20.02.2017 | Serie Betriebliche Gesundheit managen - Tipps für die Praxis

Die Rolle des Betriebsarzts im BGM

Serienelemente
Arbeitsmedizinische Untersuchungen gehören ebenso zum Spektrum des Betriebsarztes wie die Beratung beim Aufbau eines Gesundheitsmanagements und dessen Begleitung.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im betrieblichen Gesundheitsmanagement spielen Betriebsärzte eine wichtige Rolle. Sie können die notwendigen Gesundheitsprozesse aufgrund ihrer zentralen Position an der Schnittstelle zwischen Individuum und Betrieb am besten initiieren, umsetzen und begleiten.

Die Verpflichtung zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit, das im Arbeitsschutzgesetz vorgesehene Verfahren der Gefährdungsbeurteilung und die stärkere Einbindung der Beschäftigten in den Arbeitsschutz haben Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung in eine enge Beziehung gebracht. Arbeitsmediziner stellen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz für die ihnen anvertrauten Mitarbeiter in den Mittelpunkt all ihrer Bemühungen.

Ein modernes Konzept des betrieblichen Gesundheitsschutzes integriert folgende Elemente:

  1. Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten, arbeitsbedingten Erkrankungen und Gesundheitsstörungen);
  2. Betriebliche Gesundheitsförderung: Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter;
  3. Rehabilitation (betriebliche Wiedereingliederung: Integration von Beschäftigten mit chronischen, längeren oder schweren Erkrankungen, mit Behinderung und Leistungsbeschränkungen sowie nach Unfällen).

Betriebsarzt und Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) verknüpft den klassischen Arbeits- und Gesundheitsschutz mit gegebenenfalls  bestehenden Arbeitsschutzmanagementsystemen, bildet den Rahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung und fördert das Betriebliche Eingliederungsmanagement. Zentrale Aufgabe ist die systematische Koordination und gezielte Weiterentwicklung betrieblicher Rahmenbedingungen sowie die Schaffung von Angeboten für Beschäftigte und Führungskräfte zur Förderung von Verantwortung, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit.

Betriebsarzt: Expertenwissen praktisch eingesetzt

Der Betriebsarzt ist meist der einzige Mensch im Unternehmen mit medizinischer Fachkompetenz. Gleichzeitig haben moderne Betriebsärzte das Thema Salutogenese genauso in ihr Expertenwissen integriert wie die Pathogenese. Sie wissen also, was zu Krankheit führen kann – und was gesund hält. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement ohne betriebsärztliche Beteiligung bleibt unvollständig. Dieses Wissen sollte folgende Themen beinhalten:

  1. Kosten-Nutzen-Daten beim Thema Gesundheitsmanagement – welche Maßnahmen sind wirklich wirksam?
  2. Beratung bei der Planung und Ausgestaltung der Strukturen und Inhalte des Gesundheitsmanagements.
  3. Teilnahme am Steuerkreis Gesundheit, gegebenenfalls Moderation von Gesundheitszirkeln.
  4. Mitwirkung bei der Auswertung von Gesundheitsberichten der Krankenkassen.
  5. Motivierende Gesprächsführung bei jedem persönlichen Kontakt zur Teilnahme an Gesundheitsmaßnahmen.
  6. Initiierung und Begleitung von Gesundheitstagen, betrieblicher Kommunikation zum Thema Gesundheit zum Beispiel durch Info-Blätter, Betriebszeitungen und Intranet.
  7. Beurteilung und ggf. Zusammenarbeit mit externen Anbietern von Maßnahmen der Gesundheitsförderung in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung, Raucherentwöhnung.
  8. Unterstützung und Mitgestaltung einer regelmäßigen Evaluation der durchgeführten Maßnahmen und entsprechende Berichterstattung.

Nutzen betriebsärztlichen Handelns

Betriebsärztliche Betreuung ist nicht allein eine durch gesetzliche Regelungen begründete Verpflichtung. Gesundheit und Arbeitsfähigkeit sowie Leistungsfähigkeit der Beschäftigten sind wichtige Voraussetzungen für den Unternehmenserfolg. Betriebsärzte leisten gleichzeitig einen Beitrag für die Primär- und Sekundärprävention eines wesentlichen Teiles der Bevölkerung. Gerade die Altersklasse der 20- bis 49-jährigen hat häufig keinen Hausarzt und somit keinen kompetenten Ansprechpartner zum Thema Gesundheit und Krankheit. Häufig ist der Betriebsarzt die einzige Person im Betrieb, die bei psychomentalen und psychosozialen Belastungen kenntnisreich unterstützen und vermitteln kann.

Betriebsarzt als Vermittler bei Konflikten

Es hat sich gezeigt, dass ein Betriebsarzt, dessen neutrale Rolle im Betrieb durch das Gesetz garantiert ist, in der Vermittlung zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bei Konflikten eine sehr segensreiche Rolle spielen kann. Nicht selten kommt es vor, dass Führungskraft und Mitarbeiter nur einmal respektvoll miteinander reden müssen, um viele – wenn nicht gar die meisten – Probleme am Arbeitsplatz aus dem Weg räumen und zumindest eine gute Arbeitsbeziehung erreichen zu können. Dabei ist es im ersten Schritt gelegentlich nützlich, dass weder der Personalbereich noch der Betriebsrat beteiligt sind.

Betriebsarzt im Demografiemanagement: Konkrete Maßnahmen

Aufgrund des demografischen Wandels und der dazu geschaffenen Rahmenbedingungen gewinnen Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter für die Unternehmen eine immer größere Bedeutung. Gezielte Unterstützungsangebote wie Trainingsmaßnahmen und altersorientierte Angebote zur Gesundheitsförderung sollten frühzeitig beginnen, bevor erhebliche Einschränkungen der Produktivität und Lebensqualität eintreten. Dafür sind konkrete Maßnahmen erforderlich:

  1. Beteiligung bei der Bewertung von betrieblichen Altersstrukturanalysen.
  2. Altersbezogene Auswertung und Interpretation des Krankheitsgeschehens.
  3. Beratung der Unternehmen zum Einsatz älterer Beschäftigter.
  4. Beratung und Information zur besseren Bewältigung aller Beschäftigten.

Autor: Dr. med. Olaf Tscharnezki ist Arbeitsmediziner, Hamburg

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung aus dem Buch „Betriebliche Gesundheit managen – ein Praxisleitfaden“, Joachim Gutmann (Hrsg.),  2016, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

 

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Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Betriebsarzt

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