Anwaltshaftung

Die Beauftragung eines Rechtsanwalts ist regelmäßig auf die Erbringung einer Dienstleistung in Form eines Geschäftsbesorgungsvertrages gerichtet. Der Anwalt schuldet dabei zwar nicht den Eintritt eines bestimmten Erfolges. Er haftet dem Mandanten gegenüber aber für die ordnungsgemäße Erfüllung der Dienstleistung.  


News 22.08.2019 Anwaltshaftung

News 25.07.2019 Anwaltspostfach und Anwaltshaftung

Umfangreiche Rechtsprechung zur Anwaltshaftung

Verletzt der Anwalt schuldhaft seine Pflichten aus dem mit ihm geschlossenen Geschäftsbesorgungsvertrag, hat er dem Mandanten den daraus resultierenden Schaden zu ersetzen.

Die zur Anwaltshaftung ergangene Rechtsprechung ist ausufernd, denn dDie Gerichte müssen sich immer wieder mit Regressfällen geschädigter Mandanten befassen. Die an die Anwälte gestellten Anforderungen an die Erbringung ihrer Dienstleistung sind hoch. Die Kenntnis der aktuellen Gesetzeslage und der höchstrichterlichen Rechtsprechung wird vorausgesetzt. Nicht selten passieren daher Fehler. Gleichwohl suchen die Mandanten oft vergeblich einen Schuldigen für den erfolglosen Ausgang eines geführten Rechtsstreits. Eine Haftungsursache besteht nämlich nur, wenn der Mandant den Rechtsstreit ohne den Fehler des Anwalts gewonnen hätte.

Anwaltshaftung und Pflichten des Rechtsanwaltes

Der Anwalt ist im Rahmen der Mandatsbearbeitung nicht gehalten, selbst den Sachverhalt zu erforschen, sondern kann von den Angaben seines Mandanten ausgehen. Er muss lediglich geeignete Fragen stellen, um den Sachverhalt so zu ermitteln, dass eine Prüfung der Rechtslage möglich ist. Er hat zu prüfen, ob und ggf. auf welchem Weg das vom Mandanten gewünschte Ziel erreicht werden kann. Dabei hat er grundsätzlich den sichersten Weg zu wählen. Er muss den Mandanten umfassend rechtlich beraten und vor voraussehbaren und vermeidbaren Risiken warnen. Erfüllt er diese Pflichten nicht und resultiert dem Mandanten daraus ein Schaden, ist der Anwalt in der Haftung.

Was ist Anwaltshaftung: Definition

Unter Anwaltshaftung versteht man die Haftung des Anwalts gegenüber dem eigenen Mandanten wegen schuldhafter Pflichtverletzung aus dem Mandatsvertrag. Dagegen haftet er nicht für eine erfolgreiche Durchsetzung der möglicherweise bestehenden Ansprüche aus einem Rechtsfall.

Anwaltshaftung Schema

Was ist zu hinterfragen, um abzuschätzen, ob ein Haftungsfall vorliegt?

  • Auftragserteilung an den Anwalt zur Klageerhebung wegen einer Forderung
  • Fehler des Anwalts bei Ausführung des Auftrags
  • Infolgedessen: Abweisung der Klage
  • Nachweis erforderlich, dass der Klage ohne den anwaltlichen Fehler stattgegeben worden wäre und die Forderung beim Beklagten hätte beigetrieben werden können
  • Rechtsfolge: Schadenersatzpflicht des Anwalts in Höhe der Forderung

Verjährung der  Anwaltshaftung

Schadenersatzansprüche aus Anwaltshaftung unterliegen der regelmäßigen Verjährung von 3 Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt in dem Zeitpunkt, in dem der Mandant Kenntnis von der Pflichtverletzung des Anwalts hat oder bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt hätte haben müssen. Dies ist regelmäßig mit Erlass der klageabweisenden erstinstanzlichen Entscheidung der Fall; in dem Zeitpunkt beginnt die Verjährung zu laufen.

