Geht die Deutsche Wohnen doch bald an Vonovia?

Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen wäre einem neuen Angebot des Wohnungsriesen Vonovia nicht abgeneigt. Vorausgesetzt, der Preis sei "stimmig", sagte der Finanzvorstand Deutsche Wohnen, Philip Grosse, in der Online-Ausgabe der "Financial Times". Grosse sieht den Wert des Unternehmens bei deutlich über 40 Euro je Aktie. Detaillierte Angaben zu einen "adäquatem Angebot" wollte Grosse nicht machen.

Am Freitag hatte die Aktie der Deutsche Wohnen bei knapp über 34 Euro geschlossen. Gegen einen ersten Übernahmeversuch von Vonovia Anfang 2016 hatte sich Deutsche Wohnen heftig gewehrt. Das Angebot lag damals bei 14 Milliarden Euro.

Vonovia sagte der Financial Times: "Ein Deal mit Deutsche Wohnen war 2015 und 2016 ein Thema." Dieses Jahr stehe der Aufbau neuer Wohnungsbestände auf der Agenda. Vor Kurzem hatte Vonovia noch den österreichischen Konkurrent Conwert geschluckt.

Auch Grosse zeigte sich im Interview mit der Zeitung wenig überzeugt, dass im gegenwärtigen Umfeld große Transaktionen auf dem deutschen Immobilienmarkt zu rechtfertigen seien. Bei Unternehmen, die inzwischen eine kritische Masse erreicht hätten, würden sich kaum noch Synergien oder Skaleneffekte ergeben. "In diesem Zusammenhang würde ich ein Fragezeichen hinter eine weitere Konsolidierung setzen", so Grosse.

Vonovia bestätigt Ziele 2017 und rechnet mit deutlichen Zuwächsen

"Die ersten drei Monate des aktuellen Geschäftsjahres sehen sehr gut aus", sagte Unternehmenschef Rolf Buch am Dienstag auf der Hauptversammlung in Bochum.

Vonovia gehe für das Gesamtjahr von einem operativen Ergebnis von 830 bis 850 Millionen Euro aus, nach 760,8 Millionen Euro im Vorjahr. Dazu beitragen sollen neben der milliardenschweren Übernahme von Conwert unter anderem höhere Mieteinnahmen durch den Bau neuer Wohnungen und zusätzliche Dienstleistungen.

Vonovia installiert Paketkästen in Mietshäusern

Geplant ist bereits die Installation von Paketkästen in den Kellern von Mietshäusern. Ein im vergangenen Jahr in Berlin gestartetes Pilotprojekt werde nun gemeinsam mit der Post-Tochter DHL ausgeweitet, kündigte Buch an. Derzeit sei noch unklar, ob der neue Paketservice für die Mieter kostenpflichtig werde, sagte ein Sprecher.

Buch kündigte einen weiteren Ausbau der Dienstleistungen an. So bietet das Unternehmen bereits die Versorgung mit Kabel-TV und die Erfassung von Heizkosten an. Mit wohnungsnahen Dienstleistungen hat Vonovia im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 57 Millionen Euro erwirtschaftet. Den Ertrag aus diesem Geschäftsfeld will Buch im laufenden Jahr "annähernd" verdoppeln.

dpa