Städte, Metropolen, Regionen: Wachstum am Immobilienmarkt

Die deutschen Metropolen wachsen weiter, nur nicht mehr so stark und nicht unbedingt dort, wo man es erwartet. Das liegt auch an Corona. Fachkräfte aus dem Ausland bleiben weg, Familien zieht es ins Umland. Welche Städte und Wohnungsmärkte nach der Krise boomen werden, zeigen neue Studien.

Die starke Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland hat in den vergangenen Jahren die Großstädte in Deutschland regelrecht anschwellen lassen, schreibt das Gewos Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung. Dieser Trend sei durch Corona erst einmal gestoppt. Die Forscher prognostizieren zwar in einigen Metropolen weitere deutliche Bevölkerungszuwächse bis zum Jahr 2035 vor allem für Berlin mit plus 6,6 Prozent, aber auch Frankfurt am Main (plus 6,2 Prozent), Hamburg (plus 4,7 Prozent) und Köln (plus 4,8 Prozent), doch in München (plus vier Prozent) schwäche sich das Wachstum bereits jetzt ab. Düsseldorf (plus 0,9 Prozent) und Stuttgart (plus 2,6 Prozent) wachsen künftig kaum noch.

Bevölkerungswachstum: Die Schere zwischen Ost und West geht weiter auf

"Firmen sind vorsichtig bei Neueinstellungen, zudem haben Reisebeschränkungen die Mobilität gebremst", erklärte Gewos-Geschäftsführerin Carolin Wandzik. Weniger Zuwanderung aus dem Ausland könne aber nur vorübergehend Druck von den Wohnungsmärkten in den Städten nehmen. Ab 2022 dürfte die Außenwanderung wieder zunehmen wenn auch nicht mehr im Ausmaß des vergangenen Jahrzehnts, so Wandzik.

Bundesweit sagt das Hamburger Institut noch einen Anstieg der Einwohnerzahl um moderate 0,7 Prozent auf 83,7 Millionen innerhalb der kommenden 15 Jahre voraus. Der erwartete Anstieg der Bevölkerung betrifft dabei einzig Westdeutschland, das laut Gewos um 1,4 Prozent bis 2035 wachsen dürfte, während Ostdeutschland im Saldo wohl 2,3 Prozent der Einwohner verlieren dürfte. Auch das habe Folgen für die Wohnungsmärkte, heißt es in der Studie. Wachstumsregionen stünden vor dem Problem, genug bezahlbaren Wohnraum bauen zu müssen, schrumpfende Regionen müssten sich mit mehr Leerstand auseinandersetzen.

Hauptgrund für stagnierendes Wachstum: der Mangel an Arbeitskräften

Und die Krise hat noch einen anderen Trend verstärkt: Immer mehr Menschen, insbesondere Familien, ziehen ins Umland auch wegen der hohen Immobilienpreise. Der Trend könnte sich mit der Coronakrise noch verstärken, zeigen Umfragen. Ein Drittel der Deutschen, die in Großstädten leben, wollen aufs Land oder wenigstens in eine kleine Stadt umziehen, heißt es etwa in einer aktuellen Studie der Instituts Civey für die "Zeit".

Vor allem Süddeutschland gewinnt Gewos zufolge in den kommenden Jahren noch Einwohner. Die Forscher gehen davon aus, dass etwa die Bevölkerung in Bayern bis 2035 um bis zu zehn Prozent wachsen wird. Ähnliche Prognosen gibt es für weite Teile Baden-Württembergs. Hier zählen die Universitätsstadt Tübingen (plus 4,6 Prozent), die "Schmuckstadt" Pforzheim (plus 4,3 Prozent) und der Landkreis Emmendingen (plus 4,1 Prozent) zu den Gewinnern.

Zulegen dürften die Zahl der Menschen den Studienautoren zufolge auch im Raum Rhein-Neckar, im Rhein-Main-Gebiet: Neben Frankfurt/M. sagt Gewos auch Groß-Gerau ein starkes Bevölkerungsplus (6,5 Prozent) bis 2035 voraus. In Hannover sowie im "VW-Land" bei Wolfsburg und Braunschweig sieht es ähnlich aus. Ob die Regionen letztlich so viele Einwohner gewinnen wie geschätzt, hänge davon ab, ob Schlüsselindustrien wie die Autobranche und der Maschinenbau in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen den Strukturwandel bewältigen könnten, schränkt Gewos ein.

Prognos-Studie: Der "Tesla"-Effekt welche Regionen als Gewinner aus der Krise kommen

Zu einem anderen Ergebnis kommt eine Wachstumsprognose bis 2035, die Prognos für das "Handelsblatt" erstellt hat. Hier gehören zu den wachstumsstärksten Regionen Deutschlands nach der Coronakrise neben den Umlandgemeinden der Metropolen vor allem einige mittelgroße Städte in Ostdeutschland: allen voran Rostock.

Der Studie zufolge werden bis 2030 nur noch 15 Regionen in ganz Deutschland einen Zuwachs an Erwerbstätigen haben. Die Folgen der Coronakrise werden bis dahin noch nicht ausgeglichen sein, so das Forschungsunternehmen. Und mit der Zahl der Arbeitskräfte steht und fällt laut Prognos der Trend zum Wachstum für die Kommunen und entscheidet sich, welche Regionen zu den Verlieren oder den Gewinnern gehören werden: Rostock gehört für Prognos zu den Top Ten und werde gerade als Startup-Standort derzeit noch stark unterschätzt.

Neben der Hansestadt gehören zu den Krisengewinnern die Landkreise Dahme-Spreewald und Oder-Spree im Speckgürtel von Berlin Prognos nennt das den "Tesla-Effekt". Auch die ostdeutschen Städte Potsdam und Leipzig werden Magneten für Zuzügler sein. Attraktiv werden Städte dieser Studie zufolge neben ihrem prosperierenden Arbeitsmarkt auch durch Hochschulen, Schulen, Kulturangebote und dem Wohnungsangebot. Der Trend zum Homeoffice wird "nicht dazu führen, dass die Bundesbürger massenhaft der Landlust verfallen", heißt es in der Prognos-Studie für das "Handelsblatt".


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dpa
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