Beitragssätze zur Sozialversicherung

Einer Studie des Steuerzahlerbunds zufolge arbeiten die Bundesbürger erst vom 15. Juli, 21.56 Uhr an in die eigene Tasche. Rein rechnerisch ging die bisherige Arbeitsleistung des Jahres 2019 komplett für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge drauf.

Ein durchschnittlicher Haushalt muss dem Bericht zufolge mehr als die Hälfte (53,7 Prozent) des Einkommens an den Staat abführen. Bei Alleinstehenden sei die Belastung gravierender. Sie arbeiten erst ab Freitag, 19. Juli, für das eigene Portemonnaie, größere Familien dagegen schon fünf Tage früher. Der Steuerzahlerbund forderte, die Belastung müsse auf unter 50 Prozent fallen, etwa durch die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags, einen niedrigeren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und langsamer ansteigende Steuertarife. Grund genug, einen Blick auf die aktuellen Sozialversicherungsbeiträge zu werfen. 

Krankenversicherung

Der allgemeine Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung liegt aktuell bei 14,6 Prozent. Haben Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung keinen Anspruch auf Krankengeld gilt der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 Prozent. Bei versicherungspflichtig Beschäftigten wird der Beitrag hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Für Minijobber gelten besondere Beitragsätze

Durchschnittlicher und individueller Zusatzbeitrag (Krankenversicherung)

Neben dem allgemeinen und ermäßigten Beitragssatz gehört auch der Zusatzbeitrag als originärer Teil zum Krankenversicherungsbeitrag. Dieser ist jedoch gesondert zu berechnen und auch gesondert im Beitragsnachweis auszuweisen. Beim Zusatzbeitrag ist zwischen dem durchschnittlichen und den Kassen(individuellen) Zusatzbeitrag zu unterscheiden. Wann der durchschnittliche Zusatzbeitrag zu entrichten ist und wie hoch er ist, lesen Sie hier. Krankenkassen können einen individuellen Zusatzbeitrag erheben, sofern sie ihren Finanzbedarf durch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht decken können. Die Höhe des kassenindividuellen Zusatzbeitrag legt jede Kasse selbst fest. Eine Übersicht der kassenindividuellen Zusatzbeiträge finden Sie hier.

Pflegeversicherung

In der sozialen Pflegeversicherung beträgt der Beitragssatz seit dem 1. Januar 2019 bundeseinheitlich 3,05 Prozent. Für Beamte gilt immer nur der halbe Beitragssatz. Mitglieder der sozialen Pflegeversicherung, die 

  • keine Kinder haben,
  • ab dem 1. Januar 1940 geboren sind und
  • das 23. Lebensjahr vollendet haben,

müssen einen Beitragszuschlag in Höhe von 0,25 Prozent zahlen.

Nach der letzten Beitragssatzerhöhung soll der Beitrag zur Pflegeversicherung laut Bundesregierung bis 2022 stabil bleiben.

Rentenversicherung

Wann der Beitrag zur Rentenversicherung zu reduzieren oder zu erhöhen ist, ist gesetzlich festgelegt. Ausgangswert ist dabei die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage. Aktuell bewegt sich die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung mit 38,2 Milliarden Euro in etwa auf Vorjahresniveau. Mehr zum aktuellen Rentenversicherungsbeitrag und der Entwicklung erfahren Sie hier.

Arbeitslosenversicherung

Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wurde zum 1. Januar 2019 auf 2,5 Prozent gesenkt. Zuvor lag der Beitrag bei 3 Prozent.

Unfallversicherung

In der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es keinen vergleichbaren Beitragssatz wie bei den übrigen Sozialversicherungszweigen. Die Beitragshöhe zur Unfallversicherung richtet sich nach 

  • dem Entgelt der Versicherten und
  • dem Grad der Unfallgefahr im jeweiligen Unternehmen.

Insolvenzgeldumlage 

Mit wenigen Ausnahmen ist die Insolvenzgeldumlage von allen Arbeitgebern für jeden Arbeitnehmer zu zahlen. Für die Umlagepflicht ist die Größe, Branche und Ertragslage des Betriebes irrelevant. Welche Ausnahmen es gibt und welcher Prozentsatz als Insolvenzgeldumlage zu entrichten ist, lesen Sie in dieser News

Umlage U1/U2 (Arbeitsunfähigkeit und Mutterschutz)

Die Sätze der Umlage U1/U2 ergeben sich aus den Satzungen der jeweiligen Krankenkasse. Die Umlage U1 finanziert das Ausgleichsverfahren für die Arbeitgeberaufwendungen bei Arbeitsunfähigkeit. Bei Mutterschutzleistungen, die der Arbeitgeber aufwendet, erfolgt der Ausgleich durch die Umlage U2.
Im Top-Thema Umlageverfahren bei Krankheit und Mutterschaft finden Sie alle weiteren Informationen zum Thema.

Künstlersozialabgabe 

Unter bestimmten Voraussetzungen müssen Arbeitgeber Künstlersozialabgabe entrichten, sofern sie künstlerische oder publizistische Leistungen in Anspruch nehmen. Der Abgabesatz liegt seit dem 1. Januar 2018 bei 4,2 Prozent. Ob Sie als Arbeitgeber die Künstlersozialabgabe entrichten müssen und aus welchem Entgelt die Abgabe zu berechnen ist, erfahren Sie im Top-Thema Künstlersozialabgabe.

Sozialversicherungsbeitrag: Tabelle

 Beitragssätze 2018Beitragssätze 2019Beitragssätze 2020 (voraussichtlich)
Krankenversicherung   
- allgemeiner Beitragssatz14,6 %14,6 %14,6 %
- ermäßigter Beitragssatz14,0 %14,0 %14,0 %
- durchschnittlicher Zusatzbeitrag1,0 %0,9 %1,1 %/1,2 %
- kassenindividueller Zusatzbeitrag individuellindividuell
Pflegeversicherung2,55 %3,05 %3,05 %
- Zusatzbeitrag0,25 %0,25 %0,25 %
Rentenversicherung18,6 %18,6 %18,6 %
Arbeitslosenversicherung3,0 %2,5 %2,5 %

Umlage Arbeitsunfähigkeit (U1)

Minijob-Zentrale

individuell

0,9 %

individuell

0,9 %

individuell

0,9 %

Umlage Mutterschaftsleistungen (U2)

Minijob-Zentrale

individuell

0,24 %

individuell

0,19 % (seit 1.6.2019)

individuell

0,19 %

Künstlersozialabgabe4,2 %4,2 %

4,2 %

Insolvenzgeldumlage0,06 %0,06 %0,06 %