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| Steuerfreie Aufwandsentschädigung

Keine Korrektur der Zuordnung von Steuerfreibeträgen in der Sozialversicherung

Übungsleiter im Sportverein oder ehrenamtliche Schiedsrichter erhalten häufig eine steuerfreie Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeiten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Steuerfreie Entgeltbestandteile - wie zum Beispiel steuerfreie Aufwandsentschädigungen - wirken sich auf die Höhe des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts der Sozialversicherung aus. Wichtig: Nachträgliche Korrekturen der zeitlichen Zuordnung sind nur in Ausnahmefällen zulässig.

Die Möglichkeiten steuerfreier Entgeltbestandteile sind vielfältig. Steuerfreie Aufwandsentschädigungen nehmen hierbei wegen ihrer Höhe eine besondere Rolle ein. Dazu zählen beispielsweise die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26 und 26a EStG). Diese Entgeltbestandteile haben damit maßgeblichen Einfluss auf die Frage, ob bzw. im welchem Umfang eine Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung vorliegt. Der Arbeitgeber kann entscheiden, zu welchem Zeitpunkt er die steuerfreien Entgeltteile wie berücksichtigt.

Was ist sind steuerfreie Aufwandsentschädigungen?

Steuerfreie Aufwandsentschädigungen sind Einnahmen aus nebenberuflicher Tätigkeit zur Förderung von gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken im Dienst oder Auftrag

  • einer öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Institution,
  • eines gemeinnützigen Vereins,
  • einer Kirche oder
  • einer vergleichbaren Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke.

Steuerfreibetrag bei Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale

Die Übungsleiterpauschale beträgt jährlich 2.400 Euro. Sie kann nicht nur für die klassische Tätigkeit als Übungsleiter – zum Beispiel im Sportverein - in Anspruch genommen werden. Vielmehr gilt sie auch für Tätigkeiten als Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbare Tätigkeiten.
Der Steuerfreibetrag für die Ehrenamtspauschale beträgt 720 Euro jährlich. Die Ehrenamtspauschale begünstigt beispielsweise Tätigkeiten als Vereinsvorstand, Schatzmeister, Platzwart, Gerätewart, Reinigungsdienst, den Fahrdienst von Eltern zu Auswärtsspielen von Kindern oder ehrenamtlich tätige Schiedsrichter im Amateurbereich.

Sozialversicherung folgt steuerrechtlicher Bewertung

Die Sozialversicherung orientiert sich bei der versicherungs- und beitragsrechtlichen Bewertung von Aufwandsentschädigungen am Steuerrecht. Der Steuerfreibetrag bei Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen ist kein Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung. Insofern bleibt dieser Betrag bei der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung unberücksichtigt. Folglich entfallen hierauf auch keine Beiträge. Lediglich der den Freibetrag übersteigende Teil muss versteuert werden. Damit ist dieser auch sozialversicherungsrechtlich als Arbeitsentgelt zu berücksichtigen.

Möglichkeit: Steuerfreibetrag pro rata oder en bloc

Die Aufwandsentschädigung können im Kalenderjahr auf unterschiedliche Weise berücksichtigt werden: Entweder monatlich in gleichen Teilen (pro rata) oder jeweils durch Berücksichtigung des Jahresbetrages (en bloc). Die differenzierte Vorgehensweise wirkt sich unterschiedlich auf die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung einer Beschäftigung aus. Die steuerfreie Aufwandsentschädigung sollte so berücksichtigt werden, wie der Arbeitnehmer es für sinnvoll erachtet. Das letzte Wort hat aber der Arbeitgeber.

Beispiel:

Ein Übungsleiter verdient monatlich 600 Euro.
a) Berücksichtigung der steuerfreien Übungsleiterpauschale en bloc ab 1.1.
In der Zeit vom 1.1. bis 30.4. wird die Übungsleiterpauschale voll ausgeschöpft (4 x 600 Euro = 2.400 Euro), so dass keine Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung vorliegt. Vom 1.5. bis 31.12. besteht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 600 Euro.
b) Berücksichtigung der steuerfreien Übungsleiterpauschale en bloc ab 1.9.
In der Zeit vom 1.1. bis 31.8. besteht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem monatlichen SV-Arbeitsentgelt von 600 Euro. Vom 1.9. bis 31.12. liegt keine Beschäftigung vor, weil die Übungsleiterpauschale von 2.400 Euro (4 x 600 Euro) voll ausgeschöpft wird.
c) Berücksichtigung der steuerfreien Übungsleiterpauschale pro rata
Das monatliche SV-Arbeitsentgelt beträgt ab 1.1. 400 Euro(Verdienst 600 Euro– Übungsleiterpauschale 200 Euro). Es liegt ein 450-Euro-Minijob vor.

Grundsatz zu nachträglichen Arbeitsentgeltkorrekturen

Die Arbeitsentgelteigenschaft in der Sozialversicherung wird zum Zeitpunkt der Entstehung des Beitragsanspruchs beurteilt. Beitragsansprüche entstehen, sobald ihre im Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes bestimmten Voraussetzungen vorliegen (Entstehungsprinzip). Nach Entstehung des Beitragsanspruchs lässt sich die Höhe des Arbeitsentgelts insofern abschließend bestimmen, als sie nicht von ungewissen, in der Zukunft liegenden Ereignissen abhängt. Entspricht die steuerliche Behandlung zum Zeitpunkt der Entgeltabrechnung den gesetzlichen Regelungen, war sie objektiv richtig. Der von der Rechtsprechung aufgestellte Grundsatz der Unveränderlichkeit des abgewickelten Versicherungs- und Beitragsrechtsverhältnisses steht insofern einem rückwirkenden Eingriff entgegen.

Beispiel: Ein Übungsleiter verdient ab 1.1.2016 monatlich 600 Euro. Die steuerfreie Übungsleiterpauschale wird monatlich mit 200 Euro berücksichtigt, so dass das SV-Arbeitsentgelt 400 Euro beträgt. Die Beschäftigung wird unvorhergesehen zum 30.4.2016 beendet. Der nicht in Anspruch genommene Steuerfreibetrag in Höhe von 1.600 Euro (2.400 Euro – 800 Euro) darf nicht nachträglich für die Zeit vom 1.1. bis 30.4.2016 berücksichtigt werden. Das sozialversicherungsrechtliche Arbeitsentgelt beläuft sich unverändert auf 1.600 Euro (4 x 400 Euro).

Ausnahmen bei nachträglicher Arbeitsentgeltkorrektur

Ausgenommen vom vorgenannten Grundsatz sind nur Fälle, in denen die steuerrechtliche Behandlung des Arbeitsentgelts zum Zeitpunkt der Abrechnung aufgrund eines Arbeitgeberversehens unrichtig war. Dies ist der Fall, wenn eine offensichtliche Unrichtigkeit oder ein Abrechnungsfehler vorgelegen hat. Diese steuerrechtliche Korrektur würde sich dann nachträglich auch auf das sozialversicherungsrechtliche Arbeitsentgelt auswirken. Die Beschäftigung wäre für abgelaufene Entgeltabrechnungszeiträume versicherungs- und beitragsrechtlich zu berichtigen.

 

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