Viele Unternehmen zahlen Feiertagszuschläge an Pfingsten. Dabei gibt es lohnsteuerrechtlich einiges zu beachten. Bild: MEV Verlag GmbH

Nur wenige Arbeitnehmer arbeiten gerne und freiwillig an den Feiertagen. Um einen Anreiz zu schaffen, zahlen viele Firmen ihren Mitarbeitern deshalb an Pfingsten zusätzlich zum normalen Lohn einen Feiertagszuschlag. Werden die steuerlichen Vorschriften beachtet, bleibt der Feiertagszuschlag steuerfrei.

Lohnzuschläge bleiben in begrenztem Umfang steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete Sonntags- oder Feiertagsarbeit neben dem Grundlohn gezahlt werden. Ein Feiertagszuschlag für die Arbeit an gesetzlichen Feiertagen bleibt steuerfrei, wenn der Zuschlag 125 Prozent des Grundlohns nicht übersteigt. Ein Sonntagszuschlag bleibt steuerfrei, wenn er 50 Prozent des Grundlohns nicht übersteigt.

Für die Steuerbefreiung ist eine zusätzliche Lohnzahlung erforderlich. Das bedeutet, der Zuschlag darf nicht aus dem arbeitsrechtlich geschuldeten Lohn "herausgerechnet" werden.

Steuerfreiheit bedeutet nicht zugleich auch Beitragsfreiheit

Zwischen Steuerrecht und Sozialversicherungsrecht gibt es einen wichtigen Unterschied: Für die Beitragsfreiheit darf der Grundlohn mit maximal 25 Euro zugrundegelegt werden; im Steuerrecht darf der Grundlohn dagegen bis zu maximal 50 Euro betragen.

Lesetipp: Sozialversicherungsbeiträge aus dem Feiertagszuschlag richtig berechnen.

Feiertagszuschlag an Ostern und Pfingsten: 125 Prozent

Welche Tage als gesetzliche Feiertage gelten, richtet sich grundsätzlich nach den am Ort der Arbeitsstätte maßgebenden landesrechtlichen Bestimmungen. Ostersonntag und Pfingstsonntag sind in 15 von 16 Bundesländern keine gesetzlichen Feiertage (Ausnahme: in Brandenburg). Lohnsteuerrechtlich zählen allerdings auch der Ostersonntag sowie der Pfingstsonntag zu den "gesetzlichen Feiertagen".

Der steuerfreie Feiertagszuschlag von 125 Prozent gilt für alle Osterfeiertage (für Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag) ebenso wie für alle Pfingstfeiertage (Pfingstsonntag und Pfingstmontag): Ein Feiertagszuschlag bleibt steuerfrei, wenn er 125 Prozent des Grundlohns nicht übersteigt.

Arbeitsrechtlich gilt hingegen, dass Arbeitnehmer, die einen Anspruch auf Feiertags- und Sonntagszuschläge haben, an Ostersonntag und Pfingstsonntag keinen Feiertagszuschlag fordern können, sondern nur einen etwaigen Sonntagszuschlag.

Feiertagszuschlag: Wann Arbeit als "Feiertagsarbeit" zählt

Als Feiertagsarbeit gilt die Arbeit in der Zeit von 0 Uhr bis 24 Uhr des jeweiligen Feiertags. Auch die Arbeit am Folgetag von 0 Uhr bis 4 Uhr gilt als Feiertagsarbeit, wenn der Dienst am Feiertag begonnen wurde. 

Der steuerfreie Feiertagszuschlag darf nur für tatsächlich geleistete Arbeit gezahlt werden und er darf 125 Prozent des Grundlohns nicht übersteigen. Der Grundlohn darf dabei mit maximal 50 Euro angesetzt werden. 

Höherer Feiertagszuschlag am 1. Mai: bis zu 150 Prozent möglich

Wird am 1. Mai gearbeitet, handelt es sich um "besondere Feiertagsarbeiten", für die ein steuerfreier Zuschlag von 150 Prozent gezahlt werden darf. 

Gut zu wissen: Der erhöhte Zuschlag von 150 Prozent gilt auch für Arbeit an Heiligabend ab 14 Uhr, sowie ganztags an Weihnachten (25. und 26. Dezember). 

