Dienstwagen: Besteuerung privater Fahrten

Kann der Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, erhöht sich der nach der Ein-Prozent-Methode ermittelte Wert für jeden Kalendermonat um 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Die 0,03-Prozent-Regelung ist unabhängig von der Ein-Prozent-Regelung selbstständig anzuwenden, wenn das Kraftfahrzeug ausschließlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen wird. Grundsätzlich muss der kalendermonatliche Zuschlag mit 0,03 Prozent des Listenpreises auch bei unregelmäßiger Nutzung ermittelt werden. Ein z. B. durch Urlaub oder Krankheit bedingter Nutzungsausfall ist im Nutzungswert pauschal berücksichtigt.

Firmenwagen: Lohnsteuerpauschalierung der Privatnutzung

Die geldwerten Vorteile können mit 15 Prozent Lohnsteuer pauschaliert werden (§ 40 Absatz 2 Satz 2 EStG). Dabei ist die Pauschalierung auf die Höhe der als Werbungskosten abziehbaren Entfernungspauschale beschränkt (0,30 Euro je Entfernungskilometer). Aus Vereinfachungsgründen kann davon ausgegangen werden, dass monatlich an 15 Arbeitstagen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte erfolgen.

Der pauschal besteuerte Anteil ist in der Lohnsteuerbescheinigung einzutragen und wird auf den Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers angerechnet. Die pauschale Lohnsteuer trägt grundsätzlich der Arbeitgeber. Er kann aber diesen Betrag auch im Innenverhältnis auf den Mitarbeiter abwälzen. Auf die Pauschalierung kann verzichtet werden. 

Der Mitarbeiter kann die entsprechenden Kosten in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Allerdings unterliegt der Arbeitslohn dann auch der vollen Sozialversicherungspflicht.

Wohnung - erste Tätigkeitsstätte: kürzeste Straßenverbindung maßgebend

Dem pauschalen Nutzungswert ist die einfache Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zugrunde zu legen; diese ist auf den nächsten vollen Kilometer abzurunden. Maßgebend ist die kürzeste benutzbare Straßenverbindung. Der pauschale Nutzungswert ist nicht zu erhöhen, wenn das Kraftfahrzeug an einem Arbeitstag mehrmals zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird.

Firmenwagen-Privatnutzung: das gilt für die Rufbereitschaft

Es ist kein geldwerter Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu erfassen, wenn dem Mitarbeiter ein betriebliches Kraftfahrzeug ausschließlich an den Tagen für seine Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen wird, an denen es erforderlich werden kann, dass er dienstliche Fahrten von der Wohnung aus antritt oder an der Wohnung beendet. Dies ist zum Beispiel beim Bereitschaftsdienst in Versorgungsunternehmen der Fall.

Private Kfz-Nutzung: Dienstwagenbesteuerung beim Fahrzeugpool

Der pauschale Nutzungswert ist beim Fahrzeugpool grundsätzlich mit 0,03 Prozent der Listenpreise aller Kraftfahrzeuge zu ermitteln und die Summe durch die Zahl der Nutzungsberechtigten zu teilen. Dieser Wert ist beim einzelnen Arbeitnehmer mit der Zahl seiner Entfernungskilometer zu multiplizieren.

Bei Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung und mehreren Fahrzeugen ist dem pauschalen Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte stets der Listenpreis des überwiegend für diese Fahrten genutzten Kraftfahrzeugs zugrunde zu legen.

Privatnutzung grundsätzlich für gesamte Park-and-Ride-Strecke

Setzt der Mitarbeiter beim Park and Ride ein ihm überlassenes Kraftfahrzeug bei den Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nur für eine Teilstrecke ein, weil er regelmäßig die andere Teilstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, so ist der Ermittlung des pauschalen Nutzungswerts grundsätzlich dennoch die gesamte Entfernung zugrunde zu legen. 

Park-and-Ride: Berechnung nur für Teilstrecke mit Nachweis zulässig

Die Finanzverwaltung will es nicht beanstanden, den Nutzungswert auf der Grundlage der Teilstrecke zu ermitteln, die mit dem betrieblichen Kraftfahrzeug tatsächlich zurückgelegt wird, wenn

  • der Arbeitgeber das Kraftfahrzeug nur für diese Teilstrecke zur Verfügung stellt oder
  • wenn der Mitarbeiter für die restliche Teilstrecke einen Nachweis über die Benutzung eines anderen Verkehrsmittels erbringt und zum Beispiel eine auf ihn ausgestellte Jahres-Bahnfahrkarte vorlegt.

Sonderfall: Einzelbewertung der Fahrten Wohnung - erste Tätigkeitsstätte

Unter folgenden Voraussetzungen ist eine auf das Kalenderjahr bezogene Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit 0,002 Prozent des Listenpreises je Entfernungskilometer für höchstens 180 Tage zulässig.

  • Schriftliche Erklärung: Der Arbeitnehmer muss gegenüber dem Arbeitgeber monatlich fahrzeugbezogen schriftlich erklären, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) er das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat; die bloße Angabe der Anzahl der Tage reicht nicht aus. Diese Erklärungen sind als Belege zum Lohnkonto aufzubewahren. Es ist aus Vereinfachungsgründen nicht zu beanstanden, wenn für den Lohnsteuer­abzug jeweils die Erklärung des Vormonats zugrunde gelegt wird.
  • Lohnsteuerabzug: Der Arbeitgeber muss aufgrund der Erklärungen den Lohnsteuerabzug durchführen, sofern nicht erkennbar unrichtige Angaben vorliegen. Der Arbeitgeber selbst hat keine Ermittlungspflichten.
  • Höchstbetrag: Wird eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten vorgenommen, muss der Arbeitgeber eine jahresbezogene Begrenzung auf insgesamt 180 Fahrten vornehmen. Eine monatliche Begrenzung auf 15 Fahrten ist ausgeschlossen.
  • Pauschalierung: Im Falle der Einzelbewertung ist eine eventuelle Lohnsteuerpauschalierung anhand der erklärten Anzahl der Tage vorzunehmen. Die Vereinfachungsregelung, dass an 15 Arbeitstagen von Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ausgegangen werden kann, ist hier nicht anzuwenden.

Dienstwagenbesteuerung: Verpflichtung zur Einzelbewertung

Im Lohnsteuerabzugsverfahren ist der Arbeitgeber auf Verlangen der Mitarbeiter zur Einzelbewertung seit 2019 verpflichtet, wenn sich aus der arbeits­vertraglichen oder einer anderen arbeits- oder dienstlichen Rechtsgrundlage nichts anderes ergibt. Allerdings sind dann die Angaben zu den tatsächlichen Fahrten zusätzliche Voraussetzung.

Firmenwagen-Privatnutzung: unterjähriger Methodenwechsel unzulässig

Der Arbeitgeber muss die Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung oder der Einzelbewertung für jedes Kalenderjahr einheitlich festlegen. Die Methode darf während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden.

Im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung sind die Mitarbeiter nicht an die im Lohnsteuerabzugsverfahren angewandte 0,03-Prozent-Regelung gebunden und können für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung wechseln. 


Quelle: Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 4. April 2018 zur steuerlichen Behandlung der Kfz-Überlassung an Arbeitnehmer.