Soziale Konflikte am Arbeitsplatz: Beispiele und Lösungen
Führungskräfte und die Fachkraft für Arbeitssicherheit stehen in der Pflicht, Konflikten mit einer offenen Unternehmenskultur vorzubeugen. Kommt es zu einer Auseinandersetzung, haben alle Parteien das Recht, gehört zu werden.
Wie entstehen soziale Konflikte am Arbeitsplatz?
Wenn es zwischen zwei oder mehreren Personen zu Spannungen kommt, die sich nur schwer lösen lassen, spricht man von einem Konflikt. Aufgrund der räumlichen Nähe, des ständigen Zusammenseins und aufgrund von unterschiedlichen Persönlichkeiten, Werten, Kulturen, Interessen oder Zielen kommt es am Arbeitsplatz oft und rasch zu Konflikten.
Vom sachlichen Anliegen über Konkurrenzdenken bis zu dem emotional geprägten Wunsch, eigene Minderwertigkeitsgefühle oder Ängste zu überspielen, von eigenen Fehlern abzulenken, sich für vermeintliche Ungerechtigkeiten zu rächen oder den betroffenen Kollegen abzuwerten, reicht die Bandbreite der Ursachen.
Diversity, also die Zusammenarbeit von Mitarbeitern, die sich in Alter, Herkunft, Geschlecht und Erfahrungshintergrund stark unterscheiden, wird derzeit als Ideal gefeiert. In der Praxis aber, so haben neuere Studien ergeben, kommt es in gemischten Teams häufiger zu Konflikten als in homogenen. Die typische Ursache solcher Konflikte beschreibt ein Begriff aus der Ethnologie: die „kulturellen Selbstverständlichkeiten“, die das Leben und Handeln von Menschen bestimmen, sind oft so unterschiedlich, dass es im Kontakt zu Missverständnissen kommt.
Last, but not least spielen Arbeitsmarkt und Konkurrenz eine Rolle. Wo Arbeitsplätze knapp sind, gehen manche Kollegen sehr weit, um den eigenen Job zu behalten.
Welche sozialen Konflikte am Arbeitsplatz gibt es?
Experten unterscheiden u. a. diese Konflikttypen:
Rollenkonflikte: Wer sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen muss, womöglich in verschiedenen Teams, empfindet häufig Rollenkonflikte.
Beispiel: Ein Mitarbeiter ist zum Chef aufgestiegen und muss nun einen alten Kollegen entlassen.
Entscheidungskonflikte: Wer im Beruf wichtige Entscheidungen treffen muss, zweifelt oft, welche Wahl die beste ist.
Verteilungskonflikte: Konkurrenz gehört zum Berufsalltag. Wer schafft den Aufstieg, kommt ins höher angesehene Team, darf zu Fortbildungen oder Messen? Verteilungskonflikte lassen sich mit Transparenz und einer fairen Zuteilung von Ressourcen am besten beilegen.
Ziel- und Wertkonflikte: Unterschiedliche Vorstellungen über Strategien, Wert- und Zielvorstellungen, die sich widersprechen, etc. sind konfliktträchtig. Wenn die „Kontrahenten“ sich darüber aussprechen, erreicht man leichter einen gemeinsamen Nenner.
Sachkonflikte: Nicht immer sind Mitarbeiter sich über Ziele, Maßnahmen und Vorgehensweise. Im Gespräch lassen Sachkonflikte sich oft lösen.
Beziehungskonflikte: Sie sind – offen oder verdeckt – bei vielen, wenn nicht sogar den meisten Konflikten präsent. Missverständnisse, Feindseligkeiten oder Konkurrenz schaukeln sich oft so auf, dass es zu einem Ausbruch kommt. Das Ereignis, an dem der Konflikt sich entzündet, muss mit dem wirklichen Grund des Konflikts nichts zu tun haben.
Wichtig: Die Person, die womöglich heftige Emotionen zeigt, ist keinesfalls für den Konflikt verantwortlich. Kollegen können andere auch mit sogenannter passiver Aggression reizen, die Unbeteiligten nicht sofort auffällt.
Beziehungskonflikte können beigelegt werden, wenn alle Beteiligten sachlich und konstruktiv kommunizieren, eventuell mit Hilfe eines Mediators.
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Lösungen von Konflikten am Arbeitsplatz
Vor allem wenn Konflikte sich hochgeschaukelt haben, glauben Beteiligte nicht an eine Lösung. Dann empfiehlt sich erst einmal diese Strategie:
- Wenn die Situation aufgeheizt ist: Time out: Mit dem Vorschlag „Es ist besser, wenn wir an dieser Stelle abbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt wieder sprechen“ lässt sich so ein Time out verabreden.
- Das klärende Gespräch: Ich- statt Du-Botschaften senden: Sobald die Wogen sich geglättet haben, ist ein sachliches Gespräch möglich. Kommunikationspsychologen raten, dabei keine Vorwürfe auszutauschen, sondern das eigene Anliegen in Ich-Botschaften zu verpacken.. Beispiel: „Ich hatte in letzter Zeit oft das Gefühl, dass Du meine Vorschläge überhörst. Das kränkt mich.“
- Empathisch sein: Was denkt und fühlt mein Gegenüber? Oft hilft es, wenn die Streitenden sich in den anderen hineinversetzen, etwa in einem Rollenspiel. Jeder Kollege spielt seinen „Gegner“ und versteht dessen Standpunkt so besser.
Weitere Methoden zum Umgang mit sozialen Konflikten
Aus Politik und Wirtschaft ist bekannt, dass sich nicht jeder Konflikt lösen lässt. Dann braucht es Diplomatie und Kompromisse, wenn man weiter zusammenarbeiten muss. Dazu gibt es sehr unterschiedliche Wege – mit und ohne Mediator:
- Durchsetzen: die eigene Meinung beibehalten.
- Nachgeben: bei Kleinigkeiten auch nicht gewollte Lösungen akzeptieren.
- Kompromiss: der Sache zuliebe auf einen Kompromiss eingehen.
Ob und wie ein Konflikt unter Kollegen sich entschärfen lässt, hängt letzten Endes von den Beteiligten ab. Lässt sich keine persönliche Lösung erreichen, können organisatorische Veränderungen, etwa eine neue Zusammenstellung von Teams, ein Ausweg sein.
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