Megafusion: Geht die Deutsche Wohnen nun doch noch an Vonovia?

Zweimal waren Übernahmeversuche gescheitert, nun scheint der Preis "stimmig" zu sein: 18 Milliarden Euro hat Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia der Nummer zwei Deutsche Wohnen geboten – und die schlägt ein. Dieses Mal könnte die Megafusion klappen. Was heißt das für den Wohnungsmarkt?

Der Bochumer Immobilienriese Vonovia, Deutschlands größter Wohnungsvermieter, und der Berliner Wohnungskonzern Deutsche Wohnen, die Nummer zwei am Markt, haben eine Grundsatzvereinbarung über eine mögliche Megafusion unterzeichnet.

Vonovia hat dem Konkurrenten am Pfingstmontagabend eine Offerte vorgelegt, die Deutsche-Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn offenbar für fair und akzeptabel hält: Mehr als 18 Milliarden Euro sind geboten 52 Euro in bar und inklusive der Dividende für 2020 von voraussichtlich 1,03 Euro sollen die Anteilseigner insgesamt 53,03 Euro pro Aktie erhalten, teilen die Unternehmen mit. Am Freitag zuvor war das Papier bei knapp 45 Euro aus dem Handel gegangen. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen wollen den Aktionären die Annahme empfehlen.

Die geplante Übernahme steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien und es bedarf noch einer fusionskontrollrechtlichen Freigabe "sowie weiterer üblicher Bedingungen". Man erwarte, dass die Freigabe noch vor Ende der Annahmefrist des geplanten Übernahmeangebots im Juni erfolge, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Abschluss des Übernahmeangebots werde bis zum 31. August angestrebt.

Vonovia & Deutsche Wohnen: Weg frei zur Fusion zu Europas größtem Wohnungskonzern

Gegen einen ersten Übernahmeversuch von Vonovia Anfang 2016 hatte sich die Deutsche Wohnen heftig gewehrt. Das Angebot lag damals bei 14 Milliarden Euro. Von einer feindlichen Übernahme war damals die Rede. 2017 sagte Deutsche-Wohnen-CFO Philip Grosse in der Online-Ausgabe der "Financial Times", das Immobilienunternehmen wäre einem neuen Angebot des Wohnungsriesen Vonovia nicht abgeneigt – vorausgesetzt, der Preis sei "stimmig".

Darauf ging wiederum Vonovia nicht weiter ein, sondern schluckte stattdessen den österreichischen Konkurrenten Conwert als eine große Transaktionen auf dem deutschen Immobilienmarkt in Erwägung zu ziehen. Anfang 2020 erwog Vonovia erneut den Kauf der Deutsche Wohnen, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg damals berichtete, doch hat von dem Vorhaben schließlich wieder Abstand genommen.

Ein Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen würden nach Angaben der Unternehmen Europas größten Wohnimmobilienkonzern mit einem Börsenwert von voraussichtlich rund 45 Milliarden Euro hervorbringen. Die beiden Großvermieter bringen es zusammen auf mehr als 500.000 Wohnungen mit einem Portfoliowert von knapp 90 Milliarden Euro.

Das neue Unternehmen soll Vonovia SE heißen und seinen Hauptsitz in Bochum behalten, aber auch von Berlin aus geführt werden. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde Vonovia-Chef Rolf Buch erklärt, Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn wird sein Stellvertreter werden. Philip Grosse (Deutsche Wohnen) soll als Finanzvorstand (CFO) im Gesamtkonzern weitermachen; dafür räumt die derzeitige Vonovia-CFOin Helene von Roeder ihren Platz und übernimmt künftig die Verantwortung für das neue Vorstandsressort Innovation und Digitalisierung. Arnd Fittkau (Vonovia) ist auch zukünftig Chief Rental Officer (CRO) und Daniel Riedl (Vonovia) bleibt Chief Development Officer (CDO).

Nach der Fusion: Die "neue" Vonovia SE bietet dem Land Berlin Wohnungen zum Kauf an

"Vonovia besitzt 40.000 Wohnungen in Berlin und die Deutsche Wohnen 110.000", erörterte Rolf Buch am 25. Mai bei einer Videokonferenz. Das zwingt scheinbar die Unternehmen dazu im Zuge der Fusion mit dem Stadtstaat zu kooperieren. Dem Berliner Senat hat Vonovia einen "Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen" angeboten.

Die Unternehmen sagten beispielsweise zu, dass reguläre Mieterhöhungen in Berlin bis 2024 auf maximal ein Prozent jährlich und in den beiden Folgejahren auf den Inflationsausgleich begrenzt werden sollen. Die Modernisierungsumlage wolle man "über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf maximal zwei Euro pro Quadratmeter" limitieren. Auch die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum wurde versprochen – auf dem frei finanzierten Wohnungsmarkt und im öffentlich geförderten Bereich, von bis zu 130.000 Wohnungen war die Rede.

Dem Land Berlin will der Konzern nach der Fusion eine signifikante Anzahl an Wohnungen aus dem Bestand der beiden Unternehmen zum Kauf anbieten. "Es gibt einen konkreten Vorschlag, dass die Stadt nochmal 20.000 Wohnungen übernehmen kann", bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Videokonferenz das Vorhaben. Mit den aktuellen Beständen und dem, was in den nächsten Jahren fertig werde, komme man dann auf 400.000 kommunale Wohnungen. "Das ist echter Einfluss auf den Wohnungsmarkt und echter Einfluss auf den Mietspiegel", sagte Müller.

Vonovia hob noch hervor, dass man nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Mietendeckel auf Mietnachzahlungen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro verzichtet und den Mietern in der Coronakrise eine Wohngarantie ausgesprochen habe. Die Deutsche Wohnen gab an, einen 30-Millionen-Euro-Corona-Hilfsfonds aufgelegt und sowohl in der Pandemie als auch nach dem Gerichtsurteil auf Miete verzichtet zu haben.


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