Unentgeltliche Wertabgaben

Eine umsatzsteuerbare unentgeltliche Wertabgabe kann vorliegen, wenn ein Unternehmer aus seinem Unternehmen eine Leistung ohne die Absicht ausführt, dafür eine Gegenleistung zu erhalten.


News 15.07.2019 BFH Kommentierung

Diese Formen der unentgeltlichen Wertabgabe gibt es

Gibt ein Unternehmer einen Gegenstand unentgeltlich ab, kann dies unter den weiteren Voraussetzungen des § 3 Abs. 1b UStG zu einer Lieferung gegen Entgelt führen. Dabei können unentgeltliche Leistungen für nichtunternehmerische Zwecke ausgeführt werden, Gegenstände für den privaten Bedarf des Personals oder auch aus anderen unternehmerischen Gründen abgegeben werden. Voraussetzung ist jedoch immer, dass der Gegenstand oder seine Bestandteile ganz oder teilweise zum Vorsteuerabzug berechtigt hatte.

Bei der Ausführung unentgeltlicher sonstiger Leistungen nach § 3 Abs. 9a UStG muss unterschieden werden:

  • Verwendet der Unternehmer Gegenstände für nichtunternehmerische Zwecke, liegt eine steuerbare unentgeltliche Wertabgabe vor, wenn der Gegenstand oder seine Bestandteile beim Leistungsbezug zu einem Vorsteuerabzug berechtigt hatte.
  • Führt der Unternehmer dagegen für unternehmensfremde Zwecke oder den privaten Bedarf des Personals andere sonstige Leistungen aus, die nicht in der Verwendung von Gegenständen bestehen (z. B. insbesondere die Ausführung von Arbeitsleistungen), ist für die Steuerbarkeit der Wertabgabe nicht Voraussetzung, dass ein Vorsteuerabzug bei dem Unternehmer vorhanden war.

Die Bemessungsgrundlage der unentgeltlichen Wertabgabe

Soweit der die Leistung ausführende Unternehmer sein Unternehmen im Inland betreibt oder die Leistung von einer im Inland belegenen Betriebsstätte aus ausführt, liegt nach § 3f UStG der Ort der unentgeltlichen Wertabgabe im Inland, sodass ein steuerbarer Umsatz vorliegt. Da im Regelfall keine Steuerbefreiung einschlägig sein wird, ermittelt sich die Bemessungsgrundlage nach § 10 Abs. 4 UStG. Dabei ist zu unterscheiden, um welche Art unentgeltlicher Wertabgabe es sich handelt:

  • Wird ein Gegenstand unentgeltlich abgegeben, bestimmt sich die Bemessungsgrundlage nach dem Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten für den Gegenstand oder einen gleichartigen Gegenstand oder mangels eines Einkaufspreises nach den Selbstkosten. Dabei kommt es immer auf die Verhältnisse im Moment der Abgabe an.
  • Wird ein Gegenstand des Unternehmens für unternehmensfremde Zwecke verwendet, bestimmt sich die Bemessungsgrundlage nach den bei der Ausführung dieses Umsatzes entstandenen Ausgaben, soweit diese zu einem Vorsteuerabzug berechtigt hatten. Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind – soweit sie mindestens 500 EUR betragen – auf den maßgeblichen Vorsteuerberichtigungszeitraum nach § 15a UStG zu verteilen.
  • Führt der Unternehmer eine andere sonstige Leistung (als die Verwendung eines Gegenstands) aus, bestimmt sich die Bemessungsgrundlage nach den bei der Ausführung dieses Umsatzes entstandenen Ausgaben.

Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben

Für Sachentnahmen in bestimmten Gewerbezweigen werden jährlich Pauschbeträge als Jahresbeträge vom BMF bekannt gegeben. Ab 2019 gelten folgende Jahreswerte für eine Person (BMF, Schreiben v. 12.12.2018, IV A 4 - S 1547/13/10001 – 05):

Gewerbezweigzu 19%*zu 7%*insgesamt*
Bäckerei4041.2111.615
Fleischerei8608861.746
Gast- und Speisewirtschaften   
a) mit Abgabe von kalten Speisen1.0811.1202.201
b) mit Abgabe von kalten und warmen Speisen1.7581.6803.438
Getränke (Einzelhandel)300105405
Café und Konditorei6381.1721.810
Milch, Milcherzeugnisse, Fettwaren und Eier (Einzelhandel)79586665
Nahrungs- und Genussmittel (Einzelhandel)6781.1331.811
Obst, Gemüse, Südfrüchte und Kartoffeln (Einzelhandel)235274509

Der Steuerpflichtige hat das Recht, zu erläutern, dass die tatsächlichen unentgeltlicchen Wertabgaben zu 19 % niedriger waren als die Richtsatzwerte. In diesem Fall kann der Richtsatzwert zu 19 % nicht übernommen werden. Für Kinder (2. bis vollendetes 12. Lebensjahr) ist die Hälfte anzusetzen. Wenn Tabakwaren entnommen wurden, sind die Pauschbeträge entsprechend zu erhöhen, da diese noch nicht in den Pauschbeträgen enthalten sind.


