Das Rentenpaket von Union und SPD ist kaum auf dem Weg, da prescht die Rentenversicherung mit einer Prognose vor. Der Beitragssatz wird steigen, schätzt die Präsidentin. Aber wohl erst zu einem Zeitpunkt, an dem die jetzige Koalition nicht mehr im Amt ist.

Nach der Einigung der Koalition auf das Rentenpaket geht die Deutsche Rentenversicherung davon aus, dass der Beitragssatz spätestens im Jahr 2023 angehoben werden muss.

«Dann rechnen wir damit, dass eine Anhebung von derzeit 18,6 auf bis zu 19,3 Prozent notwendig wird», sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am 1.9.2018.

Beitragssatz Rentenversicherung

Wann eine Reduzierung oder Erhöhung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung zu erfolgen hat, ist gesetzlich festgelegt. Der Beitragssatz ist nach § 158 SGB VI dann anzupassen, wenn die Mittel der Nachhaltigkeitsrücklage zum Ende eines Jahres entweder

  • die untere Grenze von 0,2 Monatsausgaben unterschreiten oder
  • die obere Grenze von 1,5 Monatsausgaben überschreiten.

Ende Juli betrug die Nachhaltigkeitsrücklage dank guter Konjunktur 1,59 Monatsausgaben. Daraus deckt die Rentenversicherung im Laufe des Jahres zeitweise Defizite, sogenannte Liquiditätsschwankungen. In den nächsten Jahren werde die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung wie geplant schrittweise abgebaut.

Rentenversicherungsbeitrag 2019: Senkung ausgeschlossen

Roßbach räumte ein, dass ohne die von der großen Koalition vereinbarten Leistungsausweitungen 2019 - etwa die Mütterrente II - eine Senkung des Beitragssatzes um bis zu 0,3 Prozentpunkte möglich gewesen wäre. «Jetzt haben wir eine neue Lage. Mit den inzwischen vom Kabinett beschlossenen Leistungsausweitungen ist eine Verringerung des Beitragssatzes 2019 ausgeschlossen», sagte Roßbach.

Beitrag zur Rentenversicherung soll nicht über 20 Prozent steigen

Das vom Bundeskabinett am 29.8.2018 auf den Weg gebrachte Rentenpaket sieht unter anderem vor, dass das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent bis 2025 stabilisiert werden soll. Der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen. Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent. Vorgesehen ist auch eine Ausweitung der Mütterrente.

Rentenversicherungsbeitrag nach Ende der Legislaturperiode

Die FDP kritisierte nach den Äußerungen von Roßbach die große Koalition in scharfer Form. Die Rentenversicherung bestätige damit, dass das Rentenpaket von Union und SPD nicht nur eine Entlastung der Bürger verhindere, sondern der Beitragssatz nach Ende dieser Legislaturperiode steigen müsse, sagte der FDP-Rentenexperte Johannes Vogel. «Das ist Politik nach dem Motto: "Nach uns die Sintflut!"»

VdK: Beitragsentlastung durch Steuerfinanzierung

Der Sozialverband VdK forderte, alle versicherungsfremden Leistungen konsequent aus Steuermitteln zu finanzieren. Das müsse auch für die geplanten Verbesserungen bei der Mütterrente gelten. Dies würde zu einer erheblichen Beitragsentlastung der gesetzlichen Rentenversicherung führen, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Aktueller Rentenversicherungsbeitrag 2018

Der Rentenversicherungsbeitrag hat sich seit dem Jahr 2007 stetig nach unten entwickelt. Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent. Die Entwicklung des Rentenversicherungsbeitrags seit 2007:

  • 2007 - 2011: 19,9 Prozent (Arbeitgeberanteil: 9,95 Prozent, Arbeitnehmeranteil: 9,95 Prozent)
  • 2012:            19,6 Prozent (Arbeitgeberanteil: 9,8 Prozent, Arbeitnehmeranteil: 9,8 Prozent)
  • 2013 - 2014: 18,9 Prozent (Arbeitgeberanteil: 9,45 Prozent, Arbeitnehmeranteil: 9,45 Prozent)
  • 2015 - 2017: 18,7 Prozent (Arbeitgeberanteil:  9,35 Prozent, Arbeitnehmeranteil: 9,35 Prozent)
  • seit 2018:     18,6 Prozent (Arbeitgeberanteil:  9,3 Prozent, Arbeitnehmeranteil: 9,3 Prozent)

Rentenversicherungsbeitrag 2018: knappschaftliche Rentenversicherung

Zum 1.1.2018 wurde auch der Beitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung gesenkt. Im Jahr 2017 betrug der Beitrag 24,8 Prozent. Zum Beginn des Jahres 2018 erfolgt eine Senkung des Beitrags um 0,1 Prozent auf 24,7 Prozent.