An Silvester ist die Arbeit ab 14 Uhr steuerlich begünstigt - analog zum Heiligabend -, jedoch darf der Feiertagszuschlag an Silvester nur maximal 125 Prozent betragen.

Sonntagszuschlag und Feiertagszuschlag schließen sich aus

Der Feiertagszuschlag von 150 Prozent und der niedrigere Sonntagszuschlag von 50 Prozent sind steuerlich nicht nebeneinander begünstigt: Sowohl am Ostersonntag als auch am Pfingstsonntag bleibt nur der (höhere) Feiertagszuschlag von bis zu 150 Prozent steuerfrei. Es ist nicht zulässig insgesamt Zuschläge von 200 Prozent steuerfreie Zuschläge abzurechnen (150 Prozent Feiertagszuschlag plus 50 Prozent Sonntagszuschlag).

Nachtarbeitszuschlag zusätzlich zum Feiertagszuschlag zahlbar

Wird an Sonntagen und Feiertagen zusätzlich Nachtarbeit geleistet, kann neben dem steuerfreien Feiertagszuschlag (125 Prozent) zusätzlich der Nachtarbeitszuschlag in Höhe von bis zu 25 Prozent gezahlt werden. Als Nachtarbeit gilt die Arbeit zwischen 20 Uhr und 6 Uhr. In "Feiertagsnächten" kann also ein steuerfreier Zuschlag von bis zu 150 Prozent gezahlt werden. In der Mainacht sogar bis zu 175 Prozent.

Lesetipp: Nachtarbeit - Arbeitnehmer haben gesetzlichen Anspruch auf 25 Prozent Nachtzuschlag.

Steuerfreier Feiertagszuschlag berechnet sich nach Grundlohn

Grundsätzlich ist die Höhe des Zuschlags (Feiertagszuschlag) zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer frei verhandelbar. Steuerfrei bleibt er allerdings nur, wenn er nicht mehr als 125 Prozent des so genannten Grundlohns beträgt. Der Grundlohn darf mit maximal 50 Euro pro Stunde zugrundegelegt werden - alles, was darüber hinausgeht, ist steuerpflichtig.

In § 3b des Einkommensteuergesetzes steht: Grundlohn ist der laufende Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit für den jeweiligen Lohnzahlungszeitraum zusteht; er ist in einen Stundenlohn umzurechnen und mit höchstens 50 Euro anzusetzen.

Vereinfacht gesagt, wird das monatliche Bruttogehalt des jeweiligen Arbeitnehmers durch die monatliche Arbeitszeit dividiert - das ergibt den maßgeblichen Grundlohn. Multipliziert man den Grundlohn - maximal 50 Euro pro Stunde! - mit dem prozentualen Feiertagszuschlag, erhält man den steuerfreien Feiertagszuschlag. Dieser Betrag kann mit den "steuerfreien" Arbeitsstunden an den Feiertagen multipliziert werden.

Die Steuerfreiheit des Feiertagszuschlags, des Sonntagszuschlags und des Nachtzuschlags sowie die Berechnung des Grundlohns sind in § 3b des Einkommensteuergesetzes gesetzlich geregelt. Weitere Ausführungen und Berechnungsbeispiele enthalten R 3b der Lohnsteuerrichtlinien und H 3b der Amtlichen Hinweise 2018 zu den Lohnsteuerrichtlinien.

Lesetipp: Minijob - Feiertagszuschlag kann zur Sozialversicherungspflicht führen.

Überstunden- und Mehrarbeitszuschläge immer steuerpflichtig

Überstundenzuschläge und Mehrarbeitzuschläge zählen zum steuerpflichtigen Arbeitslohn; sie sind zusammen mit den übrigen Bezügen monatlich abzurechnen. Steuer- und beitragsfrei sind nur die Sonntagszuschläge, die Feiertagszuschläge und die Nachtarbeitszuschläge - und die auch nur innerhalb bestimmter Grenzen. Alle anderen Zuschläge sind grundsätzlich steuer- und beitragspflichtig.

