Faktor F: Beiträge für Midijobber richtig berechnen

Aufgrund der Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrages in der Krankenversicherung ändert sich der Faktor F. Dieser Wert beeinflusst die Formel zur Berechnung der Beiträge im Übergangsbereich. Wie Midijobber von der besonderen Beitragsberechnung profitieren und was dabei zu beachten ist.

Midijobber sind Arbeitnehmer mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 1.300 Euro. Diese Verdienstspanne fällt in den sogenannten Übergangsbereich, in dem das beitragspflichtige Arbeitsentgelt über eine aufwendige Formel ermittelt wird. Diese Arbeit erledigen heute komfortable Midijob-Rechner. Wesentlicher Parameter der Formel ist der Faktor F, der sich an der Höhe des Gesamtsozialversicherungsbeitrags orientiert.

Midijob: Ermittlung Faktor F

Der Faktor F ergibt sich, wenn der Wert 30 Prozent durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres, in dem der Anspruch auf das Arbeitsentgelt entstanden ist, geteilt wird. Da der durchschnittliche Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2021 erhöht wird, ergibt sich folgende Berechnung des Faktors F für Entgeltabrechnungszeiträume ab 1. Januar 2021:

Krankenversicherung (allgemeiner Beitragssatz):14,60 %
Krankenversicherung (durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz):1,3 % (2020: 1,1 %)
Rentenversicherung:18,60 %
Arbeitslosenversicherung:2,4 %
Pflegeversicherung:3,05 %
Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz:  39,95 % (2020: 39,75 %)
Faktor F 2021 (30 : 39,95):0,7509 (2020: 0,7547)

Neue Formel im Übergangsbereich ab 2021

Die gekürzte Formel des Übergangsbereichs für das Jahr 2021 lautet: ​1,131876 x Arbeitsentgelt - 171,43941 

Mit dieser Formel ist die reduzierte beitragspflichtige Einnahme zu ermitteln. Diese bildet die Berechnungsgrundlage für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Beispiel:

Arbeitsentgelt: 650,00 Euro

Reduzierte beitragspflichtige Einnahme: 564,28 Euro (1,131876 x 650 Euro - ​171,43941)     

Drei Schritte zur richtigen Beitragsberechnung für Midijobber

Die Beitragsverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfolgt für jeden Versicherungszweig in drei Schritten:

  1. Berechnung des Gesamtbeitrags ausgehend von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme (hier: 564,28 Euro).
  2. Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitgebers ausgehend vom tatsächlichen Arbeitsentgelt (hier: 650 Euro).
  3. Berechnung des Arbeitnehmeranteils durch Abzug des Arbeitgeberanteils vom Gesamtbeitrag.

In Schritt 1 wird der Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung bei Kinderlosigkeit (0,25 Prozent) von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme gesondert berechnet und dem Gesamtbeitrag hinzugerechnet. Über die Berechnung nach Schritt drei trägt diesen am Ende dann auch der Arbeitnehmer.

Beispiel zur Berechnung des Rentenversicherungsbeitrags

Ausgehend von einem monatlichen Arbeitsentgelt von 650 Euro ergibt sich folgende Berechnung im Übergangsbereich:

1.  564,28 Euro x 9,3 % = 52,48 Euro x 2 = 104,96 Euro

2.  650,00 EUR x 9,3 % = 60,45 Euro

3.  104,96 Euro – 60,45 Euro = 44,51 Euro

Belastung im Übergangsbereich = 44,75 Euro

Einsparung in der Rentenversicherung ab 2021 (44,75 Euro– 44,51 Euro) = 0,24 Euro

Auswirkungen auf andere Versicherungszweige

In den Versicherungszweigen der Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden Midijobber wie in der Rentenversicherung ebenfalls von der neuen Formel im Übergangsbereich profitieren, weil die Beitragssätze über den 31. Dezember 2020 hinaus unverändert bleiben.

Anders kann sich dies hingegen in der Krankenversicherung darstellen. Hier ist neben dem unveränderten allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent ein kassenindividueller Zusatzbeitrag zu zahlen. Ausgehend davon, dass der Gesetzgeber zur Finanzierung der Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,1 auf 1,3 Prozent angehoben hat, dürfte vermutlich bei den Krankenkassen ebenfalls ab 1. Januar 2021 mit einer Erhöhung des kassenindividuellen Zusatzbeitrages zu rechnen sein. In diesem Fall würde die Gesamtbelastung des Midijobbers im nächsten Jahr vermutlich höher ausfallen, weil die geringen Einsparungen bei den Beiträgen zur Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung kaum ins Gewicht fallen.

Beitragsbelastung ohne Anwendung des Übergangsbereichs zum Vergleich

Die Beitragsanteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden ohne Anwendung der Regelung des Übergangsbereiches gesondert berechnet. Der Arbeitnehmeranteil ist somit nicht das Ergebnis der Differenz zwischen dem aufgrund des fiktiven Arbeitsentgelts errechneten Gesamtbeitrag und dem Arbeitgeberanteil. Vielmehr gelten die üblichen Prozentsätze der Beitragsbelastung.

Arbeitnehmer ohne Übergangsbereich würden bei einem Arbeitsentgelt von 650 Euro einen Beitragsanteil von 60,45 Euro (650 Euro x 9,3 %) zahlen. Wegen der besonderen Beitragsberechnung im Übergangsbereich spart der Midijobber somit monatlich 15,94 Euro (60,45 Euro – 44,51 Euro) allein in der Rentenversicherung.

Schlagworte zum Thema:  Midijob, Gleitzone