PropTechs: Digital Leaders lieben Plattformen

Aus den "Etablierten" der Immobilienbranche sind Digital Leaders geworden. Und die wissen, was sie an PropTechs haben – vor allem im Property Management. Plattformen sind noch am stärksten gefragt, die Tendenz geht aber zu spannenderen Technologien, wie eine Blackprint-Studie zeigt.

Die etablierten Immobilienunternehmen sind in Sachen Digitalisierung sehr unterschiedlich aufgestellt, haben aber mittlerweile nahezu alle wesentlichen Parameter eines Digital Mindset verinnerlicht, heißt es in einer neuen Studie "Digital Leaders in Real Estate" der Beteiligungsgesellschaft Blackprintpartners (Blackprint) – die Mehrzahl der befragten Unternehmen zeige auch ein gesteigertes Interesse, PropTechs zu beauftragen.

Die Stimmung am Markt wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule (TH) Aschaffenburg und dem Beratungsunternehmen Brickalize analysiert. Unterstützt wurde die Studie von der German PropTech Initiative (gpti). Befragt wurden 86 etablierte Bau- und Immobilienunternehmen, die sich mit der Digitalisierung ihrer internen Prozesse und ihrer externen Stakeholderbeziehung auseinandersetzen. Die Perspektive der PropTechs zur Digitalisierung der deutschen Immobilienwirtschaft wurde in vorangegangen Studien dargestellt.

PropTech-Lösungen: Property und Asset Management im Fokus

Die Studie zeigt aber auch, dass eine durchgängige Integration der digitalen Lösungen von PropTechs in die Wertschöpfung noch nicht stattgefunden hat. Über Pilotprojekte kamen die Digital Leaders häufig nicht hinaus. Der Einsatz von PropTech-Lösungen ist somit bei den Digital Leaders noch ausbaufähig, lautet ein Fazit der Studie. Immerin jeder dritte (30,2 Prozent) Digital Leader arbeitet bisher mit null oder nur einer PropTech-Lösung.

Potenzial sehen die befragten etablierten Unternehmensvertreter vor allem für die Betriebsphase der Immobilien. Dominierende Wertschöpfungsphase mit Mehrwert des Einsatzes von PropTechs ist das Property Management (68,6 Prozent). Aus Sicht des Establishments sollten PropTech-Lösungen außerdem vor allem in folgenden Wertschöpfungsstufen eingesetzt werden: Asset Management (61,6 Prozent), Facility Management (51,2 Prozent), Baumanagement (51,2 Prozent), Projektentwicklung (40,7 Prozent). Mit Ausnahme der Phase "Projektentwicklung" wird das Potenzial für den Einsatz von PropTech-Lösungen im Immobilienlebenszyklus in allen Phasen höher eingeschätzt als der bisherige Einsatz widerspiegelt, so die Studienautoren.

Plattformen: (Noch) die bevorzugte Technologie der Digital Leaders

Dominierend nachgefragte Technlogie sind derzeit Plattformen. 72,1 Prozent der Befragten gaben das an. Perspektivisch lässt das Interesse allerdings leicht auf 68,6 Prozent nach. Plattformen führen Einzellösungen zusammen und sorgen für Komfort, Schnelligkeit und Einfachheit beim Nutzer. Hierbei treibt viele Digital Leaders das Versprechen von Netzwerkeffekten. Big Data wird auf den zweiten Rang der Wichtigkeit (45,4 Prozent) gesetzt – Tendenz steigend (auf 68,6 Prozent), wie die perspektivische Abfrage zeigt. Auf Platz drei (40,7 Prozent; Tendenz 54,7 Prozent) rangiert derzeit das Internet of Things (IoT).

Perspektivisch steigt auch die eingeschätzte Relevanz von Drohnen (von 12,8 auf 14 Prozent) und Robotics (von 9,3 auf 22,1 Prozent). Auch Künstliche Intelligenz (KI), jetzt auf Platz vier mit 39,5 Prozent, legt an Bedeutung deutlich zu (68,6 Prozent). Für den digitalen Zwilling und Effizienzsteigerungen durch Building Information Modeling (BIM) prognostizieren die Digital Leaders in ihrer Einschätzung auch deutlichen Bedeutungsgewinn. Und während Hardware aktuell das relevanteste Thema ist, wird Augmented / Virtual Reality künftig wichtiger. Insgesamt wird der Studie zufolge die Digitalisierung relevanter und damit die Technologie spannender.

Digital Leader: PropTech-Lösungen vor allem in Büros

Die Digital Leaders sind mit 88,4 Prozent dominant in der Assetklasse Büro tätig, gefolgt von Wohnen mit 81,4 Prozent. Hier ist die Nutzung von PropTech-Lösungen im Verhältnis auch am höchsten ausgeprägt: Bei Büros nutzen 70,9 Prozent der Befragten digitale Technologien, bei Wohnimmobilien 61,6 Prozent. Mixed-Used-Immobilien (70,9 Prozent) sind mit rund zwei Drittel ebenfalls breit vertreten, doch nur knapp jeder vierte (23,3 Prozent) Digital Leader setzt PropTech-Lösungen in dieser Assetklasse ein.

Am Angebot der PropTechs liegt es nicht. In der Vorgängerstudie 2021 sagten zwei Drittel der Tech-Unternehmen, dass Lösungen für diese Assetklasse angeboten und anwendbar seien. Im Einzelhandel zeigt sich ein ähnliches Bild: Während 66,3 Prozent der Digital Leader mit dieser Assetklasse zu tun haben, setzen nur 19,8 Prozent im Food- beziehungsweise 18,6 Prozent im Non-Food-Bereich PropTech-Lösungen ein. 48,6 Prozent der PropTechs bedienen auch diese Assetklasse. Das größte Angebot gibt es im Bereich Wohnen.

ESG-Regulierung als Wachstumstreiber der PropTech-Szene

Das Interesse der etablierten Bau- und Immobilienbranche an PropTechs ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Bei den Finanzierungsrunden steuern die Tech-Unternehmen auf das erfolgreichste Jahr seit der ersten Erhebung 2016 zu, wie eigene Daten von Blackprint zeigen. Allein im ersten Halbjahr 2021 sind rund 287 Millionen Euro Kapital in PropTechs investiert worden – das ist mehr Kapital als im Gesamtjahr 2020 mit rund 284 Millionen Euro. Ein wichtiger Aspekt, der die PropTech-Branche antreibt, ist Blackprint zufolge die ESG (Environment, Social, Governance)-Regulierung, wie die Blackprint-Vorstudien von 2020 und 2021 zeigen.

Auch 69 Prozent der Digital Leaders spüren den Druck zur Digitalisierung durch ESG, heißt es in der jüngsten Studie. Für mehr als 80 Prozent hat das Thema ESG erhöhte bis sehr hohe Priorität. Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer arbeitet bereits in einem eigenen ESG-PropTech-Projekt. Letzteres gilt aber vor allem für die größeren Unternehmen – bei kleinen Unternehmen sind solche Projekte laut Studie noch unterrepräsentiert. Technologisch dominieren für die Umsetzung von ESG-Projekten aus Sicht der Befragten Big Data, KI und IoT.

Zur Digital Leaders Studie 2021

PropTechs: Dem Establishment fehlen die Entscheider

Wenn aus den Influencern in Fachabteilungen Entscheider würden, Entscheidungen für PropTech-Lösungen in etablierten Immobilienfirmen (Establishment) nicht alleine vom Chef getroffen würden und die Position des Chief Digital Officers (CDO) eine deutliche Aufwertung erführe, dann ließe sich die Verbreitung digitaler Lösungen im deutschen Immobilienmarkt von der strategischen auf die operative Ebene noch schneller erreichen, hieß es in den Vorgängerstudien von Blackprint, der TH Aschaffenburg und Brickalize, für die 185 Tech-Unternehmen befragt worden sind.

Die damals befragten Unternehmen waren zu gleichen Teilen in die Kategorien "Early-Stager" (deutsche PropTechs in der Etablierungsphase), "Grown-ups" (im Markt etablierte deutsche PropTechs) und "Conquerer" (ausländische PropTechs, die den Markteintritt in Deutschland planen oder vollzogen haben) eingeteilt – alle Unternehmen sprachen von Hindernissen. Die Digital Leaders attestieren sich in der jünsgten Studie selbst mangelnde Kenntnis über die Vorteile, die bei der Implementierung von PropTech-Lösungen entstehen oder sehen den Zugang zum richtigen Ansprechpartner, um die Lösung zu platzieren, als große Hürde.

Die Vorgängerstudien:

PropTech Studie 2020

ProTech Studie 2021


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Immobilienbranche, PropTech