Anspruchsgrundlage und Haftungsumfang der Anwaltshaftung

Die Anspruchsgrundlage für die Anwaltshaftung ergibt sich aus dem als Dienstvertrag (§ 611 BGB) zu qualifizierenden Geschäftsbesorgungsvertrag i. V. m. §§ 280 ff. BGB. Zwecks Ermittlung des dem Mandanten entstandenen Schadens wird

  • ein Vergleich zwischen seiner Vermögenslage infolge der Pflichtverletzung
  • und der hypothetischen Vermögenslage ohne Pflichtverletzung

angestellt. Der geschädigte Mandant ist so zu stellen, wie er stehen würde, wenn der Anwalt seine Pflichten nicht verletzt und ihn korrekt beraten hätte.

News 24.06.2019 Frist versäumt

Der Gesetzgeber hat per Verordnung auf den 1.1.2018 entschieden, dass mehrere elektronische Dokumente nicht mit einer gemeinsamen qualifizierten elektronischen Signatur übermittelt werden dürfen (§ 4 Abs. 2 ERVV). Das hat fatale Folgen, wenn ein wichtiger Schriftsatz auf diesem Wege zum Gericht gelangt, hat sich aber nur langsam rumgesprochen. Nach BSG, BVerwG und BAG bestätigte nun auch der BGH diese geänderte Rechtslage.mehr

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News 01.04.2019 BGH zu anwaltlicher Organisation

Zwar wird der Kanzleialltag immer elektronischer, bei der Fristenkontrolle ist jedoch nach einem aktuellen Beschluss des BGH Papier weiter wichtig und ein Ausdruck vom elektronischen Fristenkalender unerlässlich. Nur so sei hohe Sicherheit für eine Fristenwahrung zu gewährleisten und ein anwaltliches Organisationsverschulden vermeidbar.mehr

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News 18.03.2019 Zugang eines Kündigungsschreibens

Vertrauen ist grundsätzlich gut, aber seitens des Anwalts gegenüber Aussagen seiner Mandanten nicht angebracht. Bei Informationen zu Rechtstatsachen darf kein juristisches Wissen vorausgesetzt werden. Nach sorgfältigem Befragen muss der Anwalt selbst die rechtlichen Schlüsse ziehen. Es ging um den Zugang eines Kündigungsschreibens.mehr

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News 12.03.2019 Rechtsmittelfristen

Der BGH zeigt gelegentlich deutlich Härte gegenüber Rechtsanwälten in Sachen Fristversäumnis: Weil die Unterschrift unter dem Schriftsatz zur  Begründung der Berufung dermaßen bleich war, dass sie auf  der Telefaxkopie nicht erkennbar war, galt die Frist als versäumt. Es half auch nicht, dass das nach Fristablauf eingehende Original eine Unterschrift trug.mehr

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News 08.02.2019 Fristversäumnis

Mandanten haften für ihre Anwälte. Das bekam eine Frau in einer familienrechtlichen Sache zu spüren, deren Anwältin bzw. deren Büropersonal gleich mehrere Formfehler bei einer Berufungsbegründungs-Fristverlängerung unterliefen. Die Anwältin hatte den Antrag während ihres Urlaubs ihrer Kanzleiangestellten zur Unterschrift überlassen. Diese steuerte weitere Fehler bei. mehr

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News 13.04.2017 Auskunftspflicht

Nicht nur der Rechtsanwalt selbst, auch die Rechtsanwaltskammer ist verpflichtet und auch berechtigt, unzufriedenen Mandanten auf Antrag Auskunft über Berufshaftpflicht und Versicherungsnummer eines Anwalts für die Verfolgung von Regressansprüchen zu geben. Das ergibt sich u. a. aus der BRAO.mehr

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News 27.07.2016 Anwaltshaftung

Der BGH hat die Schadensersatzklage des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, gegen die Kanzlei Gleiss Lutz abgewiesen. Der Grund: Mandant der Kanzlei im Zusammenhang mit dem Kauf der EnBW-Anteile war allein das Land. Mappus sei nicht in den Schutzbereich des Vertrages einbezogen gewesen.mehr

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