Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / a) Wohnung
 

Rz. 21

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Eine Wohnung iSd § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG, von der aus der ArbN zur ersten Tätigkeitsstätte fährt, ist regelmäßig sein Heim, das den örtlichen Mittelpunkt seiner Lebensinteressen darstellt (BFH 114, 340 = BStBl 1975 II, 278). Das gesetzliche Tatbestandsmerkmal "Wohnung" ist aber weit auszulegen. Der Gesetzgeber wollte mit der Vorschrift alle Sachverhalte erfassen, in denen einem ArbN durch den Weg von einer irgendwie gearteten, zur Übernachtung geeigneten Unterkunft zum Arbeitsplatz und zurück Aufwendungen entstehen (BFH 137, 463 = BStBl 1983 II, 306). Deshalb kann "Wohnung" idS auch ein möbliertes Zimmer sein oder die Unterkunft in Holzbaracken (BFH 114, 340 = BStBl 1975 II, 278), ein Holzhaus in einem Schrebergarten oder auf einem Wochenendgrundstück, ein für eine gewisse Dauer auf einem Grundstück abgestellter Wohnwagen. Ein ArbN hat aber keine"Wohnung" in einer nicht ortsfesten Einrichtung seines ArbG, zB auf einem in Fahrt befindlichen Schiff oder in einem Baustellenwagen oder einem an der auswärtigen Tätigkeitsstätte abgestellten Wohncontainer sowie bei einem Schlafplatz in einer Massenunterkunft (> R 9.10 Abs 1 LStR), soweit solche Unterkünfte von einem ArbN zur Übernachtung genutzt werden und er von dort seinen Arbeitsplatz aufsucht (BFH 137, 463 = BStBl 1983 II, 306). Denn in solchen Fällen übt der ArbN eine Auswärtstätigkeit aus und für etwaige Aufwendungen für die Fahrt von der Unterkunft vor Ort zur Einsatz-/Bau- oder Montagestelle gilt die Abzugsbeschränkung des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 und 5 EStG nicht (> Erste Tätigkeitsstätte Rz 1 ff). Solche Unterkünfte erfüllen zudem nicht die in > Rz 22 genannten Voraussetzungen. Zum Abzug von WK bei Wegen von und zu mehreren Wohnungen ("Zweitwohnung") > Rz 40 ff.

 

Rz. 22

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Es muss sich grundsätzlich um die eigene Wohnung des Stpfl handeln. Das ist eine Wohnung dann, wenn der Stpfl berechtigt ist, sie ständig zu benutzen. Dabei kommt es vor allem auf die tatsächlich gegebene Situation und nicht so sehr auf die rechtliche Grundlage für das Innehaben der Wohnung an. Die eigene Wohnung wird der Stpfl idR gemietet haben, ggf zusammen mit anderen Personen. Aber auch die faktische Nutzungsüberlassung der Wohnung (Mitbesitz) reicht aus, wie die in > R 9.10 Abs 1 Satz 2 LStR genannten Beispiele zeigen. Die Nutzungsberechtigung kann deshalb auch auf abgeleitetem Recht beruhen. BFH 155, 61 = BStBl 1989 II, 144 verlangt, dass der Stpfl in der Wohnung seit längerer Zeit ständig lebt und übernachtet und dass es die einzige ständige Bleibe in der Nähe der ersten Tätigkeitsstätte ist. Es genügt uE aber die Absicht, die Wohnung längere Zeit zu nutzen; die Entfernungspauschale wird vom Bezug der Wohnung an berücksichtigt. Ein Indiz für eine eigene Wohnung ist die Einrichtung mit eigenem Mobiliar oder die Meldung mit Haupt- oder Nebenwohnung (BFH 155, 61  –  aaO).

 

Rz. 23

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Eine eigene Wohnung idS ist deshalb zB eine von dem Lebensgefährten angemietete Wohnung, die der Stpfl ständig mitbenutzt (EFG 2001, 130 mwN) oder eine gemeinsam mit anderen Personen unterhaltene Wohnung (WG), wenn der Stpfl selbst keine weitere Wohnung hat (BFH 155, 61  –  aaO). Nichts Besonderes – nämlich ausnahmsweise Anwendung des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG – soll auch gelten, wenn die eigene Wohnung objektiv nicht benutzbar ist (zB wegen Renovierung) oder sich zum Erreichen der Arbeitsstätte wegen weiter Entfernung nicht eignet und der Stpfl deshalb zB im Hotel übernachtet (BFH 155, 61  –  aaO). Anders ist es, wenn die Stpfl die Fahrt zur Arbeit nicht von der eigenen Wohnung, sondern von einem anderen Ort aus antritt, zB der Wohnung der Freundin, bei der sie übernachtet hat (BFH 153, 337 = BStBl 1988 II, 706). Dann wendet der BFH § 12 EStG an und lehnt den Abzug ab, weil § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG hier nicht tatbestandsmäßig ist (zu Bedenken > Rz 6/1).

 

Rz. 24

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Zur Wohnung des ArbN gehört ein darin befindliches >  Arbeitszimmer (vgl BFH 162, 77 = BStBl 1991 II, 97; BFH 162, 88 = BStBl 1991 II, 208). Es handelt sich deshalb um einen Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, selbst wenn der ArbN vor der Abfahrt zur ersten Tätigkeitsstätte und nach der Rückkehr sein Arbeitszimmer aufsucht; er bleibt im häuslichen Privatbereich (BFH 155, 353 = BStBl 1989 II, 421; ergänzend > Arbeitszimmer Rz 15 ff). Ebenso ist es, wenn eine Gesellschaft im Wohnhaus ihres Gesellschafter-Geschäftsführers Räume zur betrieblichen Nutzung anmietet, die mit dem Wohnteil eine bauliche Einheit bilden und nur über die Wohnung zu erreichen sind. Anders ist es aber bei Wegen zwischen der ersten Tätigkeitsstätte und einem Arbeitszimmer außerhalb der eigenen Wohnung (vgl EFG 1988, 410). Diese Abgrenzung hat Auswirkungen, weil die Entfernungspauschale des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG und die mit ihr verbundenen Abzugsbeschränkungen stets für den Weg bis zur ersten Tätigkeitsstätte (Betriebsstätten) gilt, für den Weg zu weiter...

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