Pauschale Nachtzuschläge bei ausschließlicher Nachtarbeit

Nachtzuschläge sind nur dann steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete (Nacht-)Arbeit gezahlt werden. Dies gilt sinngemäß auch für Sonntagszuschläge und Feiertagszuschläge. Die Steuerbefreiung für Zuschläge setzt grundsätzlich Einzelaufstellungen der tatsächlich (in der Nacht) erbrachten Arbeitsstunden voraus. 

Im Urteilsfall waren die gezahlten Nachtzuschläge von vornherein so niedrig bemessen, dass sie - auch unter Einbeziehung aller Unwägbarkeiten - ausschließlich die tatsächlich erbrachte Nachtarbeit abdeckten. Dies reichte dem Finanzgericht für die Steuerfreiheit aus. Vergleiche hierzu das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 22. Oktober 2009, Aktenzeichen VI R 16/08 zu pauschal gezahlten Nachtarbeitszuschlägen.

Bereitschaftsdienst: Pauschaler Feiertagszuschlag nicht steuerfrei

Ein weiteres Urteil schränkt die Steuerfreiheit pauschal gezahlter Feiertagszuschläge ein: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Zuschläge, die pauschal vergütet werden - das heißt, ohne Rücksicht darauf, wann die Tätigkeit erbracht wurde -, nicht zu den steuerfreien Feiertagszuschlägen, Sonntagszuschlägen oder Nachtzuschlägen gehören können. Auch, wenn tatsächlich zu den begünstigten Zeiten gearbeitet wurde: wird die Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit lediglich allgemein abgegolten und liegen keine Einzelnachweise vor, können diese Zuschläge nicht steuerfrei abgerechnet werden. Das hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 29. November 2016, Aktenzeichen VI R 61/14 entschieden.

Fehlerhafte Lohnabrechnung: Steuerfreistellung mit Steuererklärung

Nachweislich für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlte Lohnzuschläge bleiben steuerfrei - selbst dann, wenn der Arbeitgeber sie zunächst (in Folge eines EDV-Fehlers) als steuerpflichtig behandelt hat. Die Steuerfreistellung kann noch mit der Steuererklärung erfolgen. 

Im Urteilsfall war konkret ermittelt worden, wie viele Stunden ein Arbeitnehmer jeden Monat zu steuerlich begünstigten Zeiten gearbeitet hatte. Die ihm gewährten Feiertagszuschläge etc. waren in den monatlichen Lohnabrechnungen enthalten - jedoch wurden sie fälschlicherweise steuerpflichtig abgerechnet. 

Nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 29. November 2017, Aktenzeichen VI B 45/17, kann der betroffene Mitarbeiter die Steuerfreiheit der Feiertagszuschläge, Nacht- und Sonntagszuschläge auch noch im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung geltend machen. 

Die Lohnsteuerbescheinigung hat keine Bindungswirkung für die Einkommen­steuer-veranlagung. Etwaige Fehler des Arbeitgebers beim Lohnsteuerabzug können nachträglich berichtigt werden, weil keine Bindung an den Inhalt der Lohnsteuerbescheinigung besteht.

Abschlagszahlung auf Feiertagszuschlag: Spätere Einzelabrechnung notwendig

Pauschale Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit sind nur dann steuerfrei, wenn sie als Abschlagszahlung oder Vorschuss geleistet werden. Erforderlich ist eine Verrechnung der pauschal gezahlten Zuschläge mit den tatsächlich erbrachten Arbeitsstunden an Sonntagen, Feiertagen und zur Nachtzeit - und wichtig: jeweils vor Erstellen der Lohnsteuer­bescheinigung. So der Bundesfinanzhof in einem schon etwas älteren Urteil vom 8. Dezember 2011, Aktenzeichen VI R 18/11.


Hinweis:  Für die Beiträge zur Sozialversicherung besteht keine vollständige Übereinstimmung mit dem Steuerrecht. Was Sie beachten müssen, um die SV-Beiträgte aus Feiertagszuschlägen richtig zu berechnen.

Schlagworte zum Thema:  Nachtarbeitszuschlag, Sonntagszuschlag, Feiertagszuschlag, Steuerfreiheit

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