Rekommunalisierung: Berlin kauft Tausende Wohnungen zurück

Berlin kauft weiter Wohnungen aus privatisierten Beständen zurück. Dieses Mal sind es 2.100 Einheiten, die vom Immobilienkonzern Deutsche Wohnen an die kommunalen Degewo gehen. Währenddessen steht Ado Properties kurz vor der Fusion zum nächsten deutschen Wohnungsriesen in der Hauptstadt.

Der Wohnungsankauf sei neben dem Neubau und regulierenden Maßnahmen wie dem geplanten Mietendeckel die dritte Säule der Senatsstrategie gegen steigende Mieten, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er kündigte an, weitere ehemals privatisierte Wohnungen zurückkaufen zu wollen.

Der neueste Ankauf von der Deutsche Wohnen beinhaltet 2.142 Wohnungen plus 33 Gewerbeeinheiten in den Berliner Stadtteilen Lichterfelde, Spandau und Schöneberg. Die Gebäude wurden zwischen 1975 und 1993 von der landeseigenen Gesellschaft GSW errichtet und wurden im Jahr 2013 von der Deutsche Wohnen Gruppe übernommen. Die Degewo soll für den Rückkauf 358 Millionen Euro bezahlt haben.

Von Herbst 2020 bis Anfang 2021 sollen die Wohnungen schrittweise wieder in kommunales Eigentum übergehen. Die Degewo ist mit etwa 75.000 Einheiten im Bestand die größte der sechs städtischen Wohnungsgesellschaften in Berlin und will weiter wachsen. Das sei mit dem Senat vereinbart worden, sagte Degewo-Vorstand Christoph Beck. Für den Deal gibt es nach Angaben von Müller kein Geld vom Land.

Berlin will mit weiteren Zukäufen günstige Mieten sichern

Die börsennotierte Deutsche Wohnen, der aktuell zweitgrößte Wohnungskonzern in Deutschland hinter Vonovia, ist mit rund 110.000 Wohnungen in und um Berlin derzeit aber der größte private Vermieter in der Hauptstadtregion. Das Unternehmen war immer wieder wegen des Umgangs mit Mietern und Mieterhöhungen unter Druck geraten. Eine Initiative hat sogar ein Volksbegehren angestrebt, um die Deutsche Wohnen und andere private Wohnungskonzerne zu enteignen. Zurzeit prüft die Innenverwaltung die Zulässigkeit des Volksbegehrens.

Erst Ende September hatte die kommunale Gewobag in Spandau und Reinickendorf 5.894 Wohnungen aus den 1960 bis 1990er vom Immobilienkonzern Ado Properties gekauft. Ado hatte das Berlin-Portfolio im Jahr 2015 für 375 Millionen Euro von der GSW gekauft. Die Gewobag musste nach eigenen Angaben 920 Millionen Euro auf den Tisch legen. Geld vom Land gab es auch hier nicht.

Mit dem Rückkauf habe man "den größten Rekommunalisierungs-Ankauf in der Geschichte Berlins" abgeschlossen, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke). Fehler aus der Vergangenheit könnten nicht rückgängig gemacht werden, so Lompscher, nun gebe es aber wieder Sicherheit für die Mieter, die sie durch die zwischenzeitliche Privatisierung verloren hatten, so die Senatorin.

Wohnungswirtschaft und Opposition kritisieren "teure Ankaufspraxis"

Mit der Übernahme der ehemaligen GSW-Wohnungen hält das Unternehmen laut Gewobag-Vorstand Markus Terboven derzeit rund 68.000 Wohnungen. Ziel sei es, den Bestand in den kommenden zehn Jahren auf mehr als 80.000 Wohnungen zu erweitern. Mitte Juli hatte die Gewobag bereits rund 670 Wohnungen an der Berliner Karl-Marx-Allee zurück gekauft. Verkäuferin war die private Immobilienfirma Predac. Ein Kaufpreis wurde nicht öffentlich genannt.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hatte die Rekommunalisierung der Karl-Marx-Allee-Wohnungen wegen des Preises und eines Landeszuschusses kritisiert, weil das Geld dann dem Wohnungsneubau fehle. Man könne jeden Euro nur einmal ausgeben, sagte BBU-Vorstand Maren Kern. Auch die Opposition und der Steuerzahlerbund kritisieren die teure Ankaufpraxis des rot-rot-grünen Senats. Aus ihrer Sicht wäre das Geld für den Wohnungsneubau besser investiert. In der Zwischenzeit sind die Privaten weiter auf Konsolidierungskurs.

Adler, Ado und Consus werden zum drittgrößten deutschen Wohnungskonzern

Bewegung bringt in den Berliner Wohnungsmarkt außerdem ein neuer Player: Ado Properties, mit einem Wohnungsbestand von aktuell zirka 24.000 Wohnungen in Berlin, wird sämtliche Anteile des Konkurrenten Adler Real Estate übernehmen, wie das Unternehmen mitteilt. Außerdem wird der Berliner Projektentwickler Consus übernommen. Nach der Fusion entstünde das drittgrößte deutsche Wohnimmobilienunternehmen nach Vonovia und Deutsche Wohnen.

Formal bietet Ado den Adler-Aktionären 0,4164 neue Aktien an, das sind insgesamt 1,03 Milliarden Euro (Schlusskurs vom 13. Dezember). Verbunden sind die Unternehmen bereits: Mitte Dezember hat Adler die Ende September angekündigte Übernahme der israelischen Muttergesellschaft Ado Group für 708 Millionen Euro perfekt gemacht und hält damit indirekt 33 Prozent an Ado Properties. Das Unternehmen soll an der Börse rund 1,5 Milliarden Euro wert sein.

Adler mit einem Bestand von etwa 62.000 Wohnungen hat den Hauptsitz in Berlin, ist aber bislang vor allem im Norden und Westen Deutschlands aktiv. Nach Angaben von Adler Real Estate werden die Unternehmen zusammen auf rund 80.000 Wohnungen im Wert von mehr als 8,5 Milliarden Euro kommen.

Das fusionierte Unternehmen soll unter dem Namen Adler Real Estate Group firmieren. Die bisherigen Vorstandschefs, Adler-CEO Maximilian Rienecker und Ado-CEO Thierry Beaudemoulin, sollen eine Doppelspitze bilden.


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dpa