Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / I. Arbeitszimmer mit Zugehörigkeit zur häuslichen ­Privatsphäre
 

Rz. 15

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Im Vorfeld muss zunächst – bei mehreren für jeden Raum gesondert – geklärt werden, ob "ein häusliches Arbeitszimmer" gegeben ist; denn nur dafür gilt das Abzugsverbot in § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG mit seinen Ausnahmen. Es muss sich

um eine Räumlichkeit im häuslichen Umfeld in eigener oder angemieteter Wohnung handeln (> Rz 16 – 19),
die so gut wie ausschließlich beruflich/betrieblich (oder zu Aus- und Weiterbildungszwecken) genutzt wird; ein nicht nur ganz untergeordnet auch privat genutzter Raum ist begrifflich kein Arbeitszimmer (ausführlich vgl BFH GrS 1/14 Tz 62 ff mwN, aaO [> Rz 2/2] – Bestätigung der Rechtsprechung; > Rz 27 – 29). Bei einer gemischten Nutzung auch für andere als Erwerbszwecke schließt bereits § 12 Nr 1 Satz 2 EStG den Abzug aus (> Rz 2/2 und Rz 5). Eine untergeordnete außerberufliche Nutzung (< 10 %) ist unschädlich (BMF vom 02.03.2011 Tz 3, BStBl 2011 I, 195 = > Anh 2 Arbeitszimmer). Zu Indizien für oder gegen eine nicht nur berufliche Nutzung > Rz 32 ff.

Ist eine Zuordnung eines ausschließlich beruflich genutzten Raums zum Typus des häuslichen Arbeitszimmers nicht möglich, so sind die durch die berufliche Nutzung veranlassten Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt als WK abziehbar (BFH 224, 444 = BStBl 2009 II, 598). Ergänzend > Rz 17 ff.

 

Rz. 16

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Die Grenzen des Typushäusliches Arbeitszimmer‘ sind fließend und es gibt Übergangsformen (BFH 200, 336 = BStBl 2003 II, 139). Entscheidend ist das Eingebundensein des Raums in die Privatsphäre, die ihn der Kontrolle durch das FA entzieht (BFH 155, 353 = BStBl 1989 II, 421). Ob ein Büro- oder Praxisraum in diesem Sinne häusliches Arbeitszimmer ist und deshalb die Abzugsbeschränkung gilt, wird auf Grund der Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfalls beurteilt (BFH 174, 65 = BStBl 1994 II, 468; BFH 189, 438 = BStBl 2000 II, 7; BFH 216, 110 = BStBl 2007 II, 304).

Nicht zu diesem Typus gehören Räumlichkeiten, die ihrer Ausstattung und Funktion nach keinen bürogemäßen Charakter (> Rz 16/3) haben, auch wenn sie ihrer Lage nach mit dem Wohnraum des Stpfl verbunden und deswegen in dessen häusliche Sphäre eingebunden sind. Dies trifft ua auf als Lager (BFH 162, 82 = BStBl 1991 II, 208), Werkstatt (BFH/NV 1999, 41), Praxisräume der Heilberufe (BFH/NV 1995, 764; 875) oder als Ausstellungsraum (BFH 224, 444  –  aaO) genutzte Räume zu sowie für das Tonfeldstudio eines Techniklehrers (EFG 2011, 433). Anders ist es aber bei einem – ggf besonders eingerichteten – Raum, in dem ein Musiker übt (BFH/NV 2013, 359; EFG 2011, 1416) und Unterricht erteilt (BMF vom 02.03.2011 Tz 5, > Anh 2 Arbeitszimmer; EFG 2013, 592, BFH vom 09.06.2015 VIII R 8/13, HaufeIndex 8752436); ebenso uE beim Kreativraum eines Künstlers (aA noch EFG 2012, 2098). Ein häusliches Arbeitszimmer verliert diese Eigenschaft nicht deshalb, weil der ArbG Einrichtung wie zB technische Geräte zur Ausstattung zur Verfügung stellt oder einen Zuschuss zu den Aufwendungen leistet (EFG 2001, 1183; > Tele[heim]arbeit sowie > Rz 80 ff); auch ein Telearbeitsplatz zu Hause kann dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers entsprechen (BFH 245, 14 = BStBl 2014 II, 568; BFH/NV 2014, 509; EFG 2014, 250; FG RP vom 11.08.2015, HaufeIndex 8576485 = BeckRS 2015, 95614; LfStRP vom 01.10.2014, BeckVerw 291 560).

 

Rz. 16/1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Lokale Anbindung: Ein Arbeitsraum im selbstgenutzten EFH wird regelmäßig ein häusliches Arbeitszimmer sein (BFH/NV 2004, 327; 2014, 688). Das häusliche Arbeitszimmer muss aber nicht unbedingt in die Wohnung integriert sein, sofern es nicht auf Grund besonderer Umstände tatsächlicher oder rechtlicher Art aus der häuslichen Sphäre des Stpfl herausgelöst ist (BFH 200, 336 = BStBl 2003 II, 139). Dafür reicht es nicht aus, wenn bei einem Büroraum der Zugang zur Wohnung durch besondere Zugangstüren und Türverriegelungen erschwert ist (HFR 2005, 1068). Deshalb ist auch ein ausschließlich beruflich genutzter, von der Wohnung abgetrennter Raum im Souterrain (BFH 201, 27 = BStBl 2003 II, 185; BFH 201, 305 = BStBl 2004 II, 68) häusliches Arbeitszimmer; ebenso ein Kellerraum (BFH/NV 2003, 1110; 2014, 688; EFG 2013, 109; 111) oder ein anderer Zubehörraum iSd II. BVO und ebenso eine Mansarde im Dachgeschoss des Wohnhauses, in dem der Stpfl seine Wohnung hat (BFH – aaO); ebenso ein Dachgeschoss von 110 qm, das von der übrigen Wohnung im Erdgeschoss komplett getrennt ist (BFH 202, 116 = BStBl 2004 II, 75; BFH/NV 2010, 1444); ebenso ein von den Wohnräumen nicht direkt zugänglicher Raum im Obergeschoss mit getrenntem Eingang (BFH 240, 121 = BStBl 2013 II, 374); ebenso ein Raum in einem Anbau, der nur über einen separaten Eingang vom Garten aus betreten werden kann (BFH 201, 86 = BStBl 2003 II, 350); ebenso ein Raum in einer umgewidmeten Garage (FG RP vom 23.08.2000, DStRE 2001, 70) oder im Dachgeschossausbau einer Garage (BFH/NV 2013, 1233). Für eine innere Verbindung des Arbeitszimmers zur häuslichen Sphäre genügt aber nicht die ...

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