Minijob und Midijob im Vergleich
Im unteren Einkommensbereich knapp oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze gibt es das volle Leistungspaket der Sozialversicherung sozusagen zum Nulltarif, weil für den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin keine bzw. kaum Beiträge zur Sozialversicherung anfallen. Den Unterschied zum Nettoverdienst im Minijob kann aber die höhere Steuerbelastung im Midijob ausmachen. Wir haben die beiden Beschäftigungsformen für Sie verglichen.
Minijob und Midijob im Vergleich
Der Midijob beginnt da, wo der Minijob aufhört. Dafür genügt es bereits, durchschnittlich einen Cent mehr als die Geringfügigkeitsgrenze (2026: 603,01 Euro) monatlich zu verdienen. Minijobs sind - mit Ausnahme der Rentenversicherung – sozialversicherungsfrei bzw. nicht sozialversicherungspflichtig, Midijobs hingegen versicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Für Arbeitnehmende ist der Midijob seit dem 1. Oktober 2022 besonders attraktiv, weil sie von noch günstigeren Abgaben als bisher bei vollem Sozialversicherungsschutz profitieren. Arbeitgeber werden hingegen mehr belastet als bei Midijobs bis zum 30. September 2022.
Minijob bis zur Geringfügigkeitsgrenze: Kosten trägt in der Regel allein der Arbeitgeber
Eine sogenannte geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das durchschnittliche Arbeitsentgelt im Monat die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet. Die Geringfügigkeitsgrenze orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn, sie beläuft sich im Jahr 2026 auf 603 Euro monatlich. Das entspricht einer monatlichen Arbeitszeit von 43,38 Stunden, sofern nur der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro gezahlt wird. Bei höheren Stundenlöhnen ergeben sich auch weniger Arbeitsstunden.
Die Abgaben des Arbeitgebers für einen Minijob zur Minijob-Zentrale belaufen sich auf 28 Prozent (13 Prozent Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung, 15 Prozent Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung). Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin hat Abzüge zur Rentenversicherung in Höhe von 3,6 Prozent, sofern er oder sie sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt. Mit Ausnahme in der Rentenversicherung begründet der Minijob Verdienstgrenze keinen Versicherungsschutz für Arbeitnehmende.
Midijob: Arbeitgeber trägt höheren Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag
Midijobs sind Beschäftigungen im sogenannten Übergangsbereich. Dieser beginnt bei einem durchschnittlichen monatlichen Arbeitsentgelt oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze und endet, wenn der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin durchschnittlich mehr als 2.000 Euro im Monat verdient. Die Beitragsbelastung für Arbeitgeber bei Midijobs beläuft sich im unteren Bereich knapp oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze auf ca. 28 Prozent und entspricht damit in der Höhe der Belastung von Arbeitgebern für einen Minijob.
Mit steigendem Entgelt nimmt auch die Belastung des Arbeitgebers ab, bis von ihm im oberen Midijob-Bereich nur noch die ansonsten übliche Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitrags in Höhe von circa 21 Prozent (KV ohne Zusatzbeitrag: 14,6 Prozent; KV-Zusatzbeitrag abhängig von Krankenkasse, aber durchschnittlich: 2,9 Prozent; RV: 18,6 Prozent; ALV: 2,6 Prozent; PV: 3,6 Prozent) zu tragen ist.
Midijob: Günstige Belastung für Arbeitnehmende bei vollem SV-Schutz
Midijobs sind sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet, dass Arbeitnehmende eines Midijobs den vollen Schutz in der Sozialversicherung genießen. Sie sichern sich also nicht nur, wie bei einem Minijob bis zur Geringfügigkeitsgrenze, Ansprüche in der Rentenversicherung, sondern können insbesondere auch das volle Leistungspaket in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Zudem profitieren Arbeitnehmende im Übergangsbereich von günstigeren Beiträgen, da diese nach einer besonderen Formel ermittelt werden. Dieses Rundum-sorglos-Paket ist dadurch bereits bei einem regelmäßigen Entgelt im Jahr 2026 von 604 Euro monatlich für nicht mal fünf Euro Beitragsbelastung zu haben.
