeren Bauzeiten und zu sozialverträglichen Kosten zu erreicht, wie die Dena mitteilt. Unterstützt wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.


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