Beiträge für Midijobber richtig berechnen

Aufgrund der Reduzierung des Beitragssatzes in der Arbeitslosenversicherung sind ab 1.1.2020 weniger Abgaben zu zahlen. Die Beitragsentlastung für Midijobber fällt im Verhältnis aber geringer aus, weil sie sich am Faktor F orientiert. Was bei dieser besonderen Beitragsberechnung zu beachten ist.

Midijobber sind Arbeitnehmer mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt von 450,01 EUR bis 1.300 EUR. Diese Verdienstspanne fällt in den sogenannten Übergangsbereich, in der das beitragspflichtige Arbeitsentgelt über eine aufwendige Formel ermittelt wird. Diese Arbeit erledigen heute komfortable Midijob-Rechner. Wesentlicher Parameter der Formel ist der Faktor F, der sich an der Höhe des Gesamtsozialversicherungsbeitrags orientiert.

Midijob: Ermittlung Faktor F

Der Faktor F ergibt sich, wenn der Wert 30 Prozent durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres, in dem der Anspruch auf das Arbeitsentgelt entstanden ist, geteilt wird. Da der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung gesenkt und der durchschnittliche Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2020 erhöht wird, ergibt sich folgende Berechnung des Faktors F für Entgeltabrechnungszeiträume ab 1. Januar 2020:

Krankenversicherung (allgemeiner Beitragssatz):14,60 %
Krankenversicherung (durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz):1,1 % (2019: 0,9 %)
Rentenversicherung:18,60 %
Arbeitslosenversicherung:2,4 % (2019: 2,5 %)
Pflegeversicherung:3,05 %
Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz:  39,75 % (2019: 39,65 %)
Faktor F 2020 (30 : 39,75):0,7547 (2019: 0,7566)

Neue Formel im Übergangsbereich ab 2020

Die gekürzte Formel des Übergangsbereichs für das Jahr 2020 lautet: ​1,1298647 x Arbeitsentgelt - 168,8241176 

Mit dieser Formel ist die reduzierte beitragspflichtige Einnahme zu ermitteln. Diese bildet die Berechnungsgrundlage für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Beispiel: Arbeitsentgelt: 650,00 EUR

Reduzierte beitragspflichtige Einnahme: 565,59 EUR (1,1298647 x 650 EUR - ​168,8241176)     

Drei Schritte zur richtigen Beitragsberechnung für Midijobber

Die Beitragsverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfolgt in drei Schritten:

  1. Berechnung des Gesamtbeitrags ausgehend von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme (hier: 565,59 EUR)
  2. Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitgebers ausgehend vom tatsächlichen Arbeitsentgelt (hier: 650 EUR)
  3. Berechnung des Arbeitnehmeranteils durch Abzug des Arbeitgeberanteils vom Gesamtbeitrag.

In Schritt 1 werden der

  • Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung und
  • der Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung bei Kinderlosigkeit (0,25 %)

jeweils von der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme gesondert berechnet und dem Gesamtbeitrag hinzugerechnet. Über die Berechnung nach Schritt drei trägt diese am Ende dann auch der Arbeitnehmer.

Vergleich mit Beitragsbelastung ohne Anwendung des Übergangsbereiches

Die Beitragsanteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden ohne Anwendung der Regelung des Übergangsbereiches gesondert berechnet. Der Arbeitnehmeranteil ist somit nicht das Ergebnis der Differenz zwischen dem aufgrund des fiktiven Arbeitsentgelts errechneten Gesamtbeitrag und dem Arbeitgeberanteil. Vielmehr gelten die üblichen Prozentsätze der Beitragsbelastung.

Ausgehend von einem monatlichen Arbeitsentgelt von 650 EUR ergibt sich bezogen auf die Beitragssatzsenkung in der Arbeitslosenversicherung folgender Vergleich:

Arbeitnehmer mit Übergangsbereich:

1.  565,59 EUR x 1,2 % = 6,79 EUR x 2 = 13,58 EUR

2.  650,00 EUR x 1,2 % = 7,80 EUR

3.  13,58 EUR – 7,80 EUR = 5,78 EUR

Belastung 2019 = 6,01 EUR

Einsparung ab 2020 (6,01 EUR– 5,78 EUR) = 0,23 EUR


Arbeitnehmer ohne Übergangsbereich (zum Beispiel in der Nebenbeschäftigung, sodass die Regelung zum Übergangsbereich nicht gilt):

650 EUR x 1,2 % = 7,80 EUR

Vergleich zu 2019: 650 EUR x 1,25 % = 8,13 EUR

Einsparung ab 2020 (8,13 EUR – 7,80 EUR) = 0,33 EUR

Diesen Einsparungen steht die höhere Belastung durch den neuen durchschnittlichen Zusatzbeitrag gegenüber.


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