Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führer Lohnsteuer, Arbeitszimmer

Zusammenfassung

 

Auf einen Blick:

Für das zur eigenen Wohnung gehörende Arbeitszimmer gilt wegen der Nähe zur privaten Sphäre ein grundsätzliches Abzugsverbot. Es gibt aber Ausnahmen (§ 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b iVm § 9 Abs 5 Satz 1 EStG:

• Wird ein Teil der gesamten Erwerbstätigkeit im Arbeitszimmer ausgeübt, weil dafür kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sind die Aufwendungen bis zu 1 250 EUR im VZ als WK/BA abziehbar.

• Wird die gesamte Erwerbstätigkeit im Arbeitszimmer ausgeübt, ist der Abzug der Aufwendungen als WK/BA der Höhe nach nicht beschränkt.

• Das Abzugsverbot gilt gleichermaßen für den SA-Abzug (vgl § 10 Abs 1 Nr 7 EStG).

A. Grundsätzliches

I. Abzugsverbot mit Ausnahmen

 

Rz. 1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Benutzt der Stpfl zur Ausübung seines Berufs als ArbN oder > Abgeordnete oder eine ehrenamtlich tätige Person ein Arbeitszimmer in seinem häuslichen Umfeld oder einen anderen beruflich genutzten Raum, so sind die damit verbundenen Aufwendungen bei den Überschusseinkünften (vgl § 2 Abs 1 Satz 1 Nr 4 bis 7 EStG) grundsätzlich WK. Entsprechendes gilt bei den Gewinneinkunftsarten (vgl aaO Nr 1 bis 3) für den Abzug von BA, die Gewerbetreibenden oder Freiberuflern für ein Büro oder andere Geschäftsräume entstehen. Das Arbeitszimmer muss nicht unbedingt für die Ausübung der Berufsarbeit notwendig sein (BFH 144, 31 = BStBl 1985 II, 467). Es liegt grundsätzlich bei dem Stpfl, ob und welche Aufwendungen er für seine Berufsarbeit machen will (BFH 132, 431 = BStBl 1981 II, 368; > Werbungskosten Rz 28 ff).

 

Rz. 2

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Es sind aber unterschiedliche Abzugsverbote zu beachten:

 

Rz. 2/1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

§ 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b iVm § 9 Abs 5 Satz 1 EStG: Der Abzug von Aufwendungen (WK/BA) für einen Raum, der die Qualität eines ‚häuslichen Arbeitszimmers‘ hat (> Rz 15 ff), sowie die Kosten der Ausstattung (> Rz 65 ff) wird grundsätzlich ausgeschlossen. Ausnahmen: Steht für eine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1 250 EUR begrenzt (> Rz 45 ff). Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, ist in den Grenzen der Angemessenheit (> Rz 2/3) ein Vollabzug der Aufwendungen erlaubt; zu dieser Ausnahme > Rz 40 ff. Zur Entstehung der VorschriftRz 10 ff. Das Abzugsverbot gilt ebenso für den SA-Abzug (§ 10 Abs 1 Nr 7 Satz 4 EStG). Zur RechtssystematikRz 5 ff.
 

Rz. 2/2

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

§ 12 Nr 1 EStG: Benutzt der Stpfl einen oder mehrere Räume in seiner häuslichen Umgebung (Mietwohnung, Eigentumswohnung oder anderes Wohneigentum) zu privaten und beruflichen Zwecken, so hat er kein ‚häusliches Arbeitszimmer‘ iSv § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG (> Rz 2/1). Selbst wenn diese Räume den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bilden, sind sie bei einer Nutzung für die Berufsarbeit und als Wohnraum oder für nicht mit der Erzielung von Einkünften im Zusammenhang stehende Arbeiten in vollem Umfang als sog ‚gemischte Aufwendungen‘ nicht abziehbar (BFH GrS 1/14 Tz 66 ff, DStR 2016, 210 = BFH/NV 2016, 447; im Einzelnen > Rz 27 – 29). Weitere Besonderheiten gelten, wenn es sich bei der privaten Nutzung um bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten (> Rz 25) oder um eine Nutzung zu Ausbildungszwecken handelt (> Rz 26).
 

Rz. 2/3

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

§ 4 Abs 5 Satz 1 Nr 7 iVm § 9 Abs 5 Satz 1 EStG: Abzugsverbot für unangemessene Aufwendungen. Sind Aufwendungen nach der allgemeinen Verkehrsanschauung unangemessen, dürfen sie nicht als WK abgezogen werden (> R 9.1 Abs 1 Satz 2 LStR). Zum Umfang des Abzugs von WK/BA für ein beruflich genutztes häusliches ArbeitszimmerRz 50 ff.
 

Rz. 3

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Kann der beruflich (mit)genutzte Raum nicht als häusliches Arbeitszimmer anerkannt werden, sind Aufwendungen für die Beschaffung und Unterhaltung bestimmter, ausschließlich beruflich genutzter Gegenstände, also von > Arbeitsmittel, grundsätzlich als WK abziehbar (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 6 EStG). § 9 Abs 5 Satz 1 iVm § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG gilt insoweit nicht (> Rz 9).

 

Rz. 4

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Randziffer einstweilen frei.

II. Rechtssystematik

 

Rz. 5

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Ein zu Erwerbszwecken und zu Nichterwerbszwecken, also gemischt genutztes "Arbeitszimmer" im häuslichen Umfeld wird von § 12 Nr 1 EStG insgesamt der privaten Sphäre zugeordnet; die Aufwendungen sind nicht abziehbar (> Lebensführung Rz 3/2). Für solche Fälle bedarf es des Abzugsverbots in § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG nicht. Insoweit geht § 12 Nr 1 Satz 2 EStG vor. Als Folge dessen ist zunächst zu entscheiden, ob es sich um ein so gut wie ausschließlich beruflich genutztes ‚häusliches Arbeitszimmer‘ handelt, wie es in § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG vorausgesetzt wird. Wird diese Voraussetzung bejaht und sind die Aufwendungen deshalb ihrer Art dem Grunde nach als WK abziehbar (> Rz 15 – 39), ist Raum für die Anwendung von § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG. Rechtssystematisch geht also § 12 Nr 1 Satz 2 EStG dem § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG insowe...

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