Betriebsärzte schlagen Alarm
Friedemann Bohlen, Facharzt für Arbeitsmedizin und Innere Medizin und Vorsitzender des Landesverbands Westfalen-Lippe im Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) beschreibt in einem Interview mit der dpa, wie sich die heutige Arbeitswelt von früher unterscheidet und wann Stress ungesund wird.
Herr Bohlen, wie unterscheidet sich die heutige Arbeitswelt von früher?
Wir haben in den letzten 10, 20 Jahren ganz erhebliche Änderungen erlebt, vom eher handwerklichen Arbeiten hin zu mehr Technik am Arbeitsplatz und zu vielen Dienstleistungen. Die Firmen verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie zunehmend flexibel sind, dass sie auch mobil sind. Und die Arbeit wird mehr, sie intensiviert und verdichtet sich. Zudem sind die Arbeitsplätze nicht mehr so sicher wie früher, dass schafft zusätzliche Beunruhigung.
Was sind die Folgen?
Die Mitarbeiter klagen im Gespräch mit den Betriebsärzten über zunehmenden Zeit- und Leistungsdruck. Sie fühlen sich überfordert, manche auch unterfordert. Und die Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen nehmen zu, das Betriebsklima ist oft nicht mehr so gut wie früher. Hinzu kommt, dass gerade Frauen durch die Doppelbelastung Beruf/Familie zunehmend beeinträchtigt werden.
Wozu führt dieser ständige Druck?
Das macht Stress, und die Symptome sind im körperlichen Bereich Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Probleme mit dem Schlafen. Im psychischen Bereich erzählen die Leute, dass sie nicht mehr die gleiche Leistung wie früher bringen können, sie sind schneller erschöpft und weniger produktiv. Im persönlichen Bereich wird geklagt, dass man sich schlechter konzentrieren kann, nervös, bedrückt oder depressiv ist.
Worin unterscheiden sich positiver Stress und negativer Druck?
Stress per se ist absolut nicht negativ. Wenn ich das richtige Maß an Belastung habe, kann mich das sogar zu Höchstleistungen anspornen. Die Belastung wird dann zu negativem Stress, wenn ich mich überfordert fühle, wenn ich den Eindruck habe, ich kann diese Belastung nicht mehr bewältigen. Dann ist der Stress schädlich. Es ist also eine Frage der richtigen Dosis.
Wie kann ich mich vor zu viel Stress schützen?
Wichtig ist zu schauen, wie ich meine Stressreaktion verringern kann. Positiv wäre zum Beispiel das Erlernen einer Entspannungstechnik oder dass ich ganz bewusst zwischendrin Pausen einplane. Dass ich auch für ausreichenden körperlichen Ausgleich sorge, also regelmäßig Sport treibe, mich gesund ernähre, genug schlafe.
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