* Jahreswert für eine Person ohne Umsatzsteuer in EUR

News 10.01.2019 BMF

Die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen für den Eigenverbrauch) 2019 wurden vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) veröffentlicht.mehr

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News 17.12.2018 BMF

Die Finanzverwaltung hat die Pausch­be­trä­ge für un­ent­gelt­li­che Wert­ab­ga­ben 2019 bekannt gegeben.mehr

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News 15.01.2018 BMF

Die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen für den Eigenverbrauch) 2018 wurden vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) veröffentlicht.mehr

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News 18.12.2017 BMF

Die Pauschbeträge für Sachentnahmen 2018 wurden bekannt gegeben. mehr

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News 24.08.2017 Betriebsprüfung

Die nächste Betriebsprüfung kommt bestimmt. Handels- und Handwerksbetriebe tun gut daran, im Vorfeld die Richtsätze der Finanzverwaltung zu kennen. Die Richtsätze sind ein Hilfsmittel für die Finanzverwaltung, Umsätze und Gewinne der Gewerbetreibenden zu verproben und ggf. bei Fehlen anderer geeigneter Unterlagen zu schätzen.mehr

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News 26.01.2017 Sachentnahmen

Das Bundesfinanzministerium hat für unentgeltliche Wertabgaben (Eigenverbrauch) neue Pauschbeträge für 2017 festgesetzt.mehr

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News 19.12.2016 BMF

Das BMF hat die für das Jahr 2017 geltenden Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) bekannt gegeben.mehr

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News 18.12.2015 BMF

Das BMF gibt die für das Jahr 2016 geltenden Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) bekannt.mehr

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News 04.12.2014 FG Kommentierung

Die unbesehene Übernahme der Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben nach der sog. Richtsatzsammlung kann nicht erfolgen, wenn der Unternehmer dargelegt hat, dass die Wertabgaben zum Regelsteuersatz niedriger gewesen sein müssen, als sich dies aus der Richtsatzsammlung ergibt.mehr

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News 28.11.2014 Steuertipp der Woche

Nutzt ein Unternehmer ein Fahrzeug seines Unternehmens für Fahrten zum Arbeitsplatz, ist das keine private Angelegenheit. Solche Fahrten müssen nach einem aktuellen BFH-Urteil daher nicht als unentgeltliche Wertabgabe versteuert werden.mehr

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News 17.10.2014 BFH Kommentierung

Die Verwendung eines dem Unternehmen zugeordneten PKW für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb erfolgt nicht für außerhalb des Unternehmens liegende Zwecke und unterliegt daher nicht der USt.mehr

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News 15.10.2014 BFH Pressemitteilung

Der XI. Senat des BFH hat entschieden, dass die Verwendung eines dem Unternehmen zugeordneten PKW für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte nicht für Zwecke erfolgt, die außerhalb des Unternehmens liegen, und mithin nicht als unentgeltliche Wertabgabe der Umsatzbesteuerung zu unterwerfen ist.mehr

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News 13.10.2014 BFH Kommentierung

Die Umsatzbesteuerung der PKW-Überlassung an einen Gesellschafter-Geschäftsführer kann anhand der ertragsteuerrechtlichen Werte geschätzt werden.mehr

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News 08.10.2014 BFH Pressemitteilung

Der XI. Senat des BFH hat entschieden, dass die Überlassung eines dem Unternehmen zugeordneten PKW an einen Gesellschafter-Geschäftsführer der Umsatzsteuer (Regelsteuersatz 19 %) unterliegt. mehr

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News 22.09.2014 BMF

Das BMF hat das lange erwartete Schreiben zur umsatzsteuerrechtlichen Behandlung von Photovoltaik- und KWK-Anlagen veröffentlicht.mehr

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News 22.04.2014 BFH Kommentierung

Kein Vorsteuerabzug wird aus einer Leistung "Kantinenbewirtschaftung" gewährt, wenn diese ausschließlich der Versorgung der Arbeitnehmer mit verbilligten Mahlzeiten dient.mehr

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Serie 20.03.2014 Praxisfall USt Unentgeltliche Wertabgaben

In einer 3-teiligen Serie zeigen wir anhand von Praxisbeispielen, welche umsatzsteuerrechtlichen Konsequenzen sich bei unentgeltlich erbrachten Leistungen ergeben können. Im 3. Teil geht es um die unentgeltliche Abgabe von Gegenständen im Rahmen einer Verkaufsförderungsmaßnahme.mehr

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Serie 18.03.2014 Praxisfall USt Unentgeltliche Wertabgaben

In einer 3-teiligen Serie zeigen wir anhand von Praxisbeispielen, welche umsatzsteuerrechtlichen Konsequenzen sich bei unentgeltlich erbrachten Leistungen ergeben können. Im 2. Teil geht es um die Nutzung und anschließende Entnahme eines Pkw durch einen Unternehmer.mehr

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Serie 13.03.2014 Praxisfall USt Unentgeltliche Wertabgaben

In einer 3-teiligen Serie zeigen wir anhand von Praxisbeispielen, welche umsatzsteuerrechtlichen Konsequenzen sich bei unentgeltlich erbrachten Leistungen ergeben können. Im 1. Teil wird zunächst die grundlegende Problematik der unentgeltlichen Wertabgaben dargestellt.mehr

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News 18.12.2013 BMF

Das BMF hat die für das Jahr 2014 geltenden Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) bekanntgegeben.mehr

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News 27.11.2013 BFH Pressemitteilung

Wenn ein Vermittler von Mobilfunkverträgen dem Kunden bei Abschluss eines Mobilfunkvertrags "kostenlos" ein Handy liefert und er hierfür vom Netzbetreiber einen Bonus erhält, muss er lt. BFH – neben der Vermittlungsprovision – (lediglich) diesen Bonus der Umsatzsteuer unterwerfen.mehr

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News 18.12.2012 BMF

Die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben werden durch die zuständigen Finanzbehörden festgesetzt. Sie beruhen auf Erfahrungswerten und bieten dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit, die Warenentnahmen monatlich pauschal zu verbuchen. Sie entbinden ihn damit von der Aufzeichnung einer Vielzahl von Einzelentnahmen.mehr

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