Minijob oder Midijob: Vergleich der Abgaben
Vergleicht man im Jahr 2026 die Abgaben eines für Minijobs maximal zulässigen Durchschnittsentgelts von 603 Euro mit denen eines Midijob in der unteren Entgeltskala von 604 Euro, ergeben sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmende folgende Beitragsbelastungen:
Beitragsbelastungen Arbeitgeber:
Minijob: 603 Euro x 28 Prozent = 168,84 Euro
Midijob: 604 Euro (Differenz zwischen Gesamtbeitrag und AN-Beitragsanteil, die jeweils über Berechnungsformeln ermittelt werden) = 169,60 Euro
Beitragsbelastungen Arbeitnehmer:
Minijob: 603 Euro x 3,6 Prozent = 21,71 Euro
Midijob: 604 Euro x Berechnungsformel im Übergangsbereich = 2,70 Euro
Steuerpflicht von Mini- und Midijobs
Mini- und Midijobs sind steuerpflichtig. Während der Arbeitgeber bei einem Minijob mit Verdienstgrenze die Lohnsteuer in der Regel pauschal mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz von zwei Prozent erhebt und zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen an die Minijob-Zentrale abführt, wird die Lohnsteuer bei Midijobs nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Steuerklassen) erhoben. Die Steuern bei Midijobs werden dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin vom Arbeitsentgelt abgezogen. Allerdings ergibt sich aufgrund der Steuerprogression bei den Steuerklassen I bis IV erst bei Arbeitsentgelten oberhalb von 1.135 Euro monatlich ein Steuerabzug für die Arbeitnehmenden.
Bei den Steuerklassen V und VI werden Arbeitnehmende hingegen bereits im Eingangsbereich der Midijobs, also bei einem Arbeitsentgelt ab 603,01 Euro, mit Steuern belastet. Bei gemeinsamer Veranlagung mit einem Lebenspartner bzw. einer Lebenspartnerin zählt das Arbeitsentgelt aus dem Midijob bei einer Steuerklärung aber in jedem Fall zum gemeinsamen Einkommen.
Gleiche Arbeitsrechte für Mini- und Midijobs
Minijobber sind arbeitsrechtlich keine Arbeitnehmenden zweiter Klasse. Für sie gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Demnach dürfen Arbeitgeber ihre Minijobber nicht schlechter behandeln als vergleichbare Arbeitnehmende, die mehr arbeiten. Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt nur dann nicht, wenn sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung (z. B. Arbeitsleistung, Qualifikation, Berufserfahrung und unterschiedliche Arbeitsplatzanforderungen) vorliegen. Minijobber haben beispielsweise einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für sechs Wochen oder auf bezahlten Urlaub für mindestens 24 Arbeitstage.
Fazit des Vergleichs von Mini- und Midijob
Der Midijob als Einstieg in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung rechnet sich insbesondere für Arbeitnehmende. Arbeitgeber zahlen zunächst Abgaben in gleicher Höhe wie für einen Minijob. Arbeitnehmende werden für den vollen Sozialversicherungsschutz im unteren Midijob-Bereich sogar weniger belastet als bei einem rentenversicherungspflichtigen Minijob, sodass bei einer günstigen Steuerklasse auch genug netto vom brutto übrigbleibt. Damit lassen sich auf den ersten Blick auch keine Gründe ausmachen, warum der Arbeitnehmende den Minijob dem Midijob vorziehen sollten.
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Werner Freitag
Wed Sep 23 12:06:55 CEST 2020 Wed Sep 23 12:06:55 CEST 2020
Guter Artikel, schönes Fazit.
Waere es dann nicht für alle Beteiligten am Besten, wenn der Minijob ab dem ersten Euro zu Gunsten des Midijobs abgeschafft würde?
Alle Beteilligten wuerden gewinnen.
Es gaebe sogar eine weitere Gruppe Gewinner.
Arbeitslose ohne Leistungsbezug, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht auf einen Vollzeitjob bewerben können oder wollen, fänden leichter einen Job.
Für diese lohnt es sich nämlich nicht, sich auf einen Minijob zu bewerben, da sie genau wie mit ohne job als "freiwillig" Versicherte in KV und PV einen monatlichen Beitrag von 195 Euro in 2020 und 202 Euro in 2021 zu zahlen haben, oder (vielleicht weiss es jemand besser)?
Man muss sich das mal überlegen, ein Midijobber mit 450,01 Euro hat zusammen mit Arbeitgeber mit 135 Euro Gesamtbeitrag einen niedrigeren Beitrag als der Arbeitslose ohne Leistungsbezug nur in Kranken- und Pflegeversicherung.
Dafür ist der Midijobber auch noch arbeitslosen- und rentenversichert.
Hier stimmt gewaltig was nicht!
Wie gesagt, gaebe es anstatt Mini- nur noch Midijobs, fände auch der Langzeitarbeitslose mit ohne Einkommen vielleicht wieder eine Arbeit, bei der es sich lohnt zu arbeiten und dem bisherigen Minijobber ginge es zumindest langfristig auch besser.