Mehrfamilienhäuser als Immobilienanlage

Deutschland ist das Land der Mieter. Mehrfamilienhäuser gibt es hier zuhauf. Und die Erträge sind stabil. Das zieht Investoren auch aus dem Ausland an. 70 Prozent der europaweit gehandelten Mietshäuser gingen laut einer Studie in den ersten drei Monaten 2020 hierzulande über den Tisch.

Rund acht Milliarden Euro wurden im ersten Quartal 2020 in Deutschland in den Kauf von Mietshäusern gesteckt, wie Zahlen des Immobiliendienstleisters Savills zeigen – das entspricht einem Anteil von 70 Prozent des europaweiten Transaktionsvolumens. Auf dem zweiten Platz folgt mit großem Abstand Großbritannien mit einem Marktanteil von acht Prozent, vor Schweden mit sechs Prozent Marktanteil.

"Mehrfamilienhäuser rücken als Anlageprodukt aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Ertragsstabilität europaweit immer mehr in den Fokus der Investoren." Marcus Lemli, CEO Germany und Head of Investment Europe bei Savills

Dies gelte vor allem in Deutschland mit seinem sehr großen Mietwohnungsmarkt, berichtet Lemli. Doch auch in vielen europäischen Ländern wachsen Savills zufolge die Mietwohnungsmärkte. Damit steigt die Produktverfügbarkeit für die Investoren.

Erschwinglichkeit der Mieten: Mit Covid-19 bei Nutzern und Investoren im Fokus

Die Höhe des Kapitals, das bis März in Mehrfamilienhäuser angelegt wurde, ist seit Jahresbeginn unverändert. Die Anfangsrendite liegt im Durchschnitt der untersuchten Länder stabil bei rund drei Prozent, und Savills geht davon aus, dass sich daran bis zum Jahresende kaum etwas ändern wird. Die Investoren hätten signalisiert, dass sie weitere Kaufabsichten hegen. Deshalb gehen die Experten davon aus, dass das Transaktionsvolumen für das noch zu untersuchende erste Halbjahr 2020 bei mehr als 22 Milliarden Euro liegen könnte – das wäre Vorjahresniveau.

"Auswirkungen auf die Preisgestaltung hat hingegen eher, dass Investoren als Folge der Pandemie konservativere Ansätze bei Mietsteigerungserwartungen und Auslastungsquoten haben." Marcus Roberts, Head of European Operational Capital Markets bei Savills

Maßgebliche Treiber des hohen Interesses der Investoren an Mietshäusern sind nach Meinung von Savills die guten Fundamentaldaten an den europäischen Mietwohnungsmärkten: Dazu gehört unter anderem der Trend zur Urbanisierung und zu kleineren Haushalten, aber auch die im Niedrigzinsumfeld erschwinglichen Kaufpreise für Wohneigentum. Diese Entwicklungen werden vom Wirtschaftszyklus und Covid-19 wenig abhängig sein, heißt es bei Savills. Im Zuge der Covid-19-Pandemie sei allerdings zu erwarten, dass die Erschwinglichkeit der Mieten bei Nutzern und Investoren in den Fokus rücken wird.

Lage: Alternative Wohnstandorte

Wohnimmobilien gelten wegen stabiler Mieteinnahmen nicht nur bei Investoren, sondern auch bei Kreditgebern als sichere Anlage. Dabei werden Savills zufolge weniger dicht besiedelte, aber gut angebundene Wohnstandorte an Bedeutung gewinnen.

"Mehrfamilienhäuser können in Europa nicht länger als alternatives Investment bezeichnet werden, sondern sind mittlerweile auch für Core-Strategen eine Option." Eri Mitsostergiou, Director European Research bei Savills

In Märkten wie Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien können laut Mitsostergiou die Transaktionsvolumina bisweilen schon mit denen der Büroimmobilien mithalten oder haben die Assetklasse bereits überholt. In Spanien und Irland werde der Sektor perspektivisch deutlich an Relevanz gewinnen.

Für die Studie zum ersten Quartal 2020 hat Savills zwölf Märkte analysiert. Der Immobiliendienstleister erwartet für die Zukunft eine anhaltend hohe Investmentaktivität am europäischen Markt für  Mehrfamilienhäuser – Deutschland als mit Abstand größter Markt dürfte weiterhin im Fokus stehen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Bei internationalen Investoren boomen B-Städte

Die Profiteure der schönen neuen Welt des gewerblichen Wohnens

So holen Immobilienmärkte im Rest der Welt den Corona-Lockdown schon auf

Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Investment