E-Learning

E-Learning und digitale Lernmedien sind wichtige Bestandteile einer zeitgemäßen Weiterbildungsstrategie im Unternehmen. Was verbirgt sich hinter den Begriffen? Welche Möglichkeiten gibt es? Unsere Themenseite bietet einen Überblick.

Die Mitarbeiter mit neuen Compliance-Richtlinien vertraut machen, regelmäßig in IT-Sicherheit schulen oder das neue Projekt mit einem Webinar einführen: In vielen Bereichen wird mit E-Learning schnell das nötige Wissen bereitgestellt, um die Mitarbeiter bei alltäglichen Aufgaben bestmöglich zu unterstützten. Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus, E-Learning im Unternehmen einzusetzen und als festen Bestandteil der Weiterbildungsstrategie zu implementieren? 


Serie 24.11.2020 Die Zukunft der Weiterbildung im öffentlichen Dienst

Serie 09.11.2020 Die Zukunft der Weiterbildung im öffentlichen Dienst

Was ist E-Learning?

Die E-Learning-Anbieter sind sich einig: In einer Studie des MMB-Instituts in Essen zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den E-Learning-Markt stimmen alle 64 befragten Anbieter zu, dass die berufliche Bildung und Weiterbildung nachhaltig digitaler wird. Konkret rechnen 66 Prozent mit einem Anstieg im Geschäftsfeld der Beratungsdienstleistungen, aber auch im Verkauf oder in der Vermietung von (Software-)Tools, im Angebot von digitalen Lerninhalten und auch im Erstellen von Lerninhalten erwartet der überwiegende Großteil (jeweils 58 Prozent) ein Wachstum (mehr zu der Trendprognose lesen Sie in "wirtschaft+weiterbildung 05/2020"). Die Krise beschleunigt damit einen Trend, der schon seit einigen Jahren beschrieben wird: Das Lernen, insbesondere im Beruf, wird immer häufiger durch E-Learning unterstützt. Formen des digitalen Lernens werden somit zum festen Bestandteil von Learning and Development.

Die Vorteile von E-Learning für Unternehmen und Mitarbeiter liegen auf der Hand. Beim E-Learning haben Lernende Zugriff auf Lerninhalte in digitaler Form – über digitale Lernmedien wie Videos, Web-Based-Trainings (WBT) oder Webkonferenzen. Auch der Lernfortschritt wird über digitale Tools oder Tests ermittelt. Somit ist das Lernen flexibel, zeit- und ortsunabhängig möglich und die Lernenden können selbst ihr Lerntempo bestimmen. Diese Unabhängigkeit sorgt auch für eine hohe Akzeptanz der Lernmethoden seitens der Lernenden, wie eine Studie zeigt.

E-Learning und Blended Learning

E-Learning wird häufig in Kombination mit klassischen Präsenzformaten (Workshops oder Schulungen) oder Webinaren eingesetzt. Bei dieser Mischung von Lernformaten, die auch als Blended Learning (aus dem Englischen "blend": vermischen) bezeichnet wird, kommt es darauf an, die verschiedenen eingesetzten Formate und Methoden aufeinander abzustimmen. Bei Präsenzveranstaltungen können beispielsweise der gegenseitige Austausch von Erfahrungen, persönliche Entwicklungsziele und gemeinsame Diskussionsrunden fokussiert werden, während Wissensmanagement und Informationsverarbeitung in E-Learning-Formaten und im digitalen Austausch stattfinden kann. Wegen dieser Integration der jeweiligen Vor- und Nachteile wird Blended Learning im Deutschen auch als "integriertes Lernen" bezeichnet.

Der Ansatz von Blended Learning war jahrelang maßgeblich für die Entwicklung von Weiterbildungskonzepten und ist immer noch von großer Bedeutung, auch wenn inzwischen Lernvideos und Kommunikationstools stärker im Trend liegen. Inzwischen sind verschiedene digitale Formate so weit etabliert, dass sie als selbstverständlicher Bestandteil von Weiterbildungskonzepten begriffen werden können. So sieht der überwiegende Großteil der Mitglieder des Wuppertaler Kreises (einem Zusammenschluss verschiedener Bildungswerke und privatwirtschaftlicher Akademien und Weiterbildungsanbieter) einer Befragung aus dem Jahr 2019 zufolge die Digitalisierung ihrer Angebote als unabdingbar und die digitale Integration in Prozesse der Personalentwicklung als Erfolgsrezept. Die Kolumnistin Gudrun Porath spricht in diesem Zusammenhang von einer Ehe zwischen E-Learning und Weiterbildung und meint, dass Weiterbildung künftig gleichbedeutend für digitale Lernformen stehen wird. Weitere E-Learning-Trends, die für die Personalentwicklung Bedeutung haben, sind zum Beispiel Gamification, individualisiertes Lernen und die zunehmende Relevanz von digitalen Führungskompetenzen.

Wie funktioniert E-Learning?

Um E-Learning wirksam im Unternehmen und in der Weiterbildung einzusetzen, ist es zunächst wichtig, die entsprechenden Lernformate und Methoden in die unternehmerische Weiterbildungsstrategie einzubinden. Denn häufig scheitern Initiativen zur Digitalisierung der Personalentwicklung daran, dass die durchgeführten Maßnahmen nicht zum tatsächlichen Bedarf seitens des Unternehmens oder seitens der Lernenden passen, sodass die eigentlichen Herausforderungen nur ungenügend adressiert werden. Damit die Weiterbildung auf die tatsächlichen Entwicklungsziele einzahlt und somit einen nachhaltigen Lernprozess unterstützt, müssen nicht nur die Inhalte sondern auch die Lernformate auf die jeweiligen Ziele und Anforderungen abgestimmt werden. Lesen Sie dazu auch den Beitrag "So geht digitales Lernen".

Bei verschiedenen E-Learning-Formaten kann unterschieden werden, ob der Lernprozess komplett selbst gesteuert wird oder ob es sich um Formate handelt, die zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden. Live-Formate, zu denen beispielsweise Videokonferenzen, virtuelle Klassenräume oder Webinare gehören, stützen sich dabei auf synchrone Kommunikation und versuchen somit die Vorteile von Präsenzschulungen digital abzubilden. Selbstbestimmte Lernformen nutzen entweder gar keine Interaktion unter den Lernenden oder sie nutzen Formen der asynchronen Kommunikation wie Chatkanäle, gemeinsam zu bearbeitende Cloud-Dokumente oder Diskussionsforen zum Austausch unter den Lernenden oder zwischen Lernenden und Lehrenden.

Was sind digitale Lernmedien?

Als digitale Lernmedien finden verschiedene Medien Verwendung, die in unterschiedlichen Formen aufbereitet werden können. Je nach Lerntyp und Entwicklungsziel kommen beispielsweise die folgenden Lernmedien infrage:

  • Video- oder Audioinhalte,
  • schriftliche Lernmaterialien wie E-Books oder Online-Texte,
  • interaktive E-Learnings,
  • Webinare oder virtuelle Klassenräume,
  • spielerische Elemente wie ein Quiz,
  • Simulationen,
  • Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Anwendungen,
  • offene Online-Kurse mit verhältnismäßig großer Teilnehmerzahl, sogenannte Massive Open Online Courses (Moocs).

Zum Erreichen eines Lernziels werden häufig verschiedene Formate mit unterschiedlichen (Teil-)Inhalte aufbereitet und zu einem themenbezogenen Lernpfad zusammengestellt. Häufig werden die verschiedenen Lerninhalte und Lernpfade auf einer zentralen E-Learning-Plattform für die Lernenden angeboten. Im Zentrum steht dabei häufig ein Learning-Management-System (LMS) oder eine Learning-Experience Plattform. Eine Übersicht verschiedener Softwareanbieter bieten das Haufe Anbieterverzeichnis sowie das Personalmagazin 02/2020. Steffen Peters erläutert außerdem im Interview mit der Haufe Online-Redaktion, wie der Heizungsbauer Viessmann eine Learning Experience Plattform als "Zuhause" für das Lernen aufbaut.

Darüber hinaus können auch Tools für die digitale Zusammenarbeit, zum Beispiel Webkonferenzen, digitale Whiteboards oder Messengerdienste, im Lernen und in Workshops eingesetzt werden. Je nach digitalem Reifegrad des Unternehmens kommen dabei unterschiedliche Tools für digitales Upskilling zum Einsatz.

Wann ist E-Learning sinnvoll?

Da die Lerninhalte für die Formate des E-Learnings aufbereitet werden müssen, bietet sich ein klassisches E-Learning insbesondere bei stark standardisierten Inhalten wie Compliance-Richtlinien, Sicherheitsunterweisungen oder bei der Vermittlung von Grundlagenwissen an. Adaptive Lernsysteme passen sich an den Wissensstand, das Lernziel und die Lerngeschwindigkeit des Lernenden an und ermöglichen, E-Learning stark individualisiert auszuspielen. Die Technologie geht so weit, dass sie sich auf die Lernvorlieben einstellen kann und Inhalte dementsprechend aufbereitet und zum Beispiel als Video oder mit Frage-Antwort-Spielen wiedergibt. Über interaktive Formate wie Webinare oder Online-Coachings können auch Soft Skills, Führungskompetenzen oder andere persönliche Lernziele angestrebt werden.

Nicht immer werden die Möglichkeiten des E-Learnings voll ausgeschöpft. So bemängelt ein Großteil (45 Prozent) der Lernenden in einer Studie aus dem Jahr 2018, dass die Lerninhalte häufig nicht auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten seien, was sich negativ auf die Wirksamkeit von E-Learning auswirkt. In der Studie werden nicht nur die fehlende Qualität oder Passgenauigkeit von Inhalten kritisiert, 25 Prozent der Befragten klagen sogar über größtenteils irrelevante Inhalte.

Die Akzeptanz und Wirksamkeit sowie das Learner-Engagement fördern vielseitige Lernmedien, die alle Bedürfnisse optimal abdecken. Darüber hinaus muss der Lerninhalt passgenau kuratiert werden, regelmäßig auf seine Bedeutung hin überprüft und bei Irrelevanz gelöscht werden. Individuell erstellter und auf das eigene Unternehmen zugeschnittener Content ist deshalb häufig vorzuziehen. Wie auch die Mitarbeitenden selbst an der Erstellung von Inhalten beteiligt werden können, zeigt eine Fallstudie des Swiss Competence Centre for Innovations in Learning (Scil) an der Universität St. Gallen, über die das Personalmagazin 02/2020 berichtet.


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