Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / a) Grundfall mit Höchstbetrag
 

Rz. 65

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Den als WK abziehbaren Betrag – die für jeden ArbN individuell zu ermittelnde Entfernungspauschale – definiert § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 und Abs 2 EStG als das Ergebnis aus der maßgebenden Wegstrecke (zu den Entfernungs-km > Rz 20–64/2) multipliziert mit der maßgebenden Km-Pauschale (> Rz 15) und der Zahl der Arbeitstage (> Rz 31).

 

Beispiel 1:

A fährt an 220 Arbeitstagen mit dem Auto zur Arbeit. Die maßgebende Wegstrecke – einfache Entfernung – zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt 17,8 km. Die Entfernungspauschale errechnet sich so:

Auszugehen ist von 17 vollen Entfernungs-km (> Rz 60). Multipliziert mit 0,30 EUR und 220 Tagen ergibt sich eine Entfernungspauschale von 1 122 EUR.

Dieses Ergebnis bleibt unter dem Höchstbetrag (> Rz 66 ff). Es wird nicht um bestimmte Leistungen des ArbG gemindert (> Rz 72 ff).

 

Rz. 66

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die anzusetzende Entfernungspauschale ist im Regelfall auf einen Höchstbetrag von 4 500 EUR im Kalenderjahr begrenzt. Der Höchstbetrag gilt,

wenn die Wegstrecke mit dem Motorrad, Motorroller, Moped, Fahrrad oder zu Fuß, aber auch mit dem Motorboot (vgl BFH 195, 323 = BStBl 2001 II, 575) zurückgelegt wird (zum PKW > Rz 67),
bei Benutzung eines Kraftwagens für die mitgenommenen Teilnehmer an einer Fahrgemeinschaft, und zwar für die Tage, an denen der ArbN seinen eigenen oder den zur Nutzung überlassenen Kraftwagen nicht einsetzt (ergänzend > Rz 90 ff).

Ausnahmen gibt es bei Benutzung eines eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagens (> Rz 67) und bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel (> Rz 68). Zum Flugzeug > Rz 70/1. Zu einer weiteren Ausnahme für Schwerbehinderte > Rz 106. Der Höchstbetrag von 4 500 EUR wird bei 220 Arbeitstagen erst bei 68 Entfernungs-km zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überschritten.

 

Beispiel 2:

B fährt arbeitstäglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Bahn) an seinen Arbeitsplatz und zurück zur Wohnung. Die Entfernung beträgt 69 km (gemessen von der Wohnung über die maßgebende Straßenverbindung bis zur ersten Tätigkeitsstätte). Bei 220 Arbeitstagen beträgt die Entfernungspauschale (69 km × 0,30 EUR × 220 Tage =) 4 554 EUR. Anzusetzen sind 4 500 EUR.

 

Rz. 67

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Von der Kappung der Entfernungspauschale auf einen Höchstbetrag ausgenommen ist ein ArbN, soweit er die maßgebende Wegstrecke mit dem eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagen zurücklegt (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 HS 2 EStG; zu weiteren Einzelheiten > Rz 85 ff). Er muss gegenüber dem FA lediglich nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (> Glaubhaftmachung), dass und welche Wegstrecke er zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit dem Kraftwagen gefahren ist. Dies gilt auch, wenn nur Teilstrecken mit dem Kraftwagen zurückgelegt werden. Auf die tatsächlichen Aufwendungen für den Kraftwagen kommt es nicht an (BMF vom 31.10.2013 Tz 1.3, BStBl 2013 I, 1376). Der über den Höchstbetrag hinaus anzuerkennende Betrag ergibt sich also nur aus dem Pauschalbetrag von 0,30 EUR sowie aus der Zahl der Straßen-km, für die der Kraftwagen benutzt wird.

 

Beispiel 3:

C ist an 212 Arbeitstagen mit seinem eigenen PKW oder mit dem Firmenwagen von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte gefahren. Die maßgebende Entfernung beträgt 97 km. Seine Entfernungspauschale berechnet sich so:

(97 km × 0,30 EUR × 212 Tage =) 6 169 EUR. Der Höchstbetrag von 4 500 EUR gilt hier nicht, weil C für die Wege zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte den eigenen Kraftwagen benutzt hat.

 

Rz. 68

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gilt zwar grundsätzlich der Höchstbetrag von 4 500 EUR im VZ (> Rz 66). Reicht dies nicht aus, kann ein höherer Betrag abgezogen werden, soweit die tatsächlichen Aufwendungen den als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen (§ 9 Abs 2 Satz 2 EStG). Hier bedarf es allerdings des Nachweises der tatsächlichen Aufwendungen für > Öffentliche Verkehrsmittel, und zwar grundsätzlich bezogen auf den einzelnen Arbeitstag (BMF vom 31.10.2013 Tz 1.6, BStBl 2013 I, 1376; > Rz 81).

 

Beispiel 4:

D fährt mit dem Zug arbeitstäglich von seiner Wohnung in A-Stadt zu seiner ersten Tätigkeitsstätte in B-Stadt. Die maßgebende Wegstrecke beträgt einschließlich der Zu- und Abwege zur Bahn 115 km. D ist an 224 Tagen zur Arbeit gefahren.

Seine Entfernungspauschale berechnet sich so: 115 km × 0,30 EUR × 224 Tage = 7 728 EUR. Die sich für D ergebende Entfernungspauschale beträgt aber nur 4 500 EUR. Weist der D nach, dass er für das Bahnticket mehr als 4 500 EUR im Kalenderjahr aufgewandt hat, werden die den Betrag von 4 500 EUR übersteigenden Aufwendungen zusätzlich berücksichtigt.

Zu einem weiteren Beispiel > Rz 60/1 Beispiel 2.

 

Rz. 69

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Macht ein Stpfl erhebliche Fahrtkosten geltend, sollte er über seine Fahrten Aufzeichnungen fertigen. Ist der Umfang der dargelegten Fahrten nicht plausibel nachvollziehbar, kann das FA die BMG schätzen (EFG 2011, 1243).

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