Digitalisierung der Immobilienbranche: Es gibt noch viel zu tun

Der vielfach beschworene Push-Effekt von Corona auf die Digitalisierung lässt auf sich warten: Das Bewusstsein der Immobilienbranche für digitale Themen ist zwar in den vergangenen Monaten gestiegen, bei der Transformation tut sich aber immer noch zu wenig, wie eine Umfrage zeigt.

Hatten die Covid-19-bedingten Einschränkungen im März 2020 einen nennenswerten Einfluss auf die Digitalisierung der Immobilienbranche? Das wollte Drooms, ein Anbieter von virtuellen Datenräumen, ein halbes Jahr später wissen und befragte Immobilienexperten in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Digitalisierung des gewerblichen Immobilienmarktes. An der Online-Umfrage im September nahmen 538 Immobilienexperten teil.

Knapp die Hälfte (41 Prozent) der Teilnehmer ist der Meinung, dass der Immobilienmarkt in Europa in den vergangenen sechs Monaten von der Digitalisierung mäßig beeinflusst wurde, "etwas beeinflusst" sagten 28 Prozent, und nur etwa ein Viertel (24 Prozent) meint, dass die Digitalisierung spürbar auf die Branche eingewirkt hat. "Unserer Branche geht es noch gut, daher ist der Leidensdruck nicht so groß, dass die nötigen digitalen Transformationen in den Unternehmen vollzogen werden", meint Drooms-Chef Alexandre Grellier.

Nur ein Prozent der Befragten gibt an, alle Prozesse (100 Prozent) vollständig digitalisiert zu haben – ebenso ein Prozent hat noch gar nichts getan, plant es aber für die Zukunft. Rund ein Viertel (27 Prozent) hat die Geschäftsabläufe zu mindestens drei Vierteln (75 bis 99 Prozent) digitalisiert, und mehr als ein Drittel (37 Prozent) ist wenigstens zur Hälfte (50 bis 74 Prozent) damit durch.

Mangelnde Verknüpfung von IT-Systemen

Das Ergebnis ist um so überraschender, als sich 43 Prozent der Experten sicher sind, dass die Digitalisierung ihres Unternehmens die Effizienz von Geschäftsprozessen steigern wird. Knapp ein Drittel (30 Prozent) geht davon aus, dass durch die digitale Transformation Kosten reduziert werden können und 27 Prozent erhoffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Woran hängt es also, dass es bei der Umsetzung hapert?

Als zentrale Schwäche in der Nutzung von Lösungen für die digitale Arbeit sehen 44 Prozent der befragten Immobilienexperten die mangelnde Verknüpfung der IT-Systeme. Knapp ein Drittel (29 Prozent) beklagt, dass ihnen Software-Lösungen fehlten, weil weiterhin papierbasierte Prozesse genutzt werden. Zehn Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass unzureichende Sicherheitsstandards die Implementierung digitaler Lösungen bremsen.

"Wir beobachten schon lange, dass Unternehmen eine größere Konnektivität bei Geschäftsprozessen verlangen", erklärt Grellier. Dafür seien sinnvoll genutzte Schnittstellen zwischen den genutzten Softwarelösungen entscheidend. Gut gepflegte Datenbestände hält er dabei für dringender als eine Standardisierung des Datenaustauschs.

Mobiles Arbeiten: Schnelle und sichere Datenübertragung werden relevanter

Eine Chance für den Fortschritt der eigenen Digitalisierung sieht rund ein Drittel (36 Prozent) der Experten bei den Themen "Mobiles Arbeiten" und Homeoffice – eine sichere und schnelle Datenübertragung rückt in den Vordergrund. Drooms-CEO Grellier rät beim Handling mit den großen Datensätzen zu Ordnung, aber nicht zu einer Überorganisation: "Over Engineering ist für niemanden sinnvoll. Systeme können durch Autoallokation und selbstlernende Algorithmen den Nutzer bei der automatischen Einsortierung eines Dokumentes helfen".

Besser verknüpfte Technologien nannten rund ein Viertel (28 Prozent) der befragten Immobilienexperten als ihr wichtigstes Thema für die Zukunft, gefolgt von einer stärkeren Anwendung von Umwelt-, Sozial- und Governance (ESG)-Grundsätzen (21 Prozent).


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