KI dominiert den Bildungsmarkt – und verschiebt Kräfteverhältnisse
Die wirtschaftliche Lage der digitalen Bildungswirtschaft wird von den befragten Expertinnen und Experten insgesamt etwas positiver bewertet als im Vorjahr. Gleichzeitig verschieben sich die Kräfteverhältnisse im Markt weiter. Die Aussichten für internationale Bildungsplattformen und Ed-Tech-Startups werden weiterhin am besten bewertet, während traditionelle E-Learning-Anbieter zwar als stabil gelten, aber seit Jahren an Bedeutung verlieren.
MMB Learning Delphi: Lernfunktionen zunehmend in Arbeitsprozesse integriert
Das MMB Learning Delphi ist eine jährliche Trendstudie des MMB Instituts, die seit über 20 Jahren prognostiziert, wie sich das digitale Lernen in der beruflichen Bildung künftig entwickelt.
Auffällig ist ein struktureller Trend: Immer mehr Aufgaben, die bislang von klassischen E-Learning-Anbietern übernommen wurden, werden durch allgemeine KI-Systeme abgedeckt. Große Technologieunternehmen könnten damit künftig eine noch stärkere Rolle im Bildungsmarkt einnehmen. Anbieter und Personalentwickler müssen sich darauf einstellen, dass zentrale Lernfunktionen zunehmend außerhalb klassischer Lernsysteme entstehen – und stärker in Arbeitsprozesse integriert werden.
Chatbots setzen sich bei Lerntechnologien klar an die Spitze
Bei den Lerntechnologien bleibt die Entwicklung eindeutig: Chatbots und KI-basierte Lernassistenten dominieren das Feld. 95 Prozent der Befragten sehen sie als zentral für die kommenden drei Jahre. Gleichzeitig verlieren klassische Formate an Zustimmung. Video-Tutorials und Microlearning-Angebote werden deutlich kritischer bewertet als noch im Vorjahr – ein möglicher Hinweis darauf, dass generative KI stärker auf individuelle Lernbedürfnisse eingeht als vorgefertigte Inhalte.
Stabil bleiben dagegen etablierte Konzepte wie Blended Learning und Adaptive Learning. Sie unterstreichen die weiterhin wichtige Rolle menschlicher Interaktion im Lernprozess. Für L&D-Funktionen ergibt sich daraus eine Verschiebung: Der Fokus verlagert sich von der Produktion von Lerninhalten hin zur Gestaltung von Lernkontexten und zur Integration von Unterstützungssystemen in den Arbeitsalltag. Neuere KI-gestützte Videos, die etwa den Einsatz von Realtime-Avataren und Interaktion ermöglichen, wurden in diesem Delphi noch nicht berücksichtigt.
KI-Anwendungen dominieren auch wirtschaftlich
Auch bei der Einschätzung des wirtschaftlichen Potenzials führen KI-basierte Anwendungen das Ranking an. Erstmals stehen Chatbots und Lernassistenten mit deutlichem Abstand auf Platz eins, gefolgt von Adaptive Learning. Bemerkenswert ist das Comeback des Blended Learning: Nach Jahren an der Spitze und zwischenzeitlichem Rückgang gewinnt das Konzept wieder an Bedeutung. Anbieter, die klassische Lernformate mit KI kombinieren, dürften davon profitieren.
Deutliche Verluste verzeichnen dagegen Video-Tutorials sowie Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen. Damit zeigt das Delphi, dass sich Investitionen weg von isolierten Content-Formaten hin zu integrierten, KI-gestützten Lernarchitekturen verschieben..
Lernthemen: KI bleibt das zentrale Thema
Inhaltlich steht Künstliche Intelligenz weiterhin an erster Stelle der relevanten Lernthemen, gefolgt von Future Skills und IT-bezogenen Kompetenzen. Themen wie Nachhaltigkeit oder Compliance verlieren dagegen an Bedeutung – ein Trend, der laut der Studie auch mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen korrespondiert.
Für Unternehmen bedeutet das eine klare Priorisierung: Der Aufbau von KI-Kompetenz wird zur zentralen Aufgabe der Weiterbildung, ergänzt durch Fähigkeiten wie Problemlösen, kritisches Denken und Medienkompetenz.
Prüfungen: Klassische Formate verlieren an Vertrauen
Ein besonders deutlicher Wandel zeigt sich bei den Prüfungsformaten. Klassische schriftliche Prüfungen gelten im Kontext generativer KI zunehmend als wenig verlässlich. Stattdessen gewinnen synchrone und praxisnahe Formate an Bedeutung – etwa mündliche Prüfungen oder praktische Demonstrationen. Diese ermöglichen eine direktere Bewertung von Kompetenzen, sind aber organisatorisch aufwendiger. Für die betriebliche Weiterbildung heißt das: Kompetenznachweise müssen stärker an beobachtbare Leistung und Interaktion gekoppelt werden – auch wenn dies höhere organisatorische Anforderungen mit sich bringt.
Regulierung: Klare Defizite beim KI-Einsatz
Beim regulatorischen Rahmen sehen die Befragten deutlichen Nachholbedarf. Besonders kritisch bewertet werden Fragen des Urheberrechts und der Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Beim Datenschutz gehen die Einschätzungen auseinander: Während ein Teil der Expertinnen und Experten weitere Regelungen fordert, sieht ein anderer bereits eine Überregulierung.
Für Organisationen ergibt sich daraus ein doppelter Handlungsbedarf: Sie müssen eigene Governance-Strukturen entwickeln und gleichzeitig mit regulatorischen Rahmenbedingungen umgehen, die sich weiterentwickeln.
KI zwischen Effizienz und Risiko
Trotz aller Dynamik bleibt die Bewertung der KI ambivalent. Einerseits erwarten 77 Prozent der Befragten eine zeitliche Entlastung für Lehrende. Andererseits rechnen 75 Prozent mit sogenannten Deskilling-Effekten, also dem Verlust wichtiger Kompetenzen durch KI-Nutzung. Zudem gehen viele davon aus, dass die Qualitätskontrolle KI-generierter Inhalte zusätzlichen Aufwand verursacht.
Für die Praxis bedeutet das: Der Einsatz von KI erfordert neue Rollen und Prozesse – insbesondere für Qualitätssicherung, kuratierende Tätigkeiten und die didaktische Einordnung von KI-generierten Inhalten. An dieser Stelle zeigt sich einmal mehr, wie die Entwicklung der Technologie selbst die Einschätzung der Expertinnen und Experten überholt. Mittlerweile haben einige Anbieter Tools in der Pipeline, die auch die Überprüfung und Aktualisierung von Inhalten mittels KI-Agenten übernehmen.
Die detaillierten Ergebnisse des Trendmonitors 2025/2026 können Sie hier als PDF abrufen.
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