Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / B. Entfernungspauschale für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

I. Überblick über den Norminhalt

 

Rz. 15

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Aufwendungen des Stpfl für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gehören zwar grundsätzlich zu den WK/BA; denn das Zurücklegen des Weges zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ist unverzichtbarer Bestandteil der Berufsausübung. Sie werden aber im Regelfall nicht in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen abgezogen, sondern mit einer Pauschale von 0,30 EUR je Arbeitstag für jeden vollen Strecken-km der Entfernung zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte bis zum Höchstbetrag von 4 500 EUR im VZ angesetzt (zu Ausnahmen > Rz 67, 68 und > Rz 105 ff). Diese Entfernungspauschale wird unabhängig von dem benutzten Verkehrsmittel – auch für Radfahrer – und unabhängig davon, ob dem Stpfl besondere Aufwendungen entstehen – auch für Fußgänger und Mitfahrer angewandt (> Rz 90 ff); zu Besonderheiten bei Benutzung eines Flugzeugs > Rz 30/1. Zur Beschränkung des Abzugs von WK/BA durch andere RechtsnormenRz 4 ff.

 

Rz. 16

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Auf die Höhe der tatsächlichen eigenen Aufwendungen des ArbN/Stpfl kommt es grundsätzlich nicht an. Zum Wesen dieser Pauschale gehört es mithin, dass in bestimmten Fällen weniger abgezogen wird als der Stpfl tatsächlich aufgewendet hat (Abzugsbeschränkung). In anderen Fällen wird ein höherer Betrag als WK/BA abgezogen als tatsächlich angefallen ist (sozial und verkehrspolitisch motivierte Steuervergünstigung); Aufwendungen werden auch dann unterstellt, wenn sie nicht bezifferbar sind, wie bei Ehegatten/Lebenspartner oder soweit der Weg zu Fuß zurückgelegt wird (vgl Söhn, FR 2000, 950). Eine „offensichtlich unzutreffende Besteuerung„, die zB eintreten kann, weil die WK im Verhältnis zum Arbeitslohn ungewöhnlich hoch sind, weil sich Teilnehmer einer Fahrgemeinschaft die Kosten teilen (> Rz 92 Beispiel 5) oder untereinander Vergütungen zahlen (> Rz 93) oder der Kfz-Halter allein die Kosten trägt (> Rz 90), wird vom Gesetzgeber in Kauf genommen und steht dem Abzug nicht entgegen. Besonderheiten gelten aber, wenn der ArbN Leistungen des ArbG in Anspruch nimmt, die als Sachbezüge steuerfrei sind (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 5; > Rz 73 ff).

 

Rz. 17

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die Wirkungsweise der alle Aufwendungen abgeltenden Entfernungspauschale entfernt sich zur vereinfachten Handhabung in Massenfällen vom > Nettoprinzip, bewegt sich aber in verfassungsmäßigen Grenzen. Das gilt besonders, weil ein Stpfl, der ein Kfz benutzt, einen höheren Betrag als 4 500 EUR ansetzen kann, wenn ihm entsprechende Aufwendungen entstehen (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 2 EStG; > Rz 65 ff [66, 67]). Aber auch der Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel kann Aufwendungen von mehr als 4 500 EUR abziehen (§ 9 Abs 2 Satz 2 EStG; > Rz 68). Ebenso gelten für Schwerbehinderte weiterhin Besonderheiten (> Rz 105 ff). Zum Umfang der Abgeltung einzelner AufwendungenRz 75 ff; zu Unfallkosten > Rz 77.

 

Rz. 18

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die Pauschale ist grundsätzlich unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel. Auf die Art des Beförderungsmittels (Bus/Bahn/Privat- oder Firmenwagen/Taxi) kommt es nicht an. Die Pauschale gilt auch für die zu Fuß oder mit dem Fahrrad/Moped zurückgelegten (Teil-)Strecken. Sie gilt jedoch nicht für die Benutzung eines Flugzeugs (zur Behandlung der Flugkosten > Rz 4, 30/1) oder für Wegstrecken, die der ArbN per >  Sammelbeförderung steuerfrei (vgl § 3 Nr 32 EStG) zurücklegt (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 3 EStG). Das soll unangemessene Steuervergünstigungen vermeiden, da die Entfernungspauschale bei Flügen über große Entfernungen ein Vielfaches der tatsächlichen Flugkosten beträgt und insoweit – ebenso wie bei Sammelbeförderung – dem ArbN keine Aufwendungen entstehen (ergänzend > Rz 30/2). Weitere Besonderheiten gelten bei der Benutzung einer Fähre (> Rz 84).

 

Rz. 19

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Im Übrigen enthält § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 und 5 EStG Regelungen für Sonderfälle: Bei ArbN mit mehreren Wohnungen wird die Wegstrecke zu der entfernteren Wohnung nur unter weiteren Voraussetzungen berücksichtigt (> Rz 40 ff). Bei einer doppelten Haushaltsführung wird eine Familienheimfahrt wöchentlich berücksichtigt (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 5 Satz 5 EStG; > Doppelte Haushaltsführung Rz 115 ff); das gilt aber nicht bei Benutzung eines Firmenfahrzeugs (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 5 Satz 8 EStG; > Rz 72/2). Auch für Fahrten mit dem Firmenwagen zum Betriebssitz des ArbG, der keine erste Tätigkeitsstätte ist, gibt es keine Entfernungspauschale (BFH 234, 155 = BStBl 2012 II, 34). Zu weiteren Besonderheiten beim Zusammentreffen von Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und einer Auswärtstätigkeit > Rz 99.

II. Bestimmung der maßgebenden Wegstrecke

1. Begriffe ‚Wohnung‘ und ‚erste Tätigkeitsstätte‘

 

Rz. 20

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Eine der Grundlagen für die Bemessung der Entfernungspauschale ist die Wegstrecke, die von der Wohnung einerseits und der ersten Tätigkeitsstätte (Betriebsstätte) [bis VZ 2013: regelmäßige Arbeitsstätte] andererseits als Endpunkte begrenzt wird (vgl BFH 173, 179 = BStBl 1994 II, 422). Soweit die Begriffe ‚Wohnung‘ und...